Einsatz: Für eine halbe Stunde konnten keine Züge fahren / Kripo ermittelt wegen Verdachts der Brandstiftung

Von unserem Redaktionsmitglied Dirk Rosenberger

 

Auerbach. Großeinsatz am Auerbacher Bahnhof: Im leerstehenden Bahnhofsgebäude brach am Montag gegen 5.30 Uhr in einem Zimmer im ersten Stock ein Feuer aus. Der Brand hatte massive Auswirkungen auf den Schienenverkehr. Rund 30 Minuten konnten keine Züge fahren.
„Anwohner hatten einen lauten Knall gehört und Rauch gesehen“, erklärte Stadtbrandinspektor Willi Plaschke. Die Auerbacher Feuerwehr rückte an. Zunächst ging man von einem Dachstuhlbrand aus. Als die Männer vor Ort waren, gab es eine Durchzündung: Fensterscheiben zerbarsten, durch den zusätzlichen Sauerstoff erhielten die Flammen neue Nahrung. Menschen kamen nicht zu Schaden.

Verstärkung angefordert

Weitere Verstärkung wurde alarmiert, die Bensheimer Kameraden rückten mit der Drehleiter an. Von zwei Seiten versuchten die Brandbekämpfer, die Lage in den Griff zu bekommen – was schließlich auch gelang. „Wir konnten das Feuer auf einen Raum begrenzen, ein Übergreifen auf das restliche Haus verhindern. Weil wir an den Gleisen arbeiten mussten, konnten keine Züge fahren“, so Plaschke. Das habe natürlich zu einer starken Einschränkung des Reise- und Pendlerverkehrs geführt.
Das Gebäude befindet sich seit einiger Zeit in Privatbesitz. 2008 verkaufte die Deutsche Bahn AG das Gebäude mit dem Vorplatz an „Patron Elke S.a.r.l.“. Seitdem hatten Reisende keinen Zutritt mehr zur Wartehalle. Im vergangenen Jahr wurde bekannt, dass ein Auerbacher die sanierungsbedürftige Immobilie erworben hat und sie wieder auf Vordermann bringen wollte. Von einem Neustart mit einem kleinen Café war die Rede. Umgesetzt wurden diese Pläne bisher nicht.
„Es wird wohl seit längerer Zeit renoviert“, meinte der Stadtbrandinspektor. Zumindest habe sich das Zimmer in einer Art Rohbauzustand befunden. Die Kriminalpolizei nahm gestern Vormittag die Ermittlungen auf. Brandstiftung könne nicht ausgeschlossen werden, so Plaschke. Die Polizei geht jedenfalls nicht von einem technischen Defekt als Ursache aus. Zumal das Haus zurzeit weder Gas noch Strom hat. Die Leitungen sind abgeklemmt. Zeugen können sich unter Telefon 06252/7060 bei den Beamten in Heppenheim melden.
Die Feuerwehr schätzt den Schaden auf mindestens 50 000 Euro. Wobei eine genaue Summe aufgrund des Allgemeinzustands schwer festzulegen sei. Der Auerbacher Bahnhof an der Wilhelmstraße gilt eigentlich als Kulturdenkmal. Die Empfangshalle der einstigen Main-Neckar-Bahn wurde 1850 wahrscheinlich nach Plänen des bekannten Architekten Georg Moller errichtet. An der Südwestecke wurde ein Stellwerkhäuschen angebaut, das wegen seiner Formensprache dem Bensheimer Architekten Heinrich Metzendorf zugeschrieben wird.
Der jahrelange Leerstand nach dem Verkauf durch die Bahn hatte allerdings ihre Spuren hinterlassen. Vielen Auerbachern war und ist der Zustand des klassizistischen Baus ein Dorn im Auge.
Das gestrige Feuer trägt nicht dazu bei, das Gebäude wieder mit Leben zu erfüllen. Etwas mehr als zwei Stunden dauerte der Einsatz, an dem zehn Fahrzeuge der Auerbacher und Bensheimer Wehren mit insgesamt 61 Mann beteiligt waren. Außerdem wurde vorsorglich der Rettungsdienst gerufen. Bundes-, Landes- und örtliche Polizei waren ebenso vor Ort wie Mitarbeiter der GGEW AG, die Versorgungsleitungen überprüften.

© Bergsträßer Anzeiger, Dienstag, 28.10.2014