Feuerwehr: „Großeinsatz“ am Hauptgebäude der Sparkasse / Neun Personen vermisst
Bensheim. Wintereinbruch und bittere Kälte: Für die Feuerwehrleute spielten die wetterbedingten Voraussetzungen keine Rolle. Sie rückten am Samstag zu einer Inspektionsübung am Hauptgebäude der Sparkasse aus. Lediglich die Zahl der Zuschauer und Zaungäste dürfte sich verringert haben, als die Mannen um Wehrführer Hans Förg den Ernstfall probten.
Keine leichte Aufgabe
Dabei hatten die Blauröcke wahrlich keine einfache Aufgabe zu bewältigen. Kreisbrandmeister Volker Steiger hatte im Verbund mit Stadtbrandinspektor Willi Plaschke und seinem Stellvertreter Thomas Strößinger als Brandherd eine Explosion in der Tiefgarage vorgegeben, die sofort heftige Rauchentwicklung auslöste.
Die Schwaden drangen ins Gebäude ein und breiteten sich flugs aus. Neun vermisste Personen galt es zu retten. Das Szenario ging von einem Zusammenstoß äußerst unglücklicher Umstände aus: Bei Wartungsarbeiten an der Sprinkler-Anlage im Parkhaus kam es zur Explosion eines Autos, die das Parkhaus und das belebte Kundenzentrum verqualmte. Gleichzeitig wurde dadurch die automatische Türöffnung außer Kraft gesetzt.
Ein sichtbares Zeichen für die Komplexität der Aufgabe spiegelte der große Fuhrpark, der nach der Alarmierung im Minutentakt einrückte. Neun Löschfahrzeuge und Mannschaftswagen rollten zügig zur Unglücksstelle vor. Unter der Regie der beiden Einsatzleiter Peter Borgenheimer und Daniel Koep bezogen die Blauröcke auf dem Vorplatz und am Eingang zum Parkhaus Stellung.
An der Bahnhofstraße gegenüber der Buchhandlung Schlapp postierten sich zehn Sanitäter des Deutschen Roten Kreuzes im Ortsverein unter der Bereitschaftsleitung von Michael Arnold mit fünf Rettungswagen. Vieles spielte sich zeitgleich ab. An mehreren Seiten des Gebäudes und an verschiedenen Baustellen entwickelte sich eine Geschäftigkeit.
50 Männer im Einsatz
Die beiden Einsatzleiter der Feuerwehr dirigierten die rund 50 Blauröcke. Auf der einen Seite die sechs Atemschutzträger, die sich ins verqualmte Parkhaus und Kundenzentrum vorwagten, auf der anderen Seite der Löschtrupp, der in Windeseile rund 300 Meter an Schläuchen auslegte und mit Hydranten, Steigleitungen und Wassertanks verbanden.
Oben auf dem Dach riefen Menschen um Hilfe. Mit der Drehleiter wurden sie in Sicherheit gebracht. Doch auch hier blieb den Übenden der schwierige Hürdenlauf nicht erspart. Denn einer der drei war bewegungsunfähig. Er musste zuvor notversorgt werden, bevor er mit einer Rettungswanne schonend nach unten transportiert und den Sanitätern des Deutschen Roten Kreuzes übergeben werden konnte.
Schwarzer Qualm
Diese standen mit Notfallkoffern und Sauerstoffgeräten bereit. Wobei der Schub an Sauerstoff vor allem den Verletzten fehlte, die in der Tiefgarage das lebensbedrohliche Kohlenmonoxid eingeatmet hatten. Sie zu finden und zu retten erwies sich für die sechs Atemschutzträger als schwieriges Szenario. Im schwarzen Qualm und der mächtigen Hitzeentwicklung, so die Annahme, hätten die Blauröcke unter realen Umständen trotz guter Leuchte nur schwer die vermissten Personen rechtzeitig ausfindig machen können.
Jetzt gelangten alle neun Personen ins Freie und zur Erstversorgung in die Hände der Sanitäter. Volker Steiger war durchaus zufrieden mit dem strategischen Vorgehen der Bensheimer Blauröcke. Im Rahmen der Übung zeigten sie, dass sie ihr ehrenamtlich ausgeübtes Handwerk bestens verstehen. Zumal sie eine sehr komplexe Aufgabenstellung zu bewältigen hatten.
Lob für guten Ablauf
Die Einsatzleiter hätten auf Anhieb die Sachlage erkannt und die Arbeitsabschnitte korrekt gebildet. Großes Lob für ein gut strukturiertes Vorgehen ernteten sie zudem von Stadtbrandinspektor Willi Plaschke. Bürgermeister und Feuerwehrdezernent Thorsten Herrmann bedankte sich für ihr Engagement.
Der Übung kam eine besondere Bedeutung zu. Denn erstmals probierte man den digitalen Funk im Einsatz aus. Die Kommunikation mit der neuen Technik habe sich bewährt, urteilte Steiger. Dr. Eric Tjarks, Vorsitzender der Sparkasse Bensheim, stellte selbstverständlich gern das Gebäude als Übungsobjekt zur Verfügung. „Es ist sehr beruhigend zu sehen, wie gut die Rettung funktioniert.“ moni
© Bergsträßer Anzeiger, Montag, 29.10.2012