Feuerwehr Bensheim-Mitte: Einsatzabteilung eine personelle Konstante / Positive Hessentagsbilanz

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Bensheim. Unter den Stadtteilwehren ist die Einheit in Bensheim-Mitte in einer relativ komfortablen Situation: Der Jugendkader von Steffen Elgner zeigt sich mit derzeit 23 Mitgliedern auf einem stabilen Niveau und dient als verlässliche Nachwuchsschmiede für die aktive Einsatzabteilung. Das sind diejenigen, die zur Stelle sein müssen, wenn der Alarm losgeht. Tag und Nacht. Auch, wenn er sich als Falschmeldung herausstellt.
Fehlalarme kosten Zeit und Geld
Die Zahl der Fehl- und blinden Alarme – im vergangenen Jahr waren es immerhin 90 – ist ein lästiges, aber verlässliches Detail in der Jahresstatistik der Freiwilligen Feuerwehr. Auch die Truppe um Wehrführer und Vereinsvorsitzenden Hans Förg kennt das Problem: Die unbegründete Auslösung von Brandmeldeanlagen kostet Zeit und Geld. In Bensheim wird für solche Fehlfahrten, wie üblich, eine Pauschale berechnet. Diese rangierte bislang bei 241 Euro im Falle eines Signals durch automatische Brandmeldeanlagen oder die missbräuchliche Alarmierung aus vorsätzlichen oder grob fahrlässigen Gründen.
Und so wünschte Bürgermeister und Feuerwehrdezernent Rolf Richter (CDU) den Kameraden nicht nur eine gesunde Rückkehr von den Einsätzen, sondern auch „weniger Fehlalarme in 2015“. Der Wehrführer relativierte das Thema. Im Vergleich zu den letzten Jahren sei die Zahl der Fehlalarme sogar leicht rückgängig – zumal dann, wenn man die steigende Zahl der Brandmeldeanlagen berücksichtige. Knapp einhundert sind es im Stadtgebiet.
Ab 2015 müssen alle Wohnungen in Hessen mit Rauchmeldern ausgestattet sein. Die Feuerwehr begrüßt diese Regelung, verweist aber auf eine problematische Handhabung der Eigentumsrechte im Falle eines Einsatzes, wenn beispielsweise ein Nachbar ein Signal in einer fremden Wohnung meldet. „Es muss noch geklärt werden, wie die Feuerwehren dann vorgehen sollen“, so Hans Förg, der ein normales Jahr bilanzierte, was die Einsatzzahl betrifft.
Insgesamt 329 Mal ist die Truppe in 2014 ausgerückt, das waren nur unwesentlich weniger Einsätze als in den beiden Vorjahren. Mit dem Hessentag hat sich die Wehr allerdings einen gewaltigen Posten ins Jahrbuch geschrieben: Rund 10 300 Stunden haben alle Bensheimer Feuerwehren in das Landesfest investiert. „Wir haben nicht gemotzt, sondern geschafft“, kommentierte Stadtbrandinspektor Willi Plaschke die Einstellung seiner Truppe.
Mit ihrem reibungslosen Brandschutzdienst haben die Mitglieder Eindruck gemacht – auch über die Stadtgrenzen hinaus. „Vorbereitung und Umsetzung waren hervorragend“, so Plaschke, der die Stützpunktfeuerwehr als Rückgrat der städtischen Feuerwehren bezeichnete, gleichzeitig aber auf die gute Kooperation mit den neun Stadtteilwehren verwies. Insgesamt sind rund 320 Mitglieder aktiv.
Auch Hans Förg kommentierte den Hessentag als Mammutprogramm mit unzähligen Einsatzstunden und einem großen Mehrwert. „Die städtischen Wehren sind geschlossener aus dem Hessentag hervorgegangen. Und genau dies werden wir in den kommenden Jahren nutzen, um die anstehenden Herausforderungen zu meistern.“ Der stellvertretende Kreisbrandinspektor Werner Trares lobte die Truppe für deren „tolle Leistung“ im abgelaufenen Jahr.
In Mitte zählt die Einsatzabteilung aktuell 71 Köpfe. Hinzu kommen 17 aus der Alters- und Ehrenabteilung und 252 fördernde Mitglieder. Damit präsentiert sich die Wehr personell weiterhin konstant. Dass vier Feuerwehrleute im Zuge von Einsätzen leicht verletzt wurden, gehört ebenfalls in die Bilanz von Hans Förg, der darauf hinwies, dass die emotionalen Verletzungen seiner Truppe bisweilen weitaus härter ausfallen. Vor allem, wenn es um die Bergung von toten Menschen geht, wie in 2014 fünf Mal geschehen.
Belastende Einsätze
„Solche Einsätze sind für die Mitglieder meist sehr belastend“, so Förg bei der Hauptversammlung. Ansonsten reicht das Spektrum der Hilfeleistungen von der verklemmten Tür über die Beseitigung von Wespennestern und Ölspuren bis zu Pkw- und Wohnungsbränden unterschiedlicher Art.
Beim ersten Einsatz in 2014 war das alte Jahr gerade fünf Minuten jung: Durch einen Silvesterböller wurde eine Hecke an einem Hotel in Brand gesteckt. Das Feuer konnte flott gelöscht werden. Insgesamt zählt die Wehr 36 Brandeinsätze, 22 weniger als im Vorjahr.
Dass Feuerwehr mehr bedeutet als das hörbare Signalhorn der Einsatzabteilung, stellte Rolf Richter in seinem Grußwort ausdrücklich fest. „Viel Arbeit passiert im Verborgenen.“ Es sei in erster Linie die ständige Bereitschaft, für die man den Aktiven Anerkennung zollen müsse. Wenn der Pieper losgeht, müssen die gut ausgebildeten Ehrenamtler raus. Egal, zu welcher Zeit.
© Bergsträßer Anzeiger, Montag, 26.01.2015