ALLE JAHRE WIEDER: Bensheimer Jugendfeuerwehren sammelten die ausgedienten Christbäume ein / 170 Helfer unterwegs

Von unserem Mitarbeiter Thomas Tritsch

BENSHEIM. Normalerweise sind die Einsätze der Feuerwehr eher spontane Kommandos. Ein Termin, mit dem die Mannschaft rechnen kann, ist der Samstag nach dem Dreikönigstag. Dann rücken die Bensheimer Jugendwehren gezielt aus, um im gesamten Stadtgebiet die ausgedienten Weihnachtsbäume einzusammeln.

70 Jugendliche waren diesmal unterwegs. Plus weitere 100 Helfer, die kurz vor neun Uhr in allen Stadtteilen ausgerückt sind.

Ein enormer Aufwand: Mehr als 30 Fahrzeuge rollten durch Bensheim, um das nadelnde Altholz aufzuladen und in geballter Form auf den Erlenhof von Familie Hörr zu transportieren.

 An der Robert-Bosch-Straße, unweit des Feuerwehrstützpunkts, wurden die Tannen durch den Häcksler gejagt. Aus den Weihnachtspflanzen wurde Brennholz für das neue Jahr. Wie viele Bäume es genau waren, lässt sich nicht exakt beziffern. Ein kleines Wäldchen kam auf jeden Fall zusammen.

Stadtjugendfeuerwehrwart Michael Lortz geht bei rund 17 500 Haushalten in Bensheim von rund 11 000 Exemplaren aus, die am Samstag auf die Straße gestellt wurden. Das ergibt zwischen 100 und 150 Kubikmeter Häckselgut, so ein Insider an der Sammelstelle.

Klamme Finger bei Eiseskälte

„Das Wetter kommt uns entgegen“, so Lortz gegen elf Uhr, als es auf dem Erlenhof richtig voll wurde. Durch die trockene Kälte (minus sieben Grad) waren zwar die Finger der Helfer klamm, doch die Straßen fast alle sehr gut befahrbar. Auch im Schredder rutschten die Bäume mühelos durch. Bei feuchtem Holz, wie es im letzten Jahr der Fall war, greifen die Klingen schlechter.

„Ohne die achtfache Unterstützung der Familie Hörr wäre die Aktion kaum möglich“, betont Steffen Elgner von der Wehr in Bensheim-Mitte angesichts der Masse, die bis zum Nachmittag bewegt und verarbeitet wurde. „Alles funktioniert seit Jahren Hand in Hand.“

Allein in der Kernstadt waren am Samstag elf Lkw und Transporter mit rund 50 Personen im Einsatz. Nach einem kräftigen Frühstück in der Unterkunft streunten die Teams in 13 definierte Bezirke aus. Nach dem Abladen ging es wieder auf Tour.

Die meisten Tannen wurden in Bensheim-Mitte und Auerbach abgeholt. In den kleineren Ortsteilen dauerte es länger, weil die Helfer erst mit gefüllter Ladefläche Richtung Sammelstelle fuhren. In Gronau und Wilmshausen wurden die meisten Bäume direkt vor Ort entsorgt. Alles funktionierte reibungslos. Routine bei der Arbeit.

Für manchen Bensheimer kommt die Aktion aber noch immer so unerwartet wie der Heiligabend: Die Freiwillige Feuerwehr berichtet von Menschen im Bademantel, die kurz nach neun Uhr hektisch die dürre Nordmanntanne vor die Haustür wuchten. „Wir machen meistens eine zweite Runde“, so Michael Lortz, „um auch die Nachzügler mitzunehmen.“ Die meisten hatten den Baum aber bereits am Vorabend oder frühen Morgen rausgestellt.

Wer den kostenlosen Service zu schätzen wusste, steckte den Helfern eine Spende zu – oder schmückte den Baum mit ein paar Süßigkeiten für den Feuerwehrnachwuchs. „Die Kids haben ohnehin einen Riesenspaß an der Aktion“, so Steffen Elgner. Dabei wurde die Wehr wie immer von tatkräftigen Komplizen flankiert. Allen voran das Technische Hilfswerk (THW) und das Deutsche Rote Kreuz Bensheim. Dazu kamen etliche lokale und regionale Unternehmen, die sich mit Fahrzeugen an der Sammlung beteiligt haben. Sogar eine Firma aus Bürstadt rollte in Bensheim mit, wo die letzten Tannen gegen 14 Uhr ihre letzte Reise angetreten haben.

Tatkräftige Komplizen

Der Erlenhof war bereits nach zwei Stunden von Nadeln übersät. Ein angenehmer Duft von zerfetzten Christbäumen ließ noch einmal eine post-weihnachtliche Stimmung aufkommen. Einige sehr große Modelle wurden schon vor dem Aufladen mit der Kettensäge zerkleinert.

Die Normalos und Zwerge sausten in einem Stück durch den Häcksler, der am Samstag pausenlos Weihnachtsgrün gefressen und auf den Hänger ausgespuckt hat.

Auch Bürgermeister Rolf Richter war vor Ort und dankte allen Helfern für deren ehrenamtliches Engagement in eisiger Kälte.

Die Sammelaktion ist neben der feuerwehrtechnischen Ausbildung und der allgemeinen Jugendarbeit ein Dienst am Gemeinwohl – und ein Beitrag für den Umweltschutz, da die Bäume professionell entsorgt und wiederverwertet werden.

Auch logistisch gab es keinerlei Probleme. Die größte Herausforderung, so der städtische Jugendfeuerwehrwart, lag in der anschließenden Reinigung der Einsatzfahrzeuge.

Bei minus sieben Grad löst eine konventionelle Wagenwäsche Blitzeis aus. „Das kriegen wir hin. Zur Not benutzen wir Druckluft“, äußerte sich Feuerwehr-Mann Michael Lortz zuversichtlich über die Fähigkeiten seiner Truppe.

© Bergsträßer Anzeiger, Montag, 09.01.2017