PILOTPROJEKT – BENSHEIMER BRANDSCHÜTZER LIESSEN SICH VON NOTFALLSANITÄTERIN JENNIFER HILSDORF SCHULEN

BENSHEIM. Die Feuerwehr Bensheim-Mitte hat für ihre aktiven Feuerwehrleute einen 16-stündigen Pilotlehrgang „Erste Hilfe in der Feuerwehr“ angeboten. Die Notfallsanitäterin Jennifer Hilsdorf unterrichtete im Lehrsaal des Feuerwehrstützpunktes einen Teil der Bensheimer Brandschützer.

Der neue Lehrgang setzt sich zusammen aus einem Erste-Hilfe-Lehrgang entsprechend den Vorgaben der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) und einem feuerwehrspezifischen Teil. Am ersten Tag wurden unter anderem die Themen allgemeine Erste Hilfe, Herz-Lungen-Wiederbelebung und das Bolusgeschehen besprochen und geübt. Bei einem Bolusgeschehen wird ein Gegenstand verschluckt und kann gegebenenfalls nicht mehr selbst ausgehustet werden. Der Patient droht zu ersticken. Dabei konnten die Teilnehmer mittels eines Bolustrainers Handgriffe üben, die bewirken, dass der verschluckte Gegenstand ausgeworfen wird.

Übungen mit Defibrillator

Am zweiten Tag wurden feuerwehrspezifische Themen behandelt. Dabei ging Jennifer Hilsdorf insbesondere auf die Erkennung und Beurteilung sowie auf die Erstmaßnahmen bei Verbrennungen, anderen thermischen Verletzungen und Erkrankungen ein. Das Thema Rauchgasvergiftung brachte die Überleitung zu praktischen Übungen mit dem automatischen externen Defibrillator (AED).

Ein Defibrillator ist ein Gerät, das während einer Herz-Lungen-Wiederbelebung eingesetzt wird. Inzwischen sind diese Geräte in vielen öffentlichen Gebäuden und Firmen vorhanden. Sie sind selbsterklärend und dürfen von jeder Person eingesetzt werden. Damit die Feuerwehrleute im Notfall über Routine verfügen, wurde mit dem AED ausführlich unter den Anweisungen der Notfallsanitäterin geübt.

Weiterhin konnten die Rettung und der Transport von verletzten Personen mit den Gerätschaften der Feuerwehr geübt werden. Selbstverständlich wurde auch die Rettung und Primärversorgung in verunfallten Fahrzeugen besprochen. Die Schienung von Frakturen (Knochenbrüchen) wurden mit dem sogenannten Sam-Splint (Alu-Polsterschiene), einer biegsamen Kunststoffmatte mit eingelegtem Aluminium, geübt.

Abschließend wurde mit dem bei der Feuerwehr neuen Abbindesystem (Tourniquet) gearbeitet, das zum Einsatz kommt, wenn kritische Blutungen durch Amputationen vorliegen. Da diese Hilfsmittel auf einigen Feuerwehrfahrzeugen der Bensheimer Feuerwehr verlastet sind, ist es besonders wichtig, dass die Feuerwehrkameraden damit im Notfall, falls der Rettungsdienst noch nicht vor Ort ist, fachgerecht umgehen können.

Jeder sollte sich weiterbilden

Laut den Ausführungen der Notfallsanitäterin ereignen sich im Straßenverkehr etwa fünf Prozent der Unfälle, 90 Prozent aller Unfälle dagegen im privaten oder betrieblichen Umfeld. Weiterhin erleiden rund 300 000 Menschen in Deutschland jedes Jahr einen Herzinfarkt.

Daher sollten sich nicht nur Feuerwehrleute hinsichtlich Erster Hilfe weiterbilden, sondern jeder einzelne Bürger, heißt es von Seiten der Feuerwehr. Jeder ist zur Ersten Hilfe verpflichtet und jeder kann Erste Hilfe leisten. Einer der wichtigsten Schritte dazu sei, die Nummer des Notrufes 112 zu wählen. red

© Bergsträßer Anzeiger, Donnerstag, 13.02.2020

© Bild: FFW Bensheim

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