Feuerwehr: Große Übung rund um die Mittelbrücke / Brand in der Alten Faktorei als Übungsszenario
Bensheim. Wenn es in der Innenstadt brennt, schaltet die Feuerwehr auf die höchste Stufe in der Alarmbereitschaft. Zu schnell könnten sich die Flammen im historischen Fachwerkensemble zu einem Flächenbrand ausweiten. Umso wichtiger ist es Wehrführer Hans Förg, dass die Löschtrupps mit den Gegebenheiten vor Ort gut vertraut sind und auch die versteckten Ecken und Winkel kennen.
Mit Bedacht hatte er das Zentrum als Objekt für eine großangelegte Übung ausgewählt. Als am Samstag die Sirenen heulten und Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei mit Blaulicht in die Innenstadt einfuhren, probten die Helfer den Ernstfall in der Alten Faktorei und einem Nachbarhaus mit Bekleidungsgeschäft im Erdgeschoss.
Fünf Verletze gerettet
Drei Minuten nach der Alarmierung war die Feuerwehr mit den ersten Fahrzeugen am Ort des Geschehens. In gut einer halben Stunde konnte sie fünf Leben retten und den Brand löschen. Eine gute Bilanz. Einsatzleiter Romed Klein und die Abschnittsleiter Daniel Koep und Alexander Merk hatten zügig die Lage im Griff und dirigierten die neun Fahrzeuge und die 40 Mann.
Priorität hatte zunächst die Lebensrettung der fünf vermissten Personen. Zehn Atemschutzträger verschafften sich über den Hintereingang Zugang zum Haus, während auf der Vorderseite zwei Feuerwehrmänner mit der vorgefahrenen Drehleiter von Fenster zu Fenster manövrierten.
In der guten Kooperation konnten die fünf Verletzten zügig aus der Gefahrenzone befreit und der Bereitschaft des DRK Bensheim übergeben werden. Sie war mit fünf Fahrzeugen und zehn Helfern tätig. Bereitschaftsleiter Jörg Joswig und seine Mannschaft hatten auf dem Marktplatz eine provisorische Hilfsstation für eine Erstversorgung aufgebaut. Wie nah Übung und Ernstfall zusammenliegen können, erfuhren sogleich die Sanitäter. Sie hatten nicht einmal ihre Utensilien zusammengeräumt, als sie zu einem Verkehrsunfall an die Mühltalstraße gerufen wurden.
Die Brandschützer hatten Schläuche verlegt, die Rohre verschraubt und rückten dem „Feuer“ sofort effektiv zu Leibe: von der rückwärtigen Seite, von vorne wie auch von der Mittelbrücke aus. Selbst an der Drehleiter hatte man ein Rohr mit einer Verbindung über Schläuche zum Wassertank montiert. Im Ernstfall hätte man den Brandangriff von allen Seiten gestartet.
Stellvertretender Kreisbrandinspektor Werner Trares beobachtete auf Schritt und Tritt die Aktion und stellte zum Schluss den Löschtrupps sehr gute Noten aus. Sie hätten in ihrem strukturierten Vorgehen und vorausschauenden Handeln überzeugt. Die Einsatzleitung hatte weitere Wehren, wie aus Auerbach und Lorsch, um Unterstützung gebeten und zudem weitere Gerätewagen mit Atem- und Strahlenschutz vorsorglich alarmiert. Trares bescheinigte nicht nur eine sichere und strategisch richtige Handhabe. „Es war immer der unerlässliche Schwung und eine hohe Konzentration in den Trupps zu spüren.“
Lob von den Chefs
Dem großen Lob für die gezeigte Inspektionsübung, die alle zwei Jahre abgehalten wird, konnten sich Stadtbrandinspektor Willi Plaschke und sein Stellvertreter Thomas Strößinger nur anschließen. Die Rettungskette lief hervorragend ab. Die städtischen Gremien, allen voran Bürgermeister und Feuerwehrdezernent Thorsten Herrmann, zeigten sich mehr als zufrieden mit dem einzig auf ehrenamtlicher Basis beruhenden Engagement.
Bereits zuvor zeigten die Jugendlichen unter Leitung von Steffen Elgner in einer komplex angelegten Übung am Feuerwehrgerätehaus, dass sie als Löschtrupp fungieren können.
Sie meisterten die Aufgabe, den Brand in einer Werkstatt fachmännisch zu löschen und zuvor drei verletzte Personen aus der Gefahrenzone in die Hände von Sanitätern zu bringen. Nicht nur die Experten verfolgten mit kritischem Blick die Arbeit der Blauröcke. Trauben von interessierten Zuschauern verfolgten den Einsatz der Helfer am Bürgerwehrbrunnen. Trotzdem sprach Werner Trares von „glücklichen Umständen“. Am Winzerfest oder an speziellen Markttagen dürften sich die Helfer mit weitaus größeren Besucherströmen konfrontiert sehen, durch die sie sich einen Weg bahnen müssen.
© Bergsträßer Anzeiger, Montag, 20.10.2014