Jahresbilanz: Bensheimer Feuerwehren rückten 2012 insgesamt 457 Mal aus / „Große Belastungen“

Ehrungen bei der Feuerwehr (v.l.): Erster Kreisbeigeordneter Thomas Metz, Stadtbrandinspektor Willi Plaschke, Michael Lortz (Bronzenes Ehrenkreuz), Bürgermeister Herrmann, Jens-Peter Karn (Feuerwehrkreuz in Silber), stellvertretender Stadtbrandinspektor Thomas Strößinger und Kreisbrandinspektor Wolfgang Müller.

© Lotz

Bensheim. Feuerwehr live: Um 20.35 Uhr müssen die Kameraden aus Bensheim-Mitte plötzlich ausrücken. Ein Schwelbrand hatte den Alarm ausgelöst. Gerade, als Stadtbrandinspektor Willi Plaschke die markantesten Einsätze des vergangenen Jahres skizziert.
Das stand nicht auf der Tagesordnung. Man reagiert unaufgeregt und souverän. Alltag bei der Einsatztruppe. Das war der praktische Teil bei der gemeinsamen Hauptversammlung aller zehn Wehren des Bensheimer Stadtgebiets. Vorrangig ging es im Schwanheimer Dorfgemeinschaftshaus um eine Bilanz des Feuerwehrjahrs 2012.
Dieses war für die 334 Aktiven wieder etwas arbeitsreicher als das Jahr davor. Insgesamt wurden 457 Einsätze gefahren (2011: 403), davon waren 250 Hilfeleistungen, 91 Brände und 84 Weiterleitungen von Brandmeldeanlagen. Inklusive der 32 Fehlalarme waren die Wehren genau 4917 Stunden unterwegs. Das waren fast 1300 Stunden mehr als im Vorjahr.
Das Einsatzspektrum zeigte sich einmal mehr enorm facettenreich. Deshalb sind die Feuerwehrleute, darunter aktuell 30 Frauen, möglichst universal ausgebildet. Plaschke dokumentierte Haus- und Küchenbrände, Gasexplosionen und Personenrettungen, lodernde Misthaufen und in Not geratene Vögel.

Übungen und Lehrgänge

„Die Aktiven sind großen Belastungen ausgesetzt“, betonte er den freiwilligen und uneigennützigen Einsatz der Wehren, die in ihrer Freizeit regelmäßige Übungen und Lehrgänge absolvieren.
Bürgermeister und Feuerwehrdezernent Thorsten Herrmann bekräftigte seine Haltung, auch in Zukunft nicht auf die freiwilligen Feuerwehren in den Bensheimer Stadtteilen verzichten zu wollen. Es gehe dabei um mehr als den Brandschutz und die unzähligen Sicherheitsleistungen: Gerade in den Stadtteilen sind die Feuerwehren ein wichtiger Teil des gesellschaftlichen Lebens. Sie veranstalten Feste, organisieren kulturelle Veranstaltungen und bieten Kindern und Jugendlichen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung.
„Ihre Eigenleistung entlastet die Stadtkasse“, so Herrmann über die finanzielle Beteiligung der Wehren bei Neuanschaffungen von Fahrzeugen und Ausstattung.
Eine Neuerung, die nicht bei jedem auf Applaus stößt, ist die Einführung des Digitalfunks. Spätestens 2014, wahrscheinlich früher, soll die Technik einsatzfähig sein. Die Umrüstung der Leitstelle soll „demnächst“ erfolgen, so Kreisbrandinspektor Wolfgang Müller, der die Umstellung als „Reizthema“ bezeichnete.
Zuvor hatte sich Willi Plaschke kritisch über die Rahmenbedingungen der Übergangsphase geäußert. Viele Handsprechfunkgeräte seien bereits in den Fahrzeugen eingebaut, allerdings gebe es Probleme mit dem Betrieb. Plaschke sprach von leidigen Ausfällen. Im Feuerwehralltag kommen nach wie vor die analogen Vorgänger zum Einsatz – für die es allerdings immer schwieriger werde, Ersatzteile zu bekommen. Wolfgang Müller mahnte zur Geduld. Eine doppelgleisige Verwendung der alten und neuen Technik sei von Beginn an geplant gewesen.

Reizthema Digitalfunk

„Wir stecken noch in der Probephase“, warb er um Verständnis. Erst, wenn die Leitstelle bereit ist und auch die Nachbarn in Baden Württemberg und Rheinland-Pfalz digital senden, könne man mit einem problemlosen Sprechfunk rechnen. Müller lobte in diesem Zusammenhang das Land Hessen, das die Kosten für die Endgeräte übernimmt.
Sein Ausblick konzentrierte sich auf den Hessentag 2014. Die Bensheimer Wehren seien bereits heute gut vorbereitet. Die Kameraden aus der Hessentagsstadt 2011, Oberursel, unterstützen die Bensheimer, die wiederum in Wetzlar (2012) mit drei Brandsicherheitsdiensten Erfahrungen gesammelt hat.
Der Kreisbrandinspektor sprach von einer großen Herausforderung für die Wehren im Stadtgebiet. tr

© Bergsträßer Anzeiger, Montag, 11.03.2013