Feuerwehr: Neues geländetaugliches Fahrzeug für den Bensheimer Stützpunkt / Das Landesfest 2014 bereits im Blick
Bensheim. Vom Löschtrupp zur Allzweckwaffe bei Katastrophen jeder Art: Feuerwehren werden längst nicht mehr nur alarmiert, wenn Flammen lodern. Sie kämpfen an vorderster Front gegen Naturgewalten, sind als Lebensretter bei Unfällen im Einsatz und helfen überall aus, wo Not am Mann ist.
Auf lokaler Ebene meistern die Freiwilligen Feuerwehren diese Aufgaben trotz zunehmender Belastungen hervorragend – die Bensheimer Stützpunktwehr ist ein exzellentes Beispiel. Die erfahrenen und gut ausgebildeten Männer und Frauen lassen in der Stadt nichts anbrennen und sind immer zur Stelle, wenn es doch mal brenzlig wird.
Pumpen und Wassersauger
Das funktioniert aber nur, wenn die Ausrüstung den Anforderungen angepasst wird. Kurz vor den Feiertagen durfte die Truppe um Stadtbrandinspektor Willi Plaschke und Wehrführer Hans Förg deshalb ein ansehnliches Geschenk auspacken: ein Löschgruppenfahrzeug (LF 10/6) vom Katastrophenschutz des Landes Hessen.
Der Neuzugang im Fuhrpark ist vielseitig einsetzbar. Der Wagen verfügt über einen 1000-Liter-Wassertank, führt Schläuche mit einer Gesamtlänge von 280 Metern mit, hat einen ausfahrbaren Lichtmast und einen eigenen Stromerzeuger. Außerdem mit an Bord: eine Tauchpumpe, ein Wassersauger und Motorsägen. Damit qualifiziert sich das LF 10/6 für Unwettereinsätze, die in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen haben.
„Das Fahrzeug ist auf dem neuesten Stand der Technik“, erklärt Plaschke. Dazu gehören LED-Technik unter anderem beim Blaulicht, Allradantrieb, geländegängige Reifen und ordentlich Bodenfreiheit. Bis zu 43 Zentimeter tiefes Gewässer sollten problemlos bewältigt werden.
100 000 Euro musste die Stadt zuzahlen, den Rest hat das Land finanziert. Der Katastrophenschutz hatte in einer Großbestellung 45 Fahrzeuge für Wehren in Hessen geordert. Der Anschaffungspreis inklusive Beladung dürfte bei 200 000 Euro liegen.
Weil der Katastrophenschutz die Neuanschaffung zur Verfügung stellt, kann das Fahrzeug von der Behörde im Ernstfall abgeordnet werden. „Theoretisch wären Einsätze in ganz Deutschland möglich“, so Plaschke und Förg. Bereits 2002 halfen die Bensheimer beim Elbhochwasser in Dessau aus.
Zusammengefasst heißt das: Mit dem Löschgruppenfahrzeug hat die Feuerwehr Mitte ihren Fuhrpark optimal erweitert. In absehbarer Zeit stehen weitere Anschaffungen auf dem Programm. Vermutlich im Januar wird der alte Tankwagen Öl durch ein aktuelles Modell ersetzt. 2013 benötigt die Wehr einen neuen Einsatzleitwagen, zudem muss in den Stadtteilen Schwanheim, Langwaden und Schönberg investiert werden.
„Sicherheit kostet Geld“, bemerkt Plaschke, der aber im gleichen Atemzug betont, dass man sich in Bensheim strikt am Bedarf orientiere. Ein entsprechender Plan werde alle fünf Jahre aufgestellt und Magistrat sowie Stadtverordneten vorgelegt. „Wir brauchen keinen Schnickschnack, aber müssen ordentlich ausgerüstet sein“, erläutern Stadtbrandinspektor und Wehrführer.
Die nächsten Herausforderungen stehen bereits ins Haus. Im kommenden Jahr wird auf den digitalen Funk umgestellt. Außerdem muss die Atemschutzwerkstatt modernisiert werden, bevor in einem Jahr die Sanierung der Feuerwache ansteht. Das Gebäude ist Baujahr 1972, da braucht es mehr als bloß einen neuen Anstrich.
Im Blick haben Hans Förg, sein Stellvertreter Jürgen Ritz und Willi Plaschke dabei schon den Hessentag 2014. „Wir brauchen 70 bis 80 Feuerwehrleute am Tag, um das zu bewältigen“, so Plaschke. Rund 10 000 Arbeitsstunden dürften während des Landesfestes anfallen.
Knackpunkt Hessentagsarena
Die Zahlen sind nicht aus der Luft gegriffen. In Oberursel haben sich die Verantwortlichen intensiv umgeschaut und informiert, mit den Kollegen in Wetzlar, der Hessentagsstadt 2012, stehen sie in engem Kontakt. Dort übernehmen die Bensheimer im Sommer sogar einen Brandschutzdienst.
Besonderer Knackpunkt: die Hessentagsarena. Dort gehen die großen Konzerte mit bis zu 30 000 Besuchern über die Bühne. In Bensheim sollen die Massen im künftigen und weitläufigen Gewerbegebiet Stubenwald II feiern.
„Es wird anstrengend, aber wir packen das“, sind sich Plaschke, Förg und Ritz sicher. Wer die städtischen Brandbekämpfer kennt, weiß, dass es keine leeren Worte sind.
Von unserem Redaktionsmitglied Dirk Rosenberger
Bergsträßer Anzeiger
29. Dezember 2011