Aus der Statistik: Die Bensheimer Feuerwehren mussten im vergangenen Jahr 509 Mal ausrücken


Im Rahmen der Jahreshauptversammlung der Bensheimer Feuerwehren wurden zahlreiche Mitglieder geehrt.

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Bensheim. Auf der Bahnstrecke Bensheim-Auerbach eine schwer verletzte Person gesucht und gefunden. Am Abend vor Beginn des Hessentages das Ausbreiten eines Fahrzeugbrandes auf der Hessentagsstraße verhindert. Die Nibelungenstraße nach Starkregen von Schlamm und Geröll befreit. Einen Wohnungsbrand aufgrund einer explodierten Haarspraydose gelöscht und auf dem Campingplatz in Gronau geholfen, eine in einer medizinischen Notlage befindliche Person aus dem Wohnwagen zu holen.

Das sind nur einige der insgesamt 509 Einsätze, zu denen die Bensheimer Wehren im vergangenen Jahr gerufen wurden. Dabei war der August mit insgesamt 139 Alarmierungen der einsatzstärkste Monat.
Den größten Anteil an den Einsätzen hatten mit 65 Prozent die insgesamt 331 Hilfeleistungen, von denen allein 115 auf die Beseitigung von Sturm- und Unwetterschäden entfielen. Zahlreich waren auch wieder die Einsätze, die mit Tieren und Insekten zu tun hatten und 38 Mal wurde die Feuerwehr zur Unterstützung der Rettungskräfte gerufen.
Die 61 Brandeinsätze machen zwölf Prozent der Alarmierungen aus und 23 Prozent entfallen auf die 117 Einsätze, die auf Brandmeldeanlagen, blinden Alarm und Fehlfahrten zurückzuführen sind. Allerdings waren die um 30 Alarmierungen gegenüber 2013 gestiegenen Einsätze weniger zeitaufwendig, denn die insgesamt 4054 Einsatzstunden haben sich gegenüber 2013 um 364 Stunden reduziert.

Ruhiges Jahr in Langwaden

Das ruhigste Jahr hatten die Langwadener Brandschützer, die nur einmal zu einer Hilfeleistung ausrücken musste. Die meisten Einsätze (329) und auch die meisten Brände (36) hatte naturgemäß die Feuerwehr Bensheim-Mitte zu verzeichnen. Ihr folgt mit 69 Einsätzen die Auerbacher Feuerwehr. Auffällig ist hier das Verhältnis der Einsatzstunden zu den Einsätzen. Liegen Auerbach und Langwaden mit rund 19 Stunden pro Einsatz an der Spitze der Bensheimer Wehren, haben Fehlheim und Wilmshausen mit etwa fünf Stunden den besten Wert. Der durchschnittliche Wert von acht Stunden liegt im Vergleich zum Vorjahr um eine Stunde niedriger.
Dass sich hinter den Zahlen aber weit mehr verbirgt, machte Bürgermeister Rolf Richter deutlich. So sei die Feuerwehr die Organisation, die flächendeckend die stärkste Durchdringung in der Bevölkerung habe. Zu den bei den Einsatz geleisteten Stunden käme außerdem noch die Zeit dazu, die für Aus- und Weiterbildung aufgewendet werde. So wurden von den Mitgliedern der Einsatzabteilungen im vergangenen Jahr 70 Lehrgänge und Seminare besucht. Dieses Engagement laufe ebenso im Hintergrund wie der Brandschutzdienst bei den zahlreichen kulturellen und sportlichen Veranstaltungen im Stadtgebiet.
Dazu sei im vergangenen Jahr noch das beispielhafte Engagement beim Hessentag gekommen. Von Anfang an habe sich die Feuerwehr ohne Wenn und Aber zu der Großveranstaltung bekannt und sei das Rückgrat des Festes gewesen.
Dieses Engagement und praktizierte Gemeinschaftsgefühl, für das sich Richter bedankte, werde jetzt noch einmal benötigt, machte der Bürgermeister auf die mögliche nächste Großveranstaltung aufmerksam. Wenn auch die Stadtverordnetenversammlung ihre Zustimmung gebe, werde Bensheim am 28. Juni Austragungsort der Deutschen Meisterschaft im Straßenradsport der Elite sein.
Auch Kreisbrandinspektor Wolfgang Müller hob die Leistung der ehrenamtlichen Brandschützer hervor. Was sich hinter den Zahlen verberge, wüssten nur die Einsatzkräfte selbst. „Stand by rund um die Uhr“ sei durchaus vergleichbar mit einer Berufsfeuerwehr ohne Bezahlung. Dank sagte Müller in diesem Zusammenhang auch den Arbeitgebern, die ihre bei der Feuerwehr aktiven Mitglieder für Einsätze und Fortbildungsmaßnahmen freistellten.
Um dieses wichtige Ehrenamt auf für die Zukunft aufrecht erhalten zu können, sei es wichtig, den „Bazillus Florian“ an junge Menschen weiterzutragen. Denn die Zahl der Nachwuchskräfte, die von der Jugendwehr in die Einsatzabteilung übernommen werde, habe sich in den vergangenen Jahren nahezu halbiert.

Jubiläen und Ehrungen

Im Rahmen der Jahreshauptversammlung der Bensheimer Wehren wurde langjähriges Engagement in den Einsatzabteilungen mit Anerkennungsprämien und Ehrungen gewürdigt.
Dienstjubiläen: Insgesamt 23 Feuerwehrmänner und -frauen erhielten für ihren 10, 20-, 30- und 40-jährigen aktiven Dienst Anerkennungsprämien des Landes Hessen.
Ernennungsurkunden: für Michael Henkes, der im Februar zum Wehrführer von Hochstädten gewählt wurde; für Michael Lortz, der Anfang März im Amt des Stadtjugendfeuerwehrwartes bestätigt wurde; für Andreas Ehrhardt, der als stellvertretender Stadtjugendfeuerwehrwart wiedergewählt wurde.
Silbernes Brandschutzehrenzeichen: Für 25 Jahre aktiven Feuerwehrdienst wurde Michael Lortz ausgezeichnet.
Goldenes Brandschutzehrenzeichen: Walter Koch erhielt für 40 Jahre aktiven Dienst in der Feuerwehr die Auszeichnung am Bande.

Ein Spielmannszug, 41 Fahrzeuge und vier Anhänger

Den zehn Freiwilligen Feuerwehren in Bensheim – neun Stadtteil-Wehren und Bensheim-Mitte – gehören 593 Mitglieder an.
326 (291 Männer und 35 Frauen) sind in der Einsatzabteilung aktiv, 120 in den Jugendwehren, 46 in den insgesamt sechs Kindergruppen und 101 in der Alters- und Ehrenabteilung.
Der Auerbacher Spielmannszug ist der einzige noch vorhandene Musikzug.
Für den Einsatz stehen 100 Atemschutzgeräte, sechs Chemikalienschutzanzüge und vier Langzeitatmer zur Verfügung. Seit 2015 ist die Kommunikation auf Digitalfunk umgestellt.
Der Fuhrpark besteht aus 41 Fahrzeugen und vier Anhängern.
Für die Aufrechterhaltung des Brandschutzes in Bensheim wendet die Stadt im aktuellen Haushaltsplan 1,295 Millionen Euro auf.
Umgerechnet auf die 40.381 Einwohner entspricht das einem Pro-Kopf-Aufwand von 32,07 Euro.

Rechnet man den Aufwand auf den Tag um, werden pro Tag 3548 Euro in die Sicherstellung des Brandschutzes investiert. In Frankfurt liegt der tägliche Aufwand für den Brandschutz bei 13.000 Euro. js

© Bergsträßer Anzeiger, Dienstag, 17.03.2015