Tag der offenen Tür: Aktionsprogramm rund um den Stützpunkt zieht zahlreiche Besucher an
Unter dem Motto „Feuerwehr erleben“ fanden über den Tag verteilt etliche Vorführungen statt, die ganz nahe an realistischen Einsatz-Szenarien waren und somit einen guten Eindruck von den täglichen Herausforderungen der Wehr vermittelten. Ob Spraydosenexplosion, Fettbrand oder das druckvolle Einfangen einer Gasflamme: Es war ein heißer Sonntag auf dem Stützpunkt, den man auf Wunsch auch aus der Vogelperspektive verfolgen konnte. Im Korb der Drehleiter ging es rund 30 Meter in die Höhe. Auf der Erde stand der aktuelle Fuhrpark der 72-köpfigen Einsatzabteilung zur Besichtigung bereit. Fahrzeuge für die unterschiedlichen Einsätze und Anforderungen. Darunter auch – im „Florianum“ – der neue Einsatzleitwagen (ELW), der im Mai offiziell übergeben wurde.
Neues Leitfahrzeug
Er verfügt über eine umfangreiche Kommunikationsausrüstung, die aus zwei Computern, einem Multifunktionsdrucker und mehreren Funkgeräten besteht. Die mobile Zentrale dient der Koordination von Einsatzstellen im gesamten Stadtgebiet.
An zwei modernen Arbeitsplätzen sind alle Kommunikationswege möglich. Neben Internet, Digitalfunk, Festnetz und Fax sind digitale Videoübertragungen möglich sowie mehrere Mobilfunknetze verfügbar. Das Navigationsgerät wird direkt über das Ziel des Einsatzes informiert, eine manuelle Eingabe ist damit nicht mehr notwendig. Auch eine Rückfahrkamera und ein autarker Stromerzeuger gehören zur Ausstattung. Eine Wärmebildkamera und diverse Messgeräte sind mit an Bord. Darüber hinaus Büromaterialien, Messgeräte, Einsatzliteratur sowie eine Kühlbox. Darin können zum Beispiel abgetrennte Gliedmaßen „frisch“ gehalten werden.
Dass bei der Wehr jede helfende Hand benötigt wird, demonstrierte die Jugendabteilung an einem Infostand. 23 Mitglieder hat die Kaderschmiede in Bensheim-Mitte aktuell. An einer Spritzwand konnten sich potenzielle Neueinsteiger schon mal im Löschen üben.
Beim Schlauchkegeln waren Präzision und Fingerspitzengefühl gefragt. Etwas zupackender, aber nicht weniger feinfühlig war das Öffnen eines Unfallfahrzeugs. Ein vernarbter Opel diente als Versuchsobjekt. Mit einem hydraulischen Rettungsspreizer wurde die Fahrertür aufgehebelt und das „Unfallopfer“ freigelegt. Im Ernstfall würde die Wehr nun im engen Dialog mit Notärzten und Rettungsassistenten die weitere Vorgehensweise besprechen.
Um die Person möglichst barrierefrei aus dem Fahrzeug zu bekommen, werden spezielle Hydraulikzylinder zum Öffnen der Fahrgastzelle genutzt. Knapp vier Tonnen schafft ein professionelles Hebekissen, mit dem die Feuerwehr beispielsweise eingeklemmte Personen unter Fahrzeugen befreien kann.
Gleich nebenan spürte man die Hitze des Löschtrainers. Mit diesem Modul werden Entstehungsbrände wirklichkeitsgetreu simuliert. Hier konnten auch Laien erleben, wie ein Feuer gezielt bekämpft oder unter Kontrolle gehalten werden kann. „Das ist schwerer als ich dachte“, so ein Besucher, der nicht nur die Aktion, sondern auch das Gewicht der Ausrüstung meinte. Auch der Umgang mit Rettungsschere sieht einfacher aus als er ist. Die Bevölkerung hat beim Tag der offenen Tür einmal im Jahr Gelegenheit, sich mit den Accessoires der Feuerwehr vertraut zu machen. Natürlich standen die Experten um Wehrführer Hans Förg für Fragen zur Verfügung.
Über den Bereich Atem- und Strahlenschutz informierte Rainer Sartorius. Der Gerätewagen verfügt über diverse Chemikalien-Schutzanzüge, Atemschutzmasken und Messgeräte. Er kommt im ganzen Kreisgebiet bei größeren Bränden und Gefahrgutunfällen zum Einsatz. Zuletzt war das Fahrzeug bei einem Dachstuhlbrand in Lorsch und einem Austritt von Gefahrgut im Bensheimer Westen im Einsatz.
Für die Bevölkerung ist der Aktionstag eine offene Bühne mit interessanten Einblicken. Für die Feuerwehr auch eine Demonstration für die generationenübergreifende Zusammenarbeit innerhalb der einzelnen Abteilungen. tr
© Bergsträßer Anzeiger, Montag, 28.09.2015