Feuerwehr: Der hauptamtliche Stadtbrandinspektor wurde nach 20 Jahren im Amt verabschiedet / Viel Prominenz aus den Reihen der Politik und Brandschützer

Von unserer Mitarbeiterin Jeanette Spielmann

Bensheim. Die alljährliche gemeinsame Jahreshauptversammlung aller Freiwilligen Wehren der Stadt Bensheim ist zwar immer eine personalstarke Veranstaltung, aber in diesem Jahr war sie von zusätzlicher großer Bedeutung. Mit der Verabschiedung des hauptamtlichen Stadtbrandinspektors Willi Plaschke und der Wahl seines Nachfolgers stand für die Bensheimer Brandschützer nicht nur ein Führungswechsel an, es ging auch eine bemerkenswerte Ära zu Ende.
So hatten sich im Dorfgemeinschaftshaus in Gronau nicht nur weit über 200 Feuerwehrwehrleute eingefunden, sondern auch viel Prominenz aus den Reihen des Kreisfeuerwehrbandes und der Kommunalpolitik. Auch Bensheims früherer Bürgermeister Thorsten Herrmann hatte es sich nicht nehmen lassen, Willi Plaschke die Ehre zu erweisen, ebenso wie der Leiter der Freiwilligen Feuerwehr aus Wetzlar, Erwin Strunk. Erst um Mitternacht fand die Veranstaltung ihr offizielles Ende.
Vier Amtsperioden oder 20 Jahre lang übte Willi Plaschke mit großem Engagement das Amt des Stadtbrandinspektors aus – erst ehrenamtlich und seit April 2005 hauptamtlich. In knapp zwei Wochen, am 29. März, vollendet Willi Plaschke sein 63. Lebensjahr und muss damit in den feuerwehrtechnischen Ruhestand gehen.
Das hätte auch schon vor fünf Jahren der Fall sein können, hätte die Stadtverordnetenversammlung das Dienstalter des Stadtbrandinspektors nicht von 60 auf 62 Jahre angehoben – wie es auch die Gesetzeslage ermöglicht. Denn ohne Not wollte die Stadt damals nicht auf den großen Erfahrungsschatz von Willi Plaschke verzichten.
Plaschke hielt den städtischen Laden „Brandschutz“ am Laufen, und das auf eine ihm ganz eigene Art und Weise, die ihm Anerkennung und Respekt einbrachte. Das war am Freitagabend auch allen Grußworten zu entnehmen.
Von der „personifizierten Zuverlässigkeit, der prägenden Figur der Feuerwehren, dem Menschen, der nicht über Probleme diskutiert, sondern nach Lösungen sucht, der die Ärmel hochkrempelt und anpackt“ sprach Bürgermeister Rolf Richter. Plaschke habe die Bensheimer Wehren nicht nur geleitet, er habe sie auch geprägt und weiterentwickelt, stellte sein Stellvertreter Thomas Strößinger fest. Stadtjugendfeuerwehrwart Michael Lortz dankte für die Unterstützung der Nachwuchswehren („er hat fast alles möglich gemacht“) und Kreisbrandinspektor und Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes Wolfgang Müller hob die gute Zusammenarbeit im Verband hervor.
Kreisjugendfeuerwehrwart Lutz Machleid überreichte im Namen der hessischen Jugendwehren eine Ehrenurkunde und die Floriansmedaille in Silber als Dank für die Förderung der Jugendwehren.
Seit den Vorbereitungen für den Hessentag sind Willi Plaschke und sein Wetzlarer Kollege freundschaftlich verbunden und so war es für Erwin Strunk eine Selbstverständlichkeit, am Freitag von Wetzlar nach Gronau zu fahren. Er habe Plaschke als Mensch mit einem großen Herz kennengelernt, der zuhöre, bevor er sich eine Meinung bildet, zu der er dann auch stehe.
Beneidet wurden von ihm die Bensheimer Feuerwehren für ihren Film vom Hessentag. Überrascht wurde Plaschke dabei von einer kleinen Ergänzung, den sogenannten „Eskalationsstufen“ beim Hessentag. Wenn die zuständige Führungskraft, das Ordnungsamt und die Polizei nicht mehr weiter wissen, bleibt „Willi“ als letzte Rettung, denn ohne ihn „wäre der Hessentag sicherheitstechnisch nicht so gelaufen, wie er gelaufen ist“, machte Jens-Peter Karn deutlich.
Mit einem von Herz und Humor geprägten Grußwort erfreute der Leiter der Bensheimer Polizeistation, Engelbert Lenhart neben Willi Plaschke auch das Publikum. Er skizzierte den scheidenden Stadtbrandinspektor als „authentisch, unkompliziert, herzlich und von zupackender Art“. „Ankommen, Lage erkennen, Ärmel hochkrempeln und anpacken“ kennzeichnete er die Arbeitsweise von Plaschke. Doch bei allem Stress habe er den Spaß nicht vergessen: „Zusammen haben wir viel und herzhaft gelacht.“ Lenhart überreichte eine „echte Bensheimer weiße Polizeichef-Schildkappe“.
In Würdigung seines Engagements für den Brandschutz und seine Einsatzbereitschaft wurde Willi Plaschke gemeinsam von der Stadtverordnetenvorsteherin Carola Heimann und Bürgermeister Rolf Richter die erstmals vergebene Ehrenbezeichnung „Ehrenstadtbrandinspektor“ verliehen.
In seiner gewohnt unaufgeregten und schnörkellosen Art dankte Plaschke für die Ehrung und Würdigung seiner Person, die im Laufe des Abends mehrfach mit stehendem Applaus bekräftigt worden war. Zwar vergaß er, wie auch seine Vorredner nicht, auch seine Ehefrau in den Dank einzubeziehen. Aber es wäre nicht Willi Plaschke gewesen, wenn nicht noch der Nachsatz gekommen wäre: „Wer einen Feuerwehrmann heiratet, muss da durch.“

Eine Bilderbuch-Karriere

Die Laufbahn von Willi Plaschke bei der Feuerwehr begann vor fast genau 47 Jahren (11. März 1968) mit dem Eintritt in die Jugendwehr. Noch im gleichen Jahr wechselte er in die Einsatzabteilung.
1972 übernahm er für zehn Jahre das Amt des Jugendwartes in Bensheim-Mitte von Heinrich Plaschke.
Ab 1986 war er für drei Jahre Gruppenführer, 1987 folgten drei Jahre als stellvertretender Wehrführer und 1990 begann – nach zwei Monaten kommissarischer Leitung – die zwölfjahrige Amtszeit als Wehrführer der Feuerwehr Bensheim-Mitte.
Dazu kam seit 1991 das Amt des stellvertretenden Stadtbrandinspektors, bevor er im Oktober 1995 zum Stadtbrandinspektor gewählt wurde.
Zwischen Januar 2004 und März 2005 hatte er gut ein Jahr das Amt des Wehrführers in Langwaden übernommen.
Für sein Engagement wurde er mit dem Silbernen und Goldenen Brandschutzehrenzeichen, mit dem Deutschen Feuerwehrkreuz in Gold und jetzt mit der Ehrenbezeichnung „Ehrenstadtbrandinspektor“ ausgezeichnet.

Künftig wird Willi Plaschke die Alters- und Ehrenabteilung der Feuerwehr Bensheim-Mitte bereichern.

Jens-Peter Karn zum neuen Stadtbrandinspektor gewählt

Etwa eine Stunde nahm die Wahl des neuen Führungsteams unter Leitung von Bürgermeister Rolf Richter in Anspruch.Relativ schnell erfolgte die Wahl von Jens-Peter Karn zum neuen Bensheimer Stadtbrandinspektor. Er war der einzige Kandidat für das Amt und erhielt von den 198 abgegebenen Stimmen insgesamt 173 Ja-Stimmen. 20 Wähler stimmten mit Nein und fünf enthielten sich der Stimme.
Mit Jens-Peter Karn nimmt neben Michael Lortz ein weiterer Schönberger bei den Bensheimer Wehren eine Führungsposition ein. Karn kann auf eine 30-jährige Erfahrung im aktiven Feuerwehrdienst zurückblicken. Karn ist Wehrführer und Vorsitzender des Feuerwehrvereins in Schönberg und als Kreisausbilder für Maschinisten tätig. Hauptberuflich arbeitet der Schornsteinfegermeister bei der Bauaufsicht des Kreises.

Zwei Wahlgänge waren bei der Besetzung des stellvertretenden Stadtbrandinspektors erforderlich, denn hier stellten sich mit Alexander Merck, Jürgen Ritz (beide Bensheim-Mitte) und Thomas Strößinger (Auerbach) drei Kandidaten zur Wahl. Im ersten Wahlgang entfielen 94 Stimmen auf Strößinger, 51 auf Ritz und 48 auf Merck.
Nach dem erforderlichen zweiten Wahlgang konnte der bisherige Stellvertreter Thomas Strößinger mit 116 Stimmen die absolute Mehrheit auf sich vereinen. Der Auerbacher Brandschützer ist hauptamtlich bei der Feuerwehr tätig und seit 26 Jahren Zugführer bei der Flughafen-Feuerwehr in Frankfurt.
Die Gewählten erhielten von Bürgermeister Richter die Ernennungsurkunde. Für beide läuft die Amtszeit zunächst auf fünf Jahre.
Weitere Berichte über die Hauptversammlung der Feuerwehren in der Dienstagsausgabe des BA.
© Bergsträßer Anzeiger, Montag, 16.03.2015