Feuerwehr Bensheim-Mitte: Viele Besucher beim Aktionstag rund um den Hospitalbrunnen / Informationen und Vorführungen

Von unserem Mitarbeiter Thomas Tritsch

Bensheim. Drei Meter hohe Stichflamme in der unteren Fußgängerzone. Die Temperatur steigt schlagartig. Einige Zuschauer weichen zurück. Doch der Feuerwehrmann bittet ausnahmsweise Mal zum Näherkommen. Der Löschtrainer war einer der Stars in der Bensheimer Fußgängerzone.

Alle zwei Jahre organisiert die Feuerwehr Bensheim-Mitte ihren Aktionstag rund um den Hospitalbrunnen. So auch am Samstag. Die Wehr präsentierte sich hautnah am Bürger, mit Spielen, Informationen und brenzligen Szenarien fast wie in Wirklichkeit.
Hier darf auch der Laie Feuer löschen und mit der hydraulischen Rettungsschere einen wehrlosen zerknautschten Opel Astra aufschneiden. Das Sezieren eines Pkw ist schließlich eine Gelegenheit, die einem nicht täglich vor die Nase fällt. Doch das Fahrzeug ist fertig genug, um ohne Erbarmen gnadenlos loszulegen.
Die Kameraden um Wehrführer und Vorsitzenden Hans Förg waren gesprächig und hatten allerlei Ausrüstung mitgebracht, um sich und ihre Aufgaben der Öffentlichkeit zu präsentieren. Der „Tag der Feuerwehr“ soll die Wahrnehmung der freiwilligen Truppe steigern und aufklären, was im Alltag der Wehr wirklich los ist.
Förg erläuterte beispielsweise, dass die Zahl der Alarmierungen durch private Feuermelder enorm angestiegen ist – für die Kollegen eine Grauzone.
Eine Türöffnung durch die Feuerwehr bei konkreter Brandgefahr gehört für viele Einsatzkräfte zum Tagesgeschäft. Wie aber sind solche Fälle rechtlich zu beurteilen, wenn sich herausstellt, dass tatsächlich keine Gefahr bestanden hat? Wann genau darf ein Feuerwehrmann eine Tür öffnen und wer trägt die Kosten, wenn der Eingang letztlich ohne Grund geöffnet wurde? Auch über diese Details konnte man sich vor Ort ausführlich informieren.
An der Aktionsmeile stellte sich auch die Jugend mit einem eigenen Infostand vor und hatte für die kleinen Besucher etliche feuerwehrtechnische Spiele dabei. Unter anderem konnten sich Kinder bei einem spannenden Regenrinnen-Bootsrennen vergnügen oder ein kleines Feuer eigenhändig löschen. Die Profis sorgten dafür, dass alles gefahrlos über die Bühne ging.
Mutige fragten nach einer Fahrt im Korb des Drehleiterfahrzeugs, weniger beherzte Gäste bevorzugten das Hantieren mit dem Rettungsspreizer, der mit 600 Bar Öldruck eine Kraft von bis zu drei Tonnen aufbringen kann – ein elementares Werkzeug beim Retten von eingeklemmten Personen. Mit ihm lassen sich Türen öffnen, Lasten heben und Spalte vergrößern. Nicht gerade Hightech war die historische Feuerwehrleiter am Lammertsbrunnen. Von dort aus führte eine Schlauchleitung bis zur eigentlichen Aktionsmeile, wo am Samstag auch der Löschtrainer stationiert war.
Ein mobiles Modul, das unterschiedliche Entstehungsbrände realitätsnah simulieren und deren Bekämpfung trainieren kann. Für die Zuschauer auch eine schöne Gelegenheit, sich ein wenig aufzuwärmen.

Neuer Einsatzleitwagen seit heute unterwegs: HP FB-102

Im Rahmen des Feuerwehr-Aktionstages wurde der neue Einsatzleitwagen durch Bürgermeister Rolf Richter übergeben. „Ein lange gehegter Wunsch“, so Richter, der gerade von der Hessentags-Eröffnung in Hofgeismar zurückgekehrt war. Er erinnerte an die exzellente Präsenz der Bensheimer Wehr beim Landesfest 2014.
Dass die Feuerwehr immer gefordert ist, machte der Rathauschef am Beispiel der jüngsten Brandserie in Lorsch und Einhausen deutlich. Umso wichtiger sei es, die freiwilligen Ortsteilwehren personell und technisch auf einem guten Stand zu halten. „Wir können uns auf die Feuerwehr verlassen“, so Richter.
Das neue Fahrzeug ist eine Ersatzbeschaffung der Wehr Bensheim-Mitte und dient in erster Linie der Koordination von taktischen Einheiten der Feuerwehr auch in Kooperation mit anderen Hilfsdiensten wie THW und DRK. Im Wesentlichen besteht seine Aufgabe in der Leitung eines Einsatzes oder mehrerer Einsatzabschnitte.

In dieser Qualität und Ausstattung war die Truppe vorher nicht unterwegs. „Wir hatten ein kleineres Fahrzeug, das aber nicht mehr auf der Höhe der Zeit war“, so Wehrführer Hans Förg.
Der Einsatzleitwagen (ELW1) bringt für rund 120.000 Euro (Zuschüsse von Land Hessen und Stadt Bensheim) einiges mit: An zwei modernen Arbeitsplätzen sind alle Kommunikationswege möglich. Neben Internet, Digitalfunk, Festnetz und Fax sind digitale Videoübertragungen möglich sowie mehrere Mobilfunknetze verfügbar. Das Navigationsgerät wird direkt über das Ziel des Einsatzes informiert, eine manuelle Eingabe ist damit nicht mehr notwendig. Auch eine Rückfahrkamera und ein autarker Stromerzeuger gehören zur Ausstattung. Eine Wärmebildkamera und diverse Messgeräte sind mit an Bord.
Bei der Übergabe anwesend waren auch Stadtverordnetenvorsteherin Carola Heimann, Kreisbrandinspektor Werner Müller und Stadtbrandinspektor Jens-Peter Karn sowie einige Kommunalpolitiker und Wehrführer aus den Ortsteilen. Als symbolische Geste überreichte Hans Förg den Zündschlüssel an eine Besucherin der Aktionsmeile: Das Fahrzeug diene den Bürgern der Stadt. „Es gehört jedem Bensheimer.“ tr

© Bergsträßer Anzeiger, Montag, 01.06.2015