Jugendfeuerwehren: Der Nachwuchs sammelte am Samstag die ausgedienten Weihnachtstannen im gesamten Stadtgebiet ein
In Bensheim und seinen Stadtteilen werden die ausgedienten, abgeschmückten Prachtstücke seit 1987 jeweils am ersten Samstag nach Dreikönig von den insgesamt zehn Jugendfeuerwehren eingesammelt. Ein kostenloser Hausservice, der den Bürgern viel Lauferei und dreckige Kofferräume erspart. Lediglich eine kleine Spende erhofften sich die freiwilligen Abholer, die am Samstag bis in die späten Nachmittagsstunden unterwegs waren.
Etwa ein Drittel der Bürger kommt der Aufforderung nach und drückt den Jugendlichen gleich an der Haustür einen kleinen Betrag in die Hand oder überweist online. Die Mehrheit aber mauert. „Es könnten durchaus mehr Spenden sein. Aber die Aktion lohnt sich trotzdem für uns“, erklärt Steffen Elgner, Jugendwart der Freiwilligen Feuerwehr Bensheim-Mitte.
Das Geld kommt ausschließlich der Jugendarbeit der Wehren zugute. Es werden Ausflüge, Fahrten, Zeltlager und Freizeiten finanziert. Der erst dreijährige Silko schaute am Samstagmorgen zusammen mit seiner Mama persönlich im Feuerwehrstützpunkt vorbei. „Wir möchten Geld bringen“, erklärte die Bensheimerin und lieferte gleich noch einen Schein der Nachbarn mit ab. Ihr Baum in der Henri-Dunant-Straße war bereits um 9 Uhr abgeholt und aufgeladen worden.
Stürmisch, aber trocken
Elf Teams allein aus Bensheim-Mitte machten sich bei stürmischer, aber trockener Witterung nach einem gemeinsamen Frühstück in elf Lkws, Pritschenwagen und Feuerwehrautos auf den Weg, um ihr Quartier nach Tannengrün abzuklappern. Unterstützt wurden die Jugendlichen und aktiven Feuerwehrmänner und -frauen dabei vom DRK und Technischem Hilfswerk.
Unternehmen aus Heppenheim und Bensheim sowie der KMB stellten ihre Fahrzeuge unentgeltlich zur Verfügung. In den Stadtteilen machten sich die Baumeinsammler auch in Traktoren auf den Weg.
Die meisten Bürger kommen mittlerweile der Empfehlung der Feuerwehr nach, schleppen ihren Weihnachtsbaum bereits am Vorabend vor die Haustür und deponieren ihn gut sichtbar am Straßenrand. Nachzügler gibt es immer – und es kommt vereinzelt vor, dass ein etwas abseits liegendes Exemplar übersehen wird. Alles kein Problem. Ein Anruf genügt und das Missgeschick wird schnell behoben.
Dass die Aktion kein reines Zuckerschlecken, sondern durchaus harte Knochenarbeit ist, zeigt eine Stippvisite auf dem Erlenhof der Bauerei Hörr.
Dorthin wird das Nadelholz aus dem gesamten Stadtgebiet samt Stadtteilen angekarrt. Mehrere tausend Bäume sind es allein aus den Bezirken in Bensheim-Mitte. „Auf der Grünschnittstelle müssten wir für jedes einzelne Exemplar blechen“, begründet Jugendwart Elgner die Adresse in der Nähe der Autobahn.
Im Minutentakt rollen die Großfahrzeuge mit Bergen von Tannenbäumen an Deck auf den Hof. Im Akkord wird die Ware von älteren Jugendlichen und aktiven Feuerwehrangehörigen abgeladen und an Ort und Stelle von Verwandten und Freunden des Landwirts gehäckselt und anschließend trocken gelagert. Mit den Hackschnitzeln wird den Winter über die Heizung des Gebäudes gefüttert.
Für die ehrenamtlichen Sammler halten die Hörrs eine kleine Stärkung aus Snacks und Erfrischungsgetränken bereit. Im Feuerwehrstützpunkt am Berliner Ring macht sich am Nachmittag dann das Küchenteam an die Arbeit und bewirtet alle Teilnehmer zum Abschluss der Aktion mit einer kräftigen Gulaschsuppe.
© Bergsträßer Anzeiger, Montag, 12.01.2015