306 Mal musste die Stützpunktwehr 2025 ausrücken, 74 Mal waren Kleinbrände wie brennende Hecken oder Mülltonnen der Grund.
Bensheim. Mit drei Einsätzen, darunter auch die nachbarschaftliche Löschhilfe beim Jagdschloss in Bickenbach, war das Einsatzgeschehen der Freiwilligen Feuerwehr Bensheim-Mitte in der Silvesternacht des vergangenen Jahres ausgeklungen. Den Jahreswechsel konnten die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer aber nicht lange feiern, denn bereits in der elften Minute des neuen Jahres wurde zum ersten Einsatz alarmiert, dem in den ersten 120 Minuten noch zwei weitere folgten, bevor der Neujahrstag 2026 mit der vierten Alarmierung um 21.36 Uhr endete.
Die Qualität dieser Einsätze – brennende Müllbehälter beziehungsweise Kleinfeuer – macht deutlich, was Stadtbrandinspektor Jens-Peter Karn in seinem Grußwort bei der Jahreshauptversammlung der Stützpunktfeuerwehr als „ärgerliche Bagatelleinsätze“ bezeichnete. Mülleimer oder Hecken entzünden sich in aller Regel nicht von alleine, aber gerade diese Kleinbrände seien angestiegen und hätten in den vergangenen fünf Jahren mit 74 Einsätzen einen Höchststand erreicht. Selbst in dem in diesem Zeitraum einsatzreichsten Jahr 2023 mit insgesamt 333 Einsätzen waren die 66 Brandeinsätze – darunter drei Großbrände – niedriger ausgefallen.
Aber nicht nur das macht der Feuerwehr zu schaffen. „Leerstand ist für die Stadt nicht gut“, verweist Karn auf die im vergangenen Jahr notwendigen Einsätze im ehemaligen Alleehotel und im Neumarkt-Center. Brennendes Gerümpel und Müll musste abgelöscht werden.
Der Juni war der einsatzreichste Monat
Wie dem Jahresbericht von Wehrführer Alexander Merk zu entnehmen war, der Juni der einsatzreichste Monat 2025 – 41 Mal musste die Feuerwehr ausrücken. Unter den elf Brandeinsätzen waren allein neun brennende Mülltonnen. Auch 15 der insgesamt 43 durch Brandmeldeanlagen ausgelösten Fehlalarme gehörten dazu, ebenso 15 Hilfeleistungen.
Mit insgesamt 306 Einsätzen war das Jahr 2025 für die Stützpunktfeuerwehr aber ein relativ normales Jahr. So gab es im vergangenen Jahr weder während des Winzerfestes noch beim traditionellen Tag der offenen Tür an der Robert-Bosch-Straße größere Unterbrechungen. Am Tag der Katastrophenschutzübung „Apollon“ war das jedoch anders. Obwohl alle Bensheimer Wehren in diese Großübung eingebunden waren, mussten an diesem Tag drei reale Einsätze abgearbeitet werden. Darunter auch einen Wohnungsbrand mit Menschenrettung in der Platanenallee. Hier habe es sich wieder gezeigt, wie gut es sei, in solchen Fällen einsatzbereite Fahrzeuge und Mannschaft zurückzuhalten, so Wehrführer Merk.
In Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst wurden von der Feuerwehr Bensheim-Mitte im vergangenen Jahr insgesamt 189 verletzte beziehungsweise erkrankte Personen betreut, wovon 36 Personen aktiv aus Zwangs- und Notlagen befreit werden mussten. Sieben Menschen konnten leider nur noch tot geborgen werden. Vier Einsatzkräfte wurden im Rahmen ihres Ehrenamtes leicht verletzt. Insgesamt wendeten die Mitglieder der Einsatzabteilung 3288 Stunden auf.
Deutlich mehr Stunden investierten die Einsatzkräfte in ihre Ausbildung. Neben Übungen und Unterrichten wurden auch insgesamt 124 Lehrgänge besucht, was sich zum Jahresende auf 6320 Stunden summierte.
Stärkere Beteiligung bei Übungsabenden erwünscht
Zur Einsatzabteilung der Feuerwehr gehört auch der Gefahrstoff-Zug (GABC), der für atomare, biologische und chemische Gefahren zuständig ist. Seine Mannschaft setzt sich aus Kameradinnen und Kameraden aus den Stadtteilwehren Mitte, Gronau, Zell, Auerbach, Schönberg und Fehlheim zusammen. Die Arbeit dieses Zuges beschränkte sich im vergangenen Jahr auf einen Einsatz und insgesamt zehn Unterrichts- und Übungsabende, für die sich Alexander Delp aber künftig eine stärkere Beteiligung wünschte. Sein Dank ging insbesondere auch an die Stadt Bensheim, die trotz angespannter Haushaltslage die Anschaffung eines Rollcontainers für den Transport und Betrieb des Dekontaminierungs-Platzes ermöglicht hatte.
Über eine positive Entwicklung bei der Nachwuchsarbeit konnte Jugendfeuerwehrwart Simon Lüdtke berichten. Obwohl acht Mitglieder die Jugendfeuerwehr verlassen hatten – zwei Mitglieder wurden in die Einsatzabteilung übernommen –, konnte aufgrund von 12 Neuzugängen der Nachwuchs auf insgesamt 27 Jugendliche im Alter zwischen 10 und 17 Jahren verstärkt werden.
Das mit der Weihnachtsbaumsammlung gestartete Jahr setzte sich mit der feuerwehrtechnischen Ausbildung in den zahlreichen Unterrichts- und Übungsabenden fort und beinhaltete auch die allgemeine Jugendarbeit in Form von Freizeitfahrten, Kreiszeltlager oder Wandertag. Auch beim Tag der offenen Tür war die Jugendfeuerwehr aktiv beteiligt.
Von einem „Jahr der Begegnungen“ sprach Vorsitzender Stefan Fasser in seinem Bericht für den Feuerwehrverein. Diese Beziehungen reichen über die Ländergrenzen hinaus, berichtete er vom Besuch in der ungarischen Partnerstadt Mohács anlässlich des 150. Jubiläums der dortigen Wehr. Beim Kameradschaftsabend in Bensheim freute man sich über die anwesenden Gäste aus Mohács und aus Oldrzychowce, einer zur polnischen Partnerstadt Klodzko gehörenden Gemeinde. Eng ist die Zusammenarbeit mit Bensheimer Vereinen, wie beispielsweise mit der Heimatvereinigung Oald Bensem und der BKG oder bei der Baumpflanz-Challenge der Blaulicht-Organisationen.
Feuerwehr-Tauschbörse am 1. März geplant
Neben verschiedenen Vereinsveranstaltungen wies Fasser insbesondere auf die GGEW-Crowdfunding-Aktion hin, mit deren Erlös von 4.000 Euro Tablets für die Einsatzfahrzeuge angeschafft werden konnten. Ebenso konnte der Verein im vergangenen Jahr 23 neue Mitglieder begrüßen, die mit ihrem Beitrag das ehrenamtliche Engagement der Feuerwehr unterstützen.
Für die Oldtimergruppe, in der sich aktuell nur noch fünf Personen um den Erhalt und die Pflege der historischen Feuerwehrfahrzeuge kümmern, berichtete Markus Fendrich. Aufgrund des geringen Personalstandes waren im vergangenen Jahr nur noch einige wenige Hochzeitsfahrten möglich. Dennoch wird es in diesem Jahr anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Oldtimergruppe eine zweite internationale Feuerwehr-Tauschbörse in der Feuerwache an der Robert-Bosch-Straße geben. Am 1. März können Sammler von Feuerwehrutensilien wie Helme, Uniformen, Abzeichen, Armaturen, Feuerlöscher, Pumpen oder Blaulichter von 10 bis 15 Uhr ihre Schätze finden. Auch für das leibliche Wohl ist an diesem Tag gesorgt.
Ausgesprochen gut ist das vergangene Jahr auch für die Feuerwehrkasse gelaufen. Laut dem Bericht von Rechnerin Stefanie Koob wies die Bilanz ein stattliches Plus aus, so dass sowohl der Rechnerin als auch dem gesamten Vorstand einstimmig die Entlastung erteilt wurde. Dank und Respekt für die geleistete Arbeit sprachen Stadtverordnetenvorsteherin Christine Deppert sowie Erster Stadtrat Frank Daum in ihren Grußworten aus. Christine Deppert zeigte sich von dem vielfältigen Einsatzspektrum beeindruckt und als Finanzdezernent der Stadt wies Daum auf die nach wie vor herausfordernde Finanzlage der Stadt hin. Dennoch werde man in der Unterstützung des Brand- und Katastrophenschutzes nicht nachlassen und auch in diesem Jahr 1,8 Millionen Euro investieren. Das seien immerhin knapp 20 Prozent aller geplanten städtischen Investitionen in diesem Jahr.
Stadtbrandinspektor Karn hatte abschließend noch auf die Jahreshauptversammlung aller Bensheimer Wehren am 6. März hingewiesen, bei der auch die Wahl der Stadtbrandinspektoren anstehe. Mit seinem Dank für die gute Zusammenarbeit der vergangenen fünf Jahre verband er den Hinweis, dass sowohl er als auch seine beiden Stellvertreter Thomas Strößinger und Jürgen Ritz gerne weitermachen würden und sich erneut zur Wahl stellen.
© Jeanette Spielmann
© Bild: FF Bensheim
Bergsträßer Anzeiger, Donnertag, 03.02.2026
Originalbericht: https://www.bergstraesser-anzeiger.de/orte/bensheim_artikel,-bensheim-bagatelleinsaetze-machen-der-bensheimer-feuerwehr-zu-schaffen-_arid,2355674.html