Großübung: Bensheimer Rettungskräfte waren am Samstag gleich zweimal gefordert
Von unserer Mitarbeiterin Jeanette Spielmann
Stadtbrandinspektor Jens-Peter Karn verfolgte ebenso wie Wehrführer Hans Förg mit kritischem Blick, wie die Einsatzkräfte die Aufgabe lösten und wie das Zusammenspiel der verschiedenen Organisationen funktionierte.
Auch wenn Übungen nie die besondere Stresssituation eines Ernstfalls darstellen können, lassen sich Abläufe in besonderen Gebäuden und bei speziellen Ereignissen trainieren. Was in der Übung eventuell falsch läuft, wird im Ernstfall dann funktionieren.
Obergeschoss verraucht
Begonnen hatte die Tagesübung, die am Vormittag auch von Bürgermeister Rolf Richter beobachtet wurde, mit einem Einsatzszenario auf dem Gelände des ehemaligen Bundeswehrdepots an der Rheinstraße. In einem der leerstehenden Gebäude hatten Jugendliche gefeiert, es war zu einem Brand gekommen, im total verrauchten Obergeschoss waren 17 Personen eingeschlossen und kamen über die Treppe nicht mehr nach draußen.
Mit Atemschutz und quasi ohne Sicht die Menschen aufzufinden und sicher aus dem Gebäude zu bringen sowie parallel die kiloschweren prallen Wasserschläuche über die Treppe in das langgestreckte Gebäude zu ziehen, um den Brand zu bekämpfen, war ebenso eine Herausforderung wie für das THW das Herausholen eines „Dummys“ aus einem Schacht.
Mit drei Löschfahrzeugen, der Drehleiter und dem Gerätewagen war die Feuerwehr ausgerückt und wie von Wehrführer Förg zu hören war, wären im Ernstfall noch die Auerbacher Wehr und die Heppenheimer Brandschützer mit einer zweiten Drehleiter dazugerufen worden.
Szenario: Auto rammt Bus
Zurück auf dem Stützpunkt wurden Fahrzeuge und Einsatzgerät wieder einsatzbereit gemacht, und nach dem Mittagessen wurden die Hilfsdienste zum zweiten Einsatz gerufen. Jetzt mussten sich die Einsatzkräfte mit einem spektakulären Unfallszenario auseinandersetzen. Auf der Robert-Bosch-Straße zwischen den beiden Kreisverkehren Jungheinrich und Pfitzenmeier war in Höhe des Fitnesscenters ein stadtauswärts fahrender Bus von einem entgegenkommenden Wagen gerammt worden, in den Seitenstreifen gerutscht und umgefallen.
Im Pkw waren vier Personen eingeklemmt, im Bus waren 18 Personen verletzt. Auf den Bus war außerdem noch ein Rollerfahrer aufgefahren. Abgesehen davon, dass die zahlreichen nacheinander eintreffenden Fahrzeuge zunächst einen Standort finden mussten, ohne sich gegenseitig zu behindern, stellte sich vor allem der Bus als große Herausforderung für die Hilfskräfte dar. Da er auf die Seite mit den Türen gefallen war, musste man sich über die Front- und Heckscheibe und die Notausstiege auf dem Dach einen Zugang schaffen.
Zwar war mit dem Bus schon mal im Rahmen des Hessentages geübt worden, aber damals stand der Bus aufrecht und die Türen waren zugänglich. Der stellvertretende Wehrführer und Einsatzleiter der Übung sprach von einer „ganz besonderen Lage“, bei der jeder ganz viel gelernt habe. Gelernt hatten auch die Vierbeiner der Hundestaffel. Sie hatten im Feld nach Personen zu suchen, die im Schock vom Unfallort weggelaufen waren.
Mit den über 60 Einsatzkräften von Feuerwehr, THW und DRK, der Jugendwehr, die wie andere Helfer die Rolle der Opfer übernahm, dürften gut 100 Personen bei dieser Tagesübung im Einsatz gewesen sein. Vorbereitet hatten sie Jörg Joswig vom DRK, Ulrich Michel vom THW und Jürgen Ritz von der Feuerwehr und dafür über 70 Stunden aufgewendet. Auch die Nachbereitung der Übung wird nochmals 40 Stunden in Anspruch nehmen.
Für den Bus wird es am Samstag der letzte große Einsatz gewesen sein. Er wird wohl auf dem Stützpunkt noch für Übungszwecke genutzt, bevor er verschrottet wird.
Das Zusammenspiel klappt
Wehrführer Hans Förg sah in einem ersten Fazit das Übungsziel erfüllt. Das Zusammenspiel der verschiedenen Hilfsorganisationen habe sich erneut bewährt und gefestigt.
Als sehr positiv und für die eigene Arbeit auch hilfreich werteten Polizei und Notfallseelsorge die Einladung zur Beobachtung der Großübung.
© Bergsträßer Anzeiger, Montag, 23.03.2015