Jubiläum: Bensheimer Jugendfeuerwehr wird 50 Jahre alt

Bensheim. 50 Jahre Bensheimer Jugendfeuerwehr. Statt endloser Reden, in denen alles von jedem gesagt wird, hat sich die junge Truppe etwas Besonderes einfallen lassen: Eine lockere Talkrunde über die Biografie der Abteilung. Munter moderiert von Heinz Walter, dem Vorsitzenden der Heimatvereinigung Oald Bensem, die gemeinsam mit dem Bensheimer Kraftsportverein für die Bewirtung der Feier gesorgt hat.

In den Sand gesetzt

Zwar waren die Temperaturen am Samstagabend nicht unbedingt bademodentauglich, doch die Freiwillige Feuerwehr Bensheim-Mitte ist abgehärtet genug, um auch bei 16 Grad eine zünftige Beachparty in den Sand zu setzen.
Zwei Tieflader hatten den hinteren Bereich der Unterkunft in einen attraktiven Strandabschnitt verwandelt. Mit Cocktailbar, Strandkörben und allem, was dazugehört. Nur das Meeresrauschen hat man an der Robert-Bosch-Straße ein wenig vermisst. Der Auerbacher DJ Manuel war erfolgreich darin, die Ohren mit anderen Klängen zum Vibrieren zu bringen.

Wie gesagt: Ein Festakt im Plauderton. Heinz Walter holte sich alte und neuere Feuerwehrexemplare auf die Bühne in der festlich hergerichteten Fahrzeughalle – der Fuhrpark musste ausnahmsweise draußen Aufstellung nehmen.
Wehrführer Hans Förg erinnerte sich an den Hessentag 1976 in Bensheim, als er gerade in der Jugendwehr aktiv war und mit der wunderbaren Aufgabe betraut wurde, gemeinsam mit ein paar Kameraden jeweils 50 Hessentagspüppchen zu verkaufen. Man sieht: Die Anforderungen an die Mitglieder sind vielfältig und nicht zu unterschätzen.
Förg kam im Alter von 13 Jahren erstmals mit der Wehr in Kontakt, als er in der Nachbarschaft einen Brandeinsatz miterlebte und ein Freund ihn motivierte, beim organisierten Helfen mitzumachen. „Der Ton war strenger damals“, erinnert sich der Vereinsvorsitzende.
1963 war ein bewegtes Jahr – auch für die Bensheimer Feuerwehr. Unter der Leitung von Karl Roth wurde die Jugendabteilung samt Spielmannszug gegründet. 1966 wurde erstmals die Leistungsspange vergeben, die höchste Auszeichnung für ein Mitglied der deutschen Feuerwehrjugend. Die Prüfung bewertet feuerwehrtechnische Kenntnisse, persönliches Auftreten und körperliche Stärke.
War die Jugend früher noch an die aktive Wehr gebunden, hat die Abteilung längst eine eigene Ausstattung und Räumlichkeiten, so Vorstandsmitglied Stefan Fasser. Vize Steffen Elgner, der für Jugendwart Florian Blumenschein auf der Bühne war, betont die sozialen Kontakte und die Pflege von Gemeinschaft und Wirgefühl als wesentliche Aspekte der Jugendarbeit.
1978: Jugendwart Willi Plaschke, heuer Stadtbrandinspektor, fährt mit der Truppe in die Partnerstadt Beaune. Im gleichen Jahr wird der erste Jugendraum bezogen. 1983 findet das 20. Jubiläum mit einer Jugendübung am Haus am Markt statt. 1987 organisiert Jugendwart Wolfgang Seitz die erste Weihnachtsbaumsammlung – der Beginn einer bis heute erfolgreichen Aktion. Zwei Jahre später fährt die Jugend nach Mohács in Ungarn. Die Beziehungen zu den Wehren in den Bensheimer Partnerstädten werden intensiv gepflegt.
Die 90er Jahre beginnen mit dem ersten Aktionstag in der Innenstadt, aus dem der „Tag der Feuerwehr“ wurde. Eine öffentliche Darstellung der facettenreichen Aufgaben, die der Wehr immer wieder fördernde Mitglieder ins Haus spült. Man sucht den Kontakt zum Bürger. Aufklärung tut Not. Die Idee, Bensheim habe eine Berufsfeuerwehr, hält sich hartnäckig. Das Vorurteil, dass Frauen und Feuerwehr nicht harmonieren, wird in Mitte spätestens 2007 mit Sonja Lang außer Kraft gesetzt. Sie wurde Anfang 2012 in die Einsatzabteilung übernommen.

Heinz Walter unterstrich die gute und fruchtbare Arbeit der Jugendleiter, darunter auch bekannte Feuerwehrleute wie Herbert Funk, Heinrich Plaschke und Ralf Jährling. Seit 1963 ist die Abteilung der Garant für eine funktionierende Einsatztruppe. Denn der Nachwuchs zwischen zehn und 17 Jahren kommt bei der Feuerwehr fast ausschließlich aus den eigenen Reihen. Quereinsteiger sind echte Raritäten. Rund 90 Prozent der Aktiven sind Eigengewächse und stammen aus der Jugendwehr.
Neben Zeltlagern und Ausflügen werden sie bei der Wehr von Grund auf ausgebildet. Alles ohne Mitgliedsbeitrag. Ein Faible für Technik ist wünschenswert. Die Jugendwehr bietet ein verantwortungsvolles Miteinander, Teamgeist und spielerisches Hineinschnuppern in den Feuerwehralltag.
Heute zählt die Jugendwehr 26 Mitglieder. „Der gesamte aktuelle Vorstand hat dort angefangen“, so Hans Förg, der unterstreicht: Eine gut ausgebildete Jugend ist das Fundament der Einsatzabteilung und macht letztlich die Qualität der Truppe aus. tr

© Bergsträßer Anzeiger, Montag, 26.08.2013