Großbrand: Ursache des Feuers in der Neckarstraße noch nicht geklärt / Abbruchfirma hatte gestern den ganzen Tag über zu tun

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Das Feuer scheint im Gebäude ausgebrochen zu sein. Anzeichen auf die Tat eines „Feuerteufels“ gibt es derzeit nicht. „Die Ermittlungen laufen noch“, hieß es gestern auf Nachfrage aus dem Polizeipräsidium in Darmstadt. Auch zur Schadenshöhe können die Beamten bislang keine Auskunft geben.
80 Feuerwehrleute aus Lorsch, Bensheim und Einhausen hatten stundenlang mit der Brandbekämpfung zu tun. Die Lorscher Wehr, die 22 Atemschutzträger stellen konnte, rief Unterstützung aus der Nachbarstadt zu Hilfe. Insgesamt waren dadurch über 50 Atemschutzträger im Einsatz. Die Löscharbeiten erwiesen sich in dem verwinkelten und stark auch mit Plastikteilen zugestellten Areal als extrem schwierig.
Als der erste Trupp der Brandschützer am frühen Donnerstagmorgen in das brennende Gebäude einzurücken versuchte, brach bereits ein Teil des Daches herunter. Bald wurden die Löscharbeiten auf dem engen Gelände für die Einsatzkräfte zu gefährlich.
Zwar konnte ein Übergreifen der Flammen auf die umliegenden Häuser in der Innenstadt verhindert werden. Denn die Feuerwehrleute arbeiteten sich auch von der Peterstraße aus auf den Brandherd vor. Beschlossen wurde dann aber, dass das alte „Lord“ nicht zu retten ist und abgerissen werden muss.
Weil die Abbrucharbeiten des Wohnhauses auf dem Privatgrundstück auch gestern noch andauerten – das Haus mit Scheune wird dem Erdboden gleichgemacht – blieb die Neckarstraße für den Durchgangsverkehr und die Linienbusse bis zum späten Nachmittag gesperrt.
Einst wichtiger Handwerksbetrieb
Die Lorscher Feuerwehr blieb in der Nacht auf Freitag mit sechs Mann präsent. Sie kümmerte sich auch um besorgte Anwohner aus der Peterstraße.
Mehrere Anrufer aus der Umgebung der Neckarstraße klagten über den beißenden Qualm. Über den Rundfunk waren Anwohner aufgefordert worden, Türen und Fenster geschlossen zu halten.
Strahlrohre und Schläuche zur Bekämpfung des Staubs stellten die Feuerwehrleute mit Stadtbrandinspektor Franz-Josef Schumacher an der Spitze auch den Mitarbeitern der Abbruchunternehmen zur Verfügung, die mit ihren Baggern den ganzen Tag über Arbeit hatten.
In der Häuserzeile in der Neckarstraße klafft nun eine große Lücke. Die Baustelle mit dem imposanten Berg an Schutt ist abgesperrt.
Mit dem Abriss des ehemaligen Tanzlokals „Lord“ ist auch ein Stück Lorscher Geschichte verschwunden. Zumal das Haus nicht nur in den 60er Jahren eine gut frequentierte Adresse war. Bevor die Diskothek eingerichtet wurde, befand sich ein Handwerksbetrieb mit Elektroladen und Schmiede auf dem Anwesen.
Daran erinnert Robert Otott. Der heute 87-Jährige hat früher als Schlosser bei Karl Finzer gearbeitet.
In der Neckarstraße seien damals die ersten Fernsehgeräte in Lorsch verkauft worden, so Otott. Auch bei der Vorbereitung der legendären Riedring-Rennen seien die Fachleute aus der Neckarstraße im Einsatz gewesen.
Sie kümmerten sich unter anderem um die Lautsprecheranlage für die Motorradrennen, zu denen damals Tausende Gäste nach Lorsch strömten.
© Bergsträßer Anzeiger, Samstag, 13.12.2014