Aktion: Bensheimer Jugendwehren sammelten Tausende Weihnachtsbäume im gesamten Stadtgebiet ein
Bensheim. Ein leichter Duft von Tannengrün verbreitete noch einmal eine dezent nachweihnachtliche Stimmung auf dem Erlenhof von Familie Hörr. Doch der Häcksler kannte keine Gnade. In wenigen Sekunden wurde aus dem Weihnachtsbaum 2015 ein Häufchen Heizbrennstoff für 2016.
Die Sammelaktion der Bensheimer Jugendfeuerwehren ist Tradition. Ein kostenloser Service für die Bürger, die ihre ausgedienten Nadelbäume frei Haus entsorgen können. Seit über 20 Jahren rücken die Teams am Samstag nach dem Dreikönigstag in allen Ortsteilen aus, um die ausgedienten Tannen abzuholen und an der zentralen Sammelstelle in Kleinholz zu verwandeln. Nach vorsichtigen Schätzungen der Feuerwehr wurden aus rund 10 000 abgeschmückten Bäumen etwa 150 Kubikmeter Hackschnitzel gemacht, so Jugendwart Steffen Elgner aus Bensheim-Mitte. Etliche Helfer bestätigten den Eindruck, dass in diesem Jahr besonders viele Christbäume vor den Häusern standen.
170 Helfer, 30 Fahrzeuge
Die Spenden der Baumbesitzer fließen in die Jugendarbeit der Freiwilligen Feuerwehren, die auch in diesem Jahr wieder mit gebündelter Kraft im Einsatz waren. Wie immer unterstützt vom Technischen Hilfswerk und dem Deutschen Roten Kreuz.
Insgesamt 170 Helfer waren am Samstag mit 30 Fahrzeugen rund acht Stunden lang unterwegs. Darunter rund 70 Jugendliche. Für die Wehren war es der erste große Einsatz im neuen Jahr. Und eine konzertierte Aktion, die beispielhaft die gute Zusammenarbeit untereinander sowie mit den beteiligten Hilfsorganisationen demonstriert. Flankiert wird das große Einsammeln von etlichen weiteren Helfern, darunter Landwirte, private Kollaborateure und lokale Unternehmen, die mit Mensch und Maschine ihren Beitrag geleistet haben.
Bereits um halb neun rückten die ersten Trupps aus. Je kleiner der Ortsteil, desto schneller waren die Straßen abgegrast. „Wir holen auch Nachzügler ab“, so Steffen Elgner über jene Bäume, die erst später vor die Haustür gestellt wurden.
Als die Ladungen aus Fehlheim und Schwanheim von der Robert-Bosch-Straße in den Erlenhof einbogen, wurde es richtig eng. Teilweise stapelten sich die Tannen zwei, drei Meter hoch. Bewegt wurde das trockene Grün von Kleinbaggern. Am Häcksler wurde pausenlos geschafft. Das zermahlene Holz wird jetzt getrocknet und vor Ort für die energetische Nutzung zwischengelagert. „Wir sind froh, dass wir die Bäume kostenlos entsorgen können“, so Michael Lortz über die Zusammenarbeit mit Familie Hörr, die das Tannen-Team am Samstag mit Heißgetränken versorgte.
Der Stadtjugendfeuerwehrwart dankt auch allen Bensheimer Firmen und Landwirten für die Unterstützung. „Allein mit unseren Feuerwehrfahrzeugen könnten wir eine solche Großaktion nicht stemmen.“ Auch Stadtbrandinspektor Jens-Peter Karn und Bürgermeister Rolf Richter schauten an der Abladestelle vorbei. „Ich hoffe, dass sich die Jugendwehr über ordentliche Spenden freuen kann“, so Richter.
Vor Ort zeigte sich, wie gut die einzelnen Teams eingespielt sind. Trotz des bisweilen kräftigen Stoßverkehrs kam es nicht zu größeren Staus. Schon nach kurzer Zeit war der Boden von Nadeln übersät. Auch die Hörrs hatten am Samstag alle Hände voll zu tun. Für manchen kleinen Zuschauer war die großangelegte Vernichtungsaktion ein echtes Happening. „Das ist für ihn so schön wie Weihnachten“, so der Kommentar einer Mutter.
Von unterwegs berichteten die Helfer, dass die ehemalige Sitte, kleine Geldbriefchen an die Bäume zu heften, glücklicherweise kaum noch anzutreffen sei. Sicherer und bequemer ist es, der Feuerwehr das persönliche Dankeschön bargeldlos zu überweisen.
© Bergsträßer Anzeiger, Montag, 11.01.2016