Großeinsatz: Feuerwehr verhindert beim Brand einer Lagerhalle Schlimmeres / Rauchwolke kilometerweit zu sehen
Bensheim. Auf der einen Seite ein belebter Einkaufsmarkt, auf der anderen Seite das Reifenlager eines Autohauses. Und mittendrin eine alte Scheune, die in Flammen steht. „Wir hatten Glück, dass es so reibungslos und im Verhältnis glimpflich abgelaufen ist“, erklärte Stadtbrandinspektor Willi Plaschke.
Glimpflich bedeutet: Obwohl das Gebäude abgebrannt ist, gab es nach momentanen Erkenntnissen keine Verletzten. Und ein Übergreifen der Flammen konnte durch das schnelle Eingreifen verhindert werden.
Rückblick: Es ist Samstag, 15.15 Uhr. Über der Bensheimer Weststadt ziehen beißende Rauchwolken auf. Zwischen Fabrik- und Moselstraße brennt es. Eine alte, große Holzscheune in Hinterhoflage. Die Sicht am Brandort ist eingeschränkt, der Qualm stellenweise atemberaubend. Mit einem Großaufgebot rückt die Feuerwehr an. Flammen schlagen den Männern und Frauen entgegen.
Schnell wird klar, dass die Halle nicht mehr zu retten ist. Es gilt, das Flammenmeer einzudämmen und die umliegenden Häuser zu schützen. Das benachbarte E-Center an der Wormser Straße wird geräumt. Vor dem Eingang warten Kunden und Belegschaft.
Von zwei Seiten starten die Brandbekämpfer ihren Angriff. Bis in die Nachtstunden werden die Löscharbeiten dauern. In der Halle waren keine gefährlichen Materialen gelagert, hauptsächlich Abfall und Trödel.
Die ebenfalls alarmierten Feuerwehren aus Bürstadt und Bobstadt nehmen dennoch Luftmessungen vor. „Wir haben die Proben zur Berufsfeuerwehr nach Mannheim geschickt. Von dort kam Entwarnung“, so Plaschke.
Dennoch: Im E-Center, einem naheliegenden Hotel und im Heilig-Geist-Hospital werden für einige Zeit die Entlüftungsanlagen ausgestellt. Die Anwohner werden aufgefordert, Fenstern und Türen geschlossen zu halten.
Mit Atemschutzmasken kämpfen sich die Feuerwehrleute an die Scheune heran. In das brennende Holzgerippe wird niemand geschickt – zu gefährlich. Am Montag werden die Trümmer näher untersucht. „Die Halle hatten einen doppelten Boden, es gab viele Löcher. Da konnte bei den Lichtverhältnissen keiner ran“, sagte der Stadtbrandinspektor.
Brandursache ist unklar
Wie es zu dem Feuer kam, konnte am Wochenende nicht abschließend geklärt werden. Ausschließen mochte Plaschke nichts. In der Scheune gab es Strom, folglich könnte es ein technischer Defekt gewesen sein. Doch auch Brandstiftung kommt infrage. Heute wird die Kriminalpolizei, die am Samstag bereits vor Ort war, Ermittlungen aufnehmen.
Über die Schadenshöhe wollten die Experten ebenfalls nicht spekulieren, da der Wert des Gebäudes schwer zu schätzen ist. „Wir können froh sein, dass der Einsatz so reibungslos verlaufen ist“, resümierte Plaschke am Samstagabend.
Daran beteiligt waren 48 Männer der Feuerwehr Bensheim, 24 Kameraden aus Auerbach, zwei aus Heppenheim, 16 Männer und Frauen des DRK-Ortsverbandes Bensheim sowie die Polizei. Kreisbrandinspektor Wolfgang Müller und Bürgermeister Thorsten Herrmann weilten ebenfalls am Ort des Geschehens. Die Polizisten sicherten indes das Gelände und kümmerten sich um den Verkehr.
Der staute sich zum Teil beträchtlich, weil es auf der vielbefahrenen Wormser Straße während des Einsatzes immer wieder zu Behinderungen kam – sei es durch anrückende Feuerwehrautos oder Schaulustige, die im Schritttempo die Rauchwolke am begutachteten.
Ohnehin versammelten sich viele Menschen rund um den Brandherd. Wobei dies nicht immer mit Neugierde verbunden war. „Mein Auto steht noch in der Straße. Ich muss warten, bis die Feuerwehr wieder weg ist“, meinte ein Wartender.
Auch während des samstäglichen Einkaufes erwischte es einige. „Ich brauche nur ein paar Eier und ein Brot. Als ich aus dem Auto wollte, fuhr die Feuerwehr mit Blaulicht an. Jetzt warte ich eben, bis der Markt wieder öffnet. Hier rauszufahren, dauert wahrscheinlich genauso lang“, schilderte ein Bensheimer seine Eindrücke.
Bergsträßer Anzeiger
30. November 2009
Eine kleine Bildergalerie findet man im Morgenweb