Berliner Ring: Vögel hatten das Kaminrohr einer Gaststätte als Nistplatz ausgewählt / Gemeinschaftsaktion

Hilfseinsatz: Die Bensheimer Feuerwehr beim Umsiedeln eines Storchennestes am Berliner Ring.

© oh

Bensheim. Das neue Heim war so gut wie fertig, nur die Kinderstube war noch nicht bezogen. Das war auch gut so, denn der Platz war von den Storcheneltern nicht gut gewählt. Direkt auf dem Kaminaußenrohr hätten die hier austretenden Rauchgase dem Nachwuchs sicher nicht gut getan.

Click here to find out more!Da die Gaststätte im ehemaligen Kegelcenter am Berliner Ring ihren Betrieb aber noch nicht aufgenommen hat, war die Abdeckung auf dem Kaminrohr für die Nestbauer ein willkommener Standort mit perfekter Rundumsicht ausgewählt worden.

Neuer Mast an der Straße

Aufmerksame Vogel- und Naturschützer hatten das Problem aber rechtzeitig erkannt. Dank einer Gemeinschaftsaktion zusammen mit der Stadt Bensheim, der Freiwilligen Feuerwehr Bensheim und der GGEW AG wurde das Storchenheim vergangene Woche nur wenige Meter entfernt auf eine neu errichtete Nistplattform in der Grünanlage am Berliner Ring versetzt.
Der Mast war vom Energieversorger spontan zur Verfügung gestellt und im Auftrag der Stadt Bensheim durch den Bauhof-Service kurzfristig gesetzt worden. Die nach dem Artenschutzrecht erforderliche Genehmigung wurde vom Kreis Bergstraße erteilt.
Die Aktion war von Erfolg gekrönt, wie sich in den darauffolgenden Tagen herausstellte. Das Storchenpaar hat den neuen Standort angenommen und wird sich nun dort hoffentlich erfolgreich der Familienplanung widmen.

Kein alltäglicher Einsatz

Es war schon ein nicht alltäglicher Einsatz, der sich mit Hilfe der universell tätigen Feuerwehr auf dem Parkplatz am früheren Kegelcenter abspielte. So war die Feuerwehr mit ihrer Drehleiter angerückt, damit das Storchennest in luftiger Höhe überhaupt erreichbar wurde. Auch musste zunächst der Vogelschutzbeauftragte des Kreises Bergstraße Stephan Schäfer den Weg nach oben nehmen, um grünes Licht für die Umsetzung zu geben. Denn hätte schon ein Ei im Nest gelegen, wäre die Umsetzung nicht mehr möglich gewesen.
Erst nachdem sich Schäfer von dem „kinderfreien“ Heim überzeugt hatte, war es möglich, das Nest vorsichtig von der Plattform des Kaminrohrs zu entfernen und dann mit dem Fahrzeug zum wenige Meter entfernten neuen Nistplatz zu fahren.
„Es ist erfreulich, dass die Aktion so zügig und ohne größere Komplikationen über die Bühne gegangen ist“, so der Kommentar des städtischen Umweltberaters Otto Weber, der die Aktion wie auch Stadtrat Adil Oyan, Stadtbrandinspektor Willi Plaschke und Stephan Schäfer neben vielen weiteren Beobachtern begleitete und im Vorfeld die Arbeiten und die Behördenbeteiligung koordiniert hatte.

Mit der Drehleiter nach oben

Am neuen Standort ging es nochmals mit der Drehleiter nach oben und mit Hilfe entsprechender Richtungshinweise von untern durch den Vogelschutzbeauftragten fand das Storchenheim seinen neuen Platz. Es dauerte noch zwei Tage, bis der Erfolg der Umsiedlung erkennbar wurde und das Storchenpaar sich auf seinem neuen Nest zeigte.
„Es freut uns sehr, dass die Aktion in enger Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde, dem Vogelschutzbeauftragten des Kreises, dem Pächter und der Stadt so zügig und zielführend umgesetzt und mit Erfolg gekrönt werden konnte“, erklärte Stadtrat Adil Oyan abschließend. psp
© Bergsträßer Anzeiger, Mittwoch, 20.03.2013