Hauptversammlung: Feuerwehr Bensheim leistete 2009 mehr als 1700 Stunden / 263 Einsätze, darunter drei Großbrände
Bensheim. Die Freiwillige Feuerwehr Bensheim kann mit 152 Jahren auf eine lange Tradition zurückblicken. Immerhin ist es der fünftälteste Verein in ganz Hessen. Auch wenn damals das Aufgabenspektrum der Blauröcke anders aussah und mehr Manpower als Technik benötigt wurde, ist es heute nicht leichter geworden.
Über 1700 Stunden waren die Floriansbrüder laut ihrer Statistik in 2009 im Einsatz. „Die Stadt weiß, was sie an ihrer Wehr hat“, erklärte Bürgermeister Thorsten Herrmann auf der Jahreshauptversammlung am Freitag in der Unterkunft an der Robert-Bosch-Straße. Dass der Wehr große Bedeutung in den städtischen Gremien beigemessen wird, spiegelte sich nicht zuletzt in der großen Präsenz von Stadträten und Vertretern aus Parteien aller Couleur.
Wehrführer Hans Förg blickte in seinem Bericht auf ein anstrengendes Jahr zurück. Die 67 aktiven Feuerwehrmänner hatten in 2009 263 Einsätze zu meistern, darunter auch drei Großbrände zu löschen.
Der Wehrführer listete sie auf. So wurden sie in der Silvesternacht gleich zweimal zusammengetrommelt, während andere munter feierten.
Als Mitte des Jahres ein Unwetter über die Bergstraße hinwegzog, trat die Wehr an, pumpte Keller aus, sorgte dafür, dass zwei überflutete Straßen wieder befahren werden konnten und ein umgestürzter Baum vom Fahrweg entfernt wurde.
Lebende Forellen gerettet
Die Männer um Hans Förg waren zur Stelle, als es galt, eine vermisste Person zu suchen, und sie halfen einem Lkw-Fahrer, die Ladung mit lebenden Forellen zu retten.
Erst kürzlich forderte ein Großbrand die Mannschaft heraus. Eine Lagerhalle an der Fabrikstraße brannte lichterloh.
Das Feuer im Gewerbegebiet drohte auf angrenzende Gebäude überzugreifen. Benachbarte Wehren wurden hinzu beordert. Der Einsatz schlug allein bei der Bensheimer Wehr mit 320 Arbeitsstunden mächtig zu Buche.
Die Beispiele zeigen, in welch einem breiten Spektrum von Hilfeleistungen sich die Feuerwehr bewegt. Bürgermeister Herrmann bezeichnete die 64 Aktiven als das Rückgrat des Vereins. Die Jugendwehr ist der nötige Unterbau, der die Zukunft sichert.
Derzeit zählt man hier noch 27 junge Leute zwischen zehn und 17 Jahren, sechs haben die Abteilung verlassen und sind in die aktive Wehr übernommen worden. Den Verlust gleichen zehn neue Mädels und Jungs aus, die unter Leitung von Florian Blumenschein ihre ersten Gehversuche im feuerwehrtechnischen Know-how unternehmen.
Neben Unterricht und Übungen steht gemeinsam gestaltete Freizeit im Mittelpunkt. Die Betreuer haben ein enormes Arbeitspensum investiert. Florian Blumenschein spricht von über 1250 Stunden, ohne dass die zwölf Tage im Zeltlager und die Freizeitfahrten einkalkuliert wurden.
64 Aktive, 27 Jugendliche
Übung macht bekanntermaßen den Meister. Unterricht und Lehrgänge stehen bei der Wehr auf der Tagesordnung. Selbst bei Wind und Wetter wird der Ernstfall geprobt. Viele opfern darüber hinaus wertvolle Freizeit, um sich fortzubilden.
Gerade im Hinblick auf die Zeit, die ein Feuerwehrmann für sein Ehrenamt investiert, beurteilt Förg die ab 2010 notwenige Zusatzausbildung zum Truppführer II kritisch. Sie schlägt allein mit weiteren 80 Ausbildungsstunden zu Buche. „Sieht man die bereits jetzt vorhandene Belastung, die jeder Feuerwehrmann zu bewältigen hat, ist es fraglich, ob es auch in Zukunft genügend motivierte Frauen und Männer gibt, die bereit sind, als Gruppen-, Zug- oder Wehrführen zu fungieren.“ Es sei ohnehin schon schwer genug, Jugendliche und junge Erwachsene für die soziale Gemeinschaft zu gewinnen. Daneben zeigen die Blauröcke mit Festen und Veranstaltungen Präsenz. Gern erinnert Förg an den Tag der offenen Tür, der neben Unterhaltung, Spaß und Spannung auch Informationen in Hülle und Fülle zur Prävention von Bränden bot.
Bürgermeister Thorsten Herrmann war voll des Lobes. Mit Blick auf die Neuanschaffungen, die die Wehr einplant, schlug besonders die Aufrüstung des LF10/6 mit 60 000 Euro zu Buche. 17 000 Euro bezahlt die Wehr aus eigener Tasche.
„Der Verein investiert nicht nur wertvolle Zeit für die Gemeinschaft, er nimmt auch selbst noch beachtliche Summen in die Hand für Ausbildung und Ausrüstung.“ Im Haushalt 2010 sind für alle Feuerwehren der Stadt ein Budget von einer Million Euro eingeplant. Das heißt: 25,77 Euro pro Einwohner.
Hoher Ausbildungsstand
Volker Steiger, stellvertretender Kreisbrandinspektor, lobte den guten Ausbildungsstand der Wehr. Dem stimmte Stadtbrandinspektor Willi Plaschke zu. In einem arbeitsreichen Jahr mit schwierigen Einsätzen habe sich die hohe Qualifikation der Wehr bezahlt gemacht. moni
Bergsträßer Anzeiger
14. Dezember 2009