Überschwemmung: Anlage am Bensheimer Stadtrand wurde geflutet / Katastrophale Zustände in der Partnerstadt Hostinné

Von unserem Redaktionsmitglied Dirk Rosenberger

Bach statt Beet: Die Anlage der Kleingärtner stand am Wochenende unter Wasser.

© Kristin Herrmann

Bensheim. Land unter bei den Bensheimer Kleingärtnern: Die Anlage am Stadtrand Richtung Heppenheim stand am Wochenende unter Wasser. Erst gestern gingen die Überschwemmungen langsam zurück. Auslöser waren wie überall die starken Regenfälle, die Bäche und Gräben anschwellen ließen.

„Der Meerbach musste in die Äcker abgelassen werden, damit er nicht über die Ufer tritt“, erklärte Stadtbrandinspektor Willi Plaschke. Das hatte allerdings zur Folge, dass die benachbarte Gartenlandschaft des Vereins geflutet wurde. Hinzu kam, dass die Abwassergräben für den Hemsberg in der Nähe verlaufen und ebenfalls mehr Wasser transportierten, als sie fassen können. Das Areal wurde praktisch von zwei Seiten in die Zange genommen – mit dem Resultat, dass stellenweise knietief die Brühe in den Beeten stand.
Für die Anlieger eine unliebsame Überraschung. „Wir können das Wasser nicht abpumpen, damit würden wir die Felder unter Wasser setzen“, so Plaschke, der dort selbst einen Garten bewirtschaftet. Erst langsam entspannt sich die Lage. Der Meerbach reduzierte sich fast wieder auf Normalmaß, das Wasser in den Gräben konnte weiter in die Tongruben abfließen. Das war am Wochenende nicht möglich. „Da war alles voll, das hat zu einem Rückstau geführt“, betonte der Stadtbrandinspektor.

Liebevoll gepflegte Anlage

Welche Schäden die Fluten in der Kleingärtneranlage hinterlassen haben, kann zurzeit nicht abgeschätzt werden. Die liebevoll gepflegten Grünanlagen benötigen zwar Wasser, aber nicht in solchen Mengen. 120 Parzellen sind auf dem 55 400 Quadratmeter großen Areal verteilt. Wobei nicht alle überschwemmt wurden: Vereinshaus und Gaststätte, die höher liegen, blieben verschont.
Trotzdem dürften in den nächsten Tagen die Aufräumarbeiten anlaufen. Wobei der Verein und seine Mitglieder hart im Nehmen sind. Bereits 1973 hatte man mit Hochwasser zu kämpfen. Der damals geplante Bau des Vereinsheims lag danach eineinhalb Jahre auf Eis.
Im Jahr 2009 brannte das schließlich 1976 fertiggestellte Gebäude völlig aus und musste komplett abgerissen werden. Ein Jahr später begann der Wiederaufbau, Eröffnung war noch im Oktober des gleichen Jahres. Der Verein selbst kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Gegründet wurde er 1931, nach einer Flurbereinigung wurden 1935 die ersten 60 Kleingärten am heutigen Standort angelegt.
Nach einem Wochenende voller Einsätze normalisierte sich in Bensheim die Lage gestern. „Seit Samstagabend ist Ruhe“, versicherte Plaschke. Bis dahin hatten die ehrenamtlicher Helfer allerdings alle Hände voll zu tun entlang der Lauter, des Winkel- und des Meerbachs (wir haben berichtet).
In Gronau und Zell mussten die Anwohner zum wiederholten Mal starke Nerven und Improvisationskunst beweisen, weil der Meerbach die Hauptstraße teilweise in eine Flusslandschaft verwandelte. Viel schlimmer hat es die Menschen in der Bensheimer Partnerstadt Hostinné getroffen, wie der Freundschaftskreis gestern mitteilte. Viele Straßen, Plätze und Häuser an der Elbe sind überflutet.
Die Elbe ist im Stadtgebiet an verschiedenen Stellen über die Ufer getreten und hat sich zu einem reißenden Fluss entwickelt. Hilfsdienste sind im Dauereinsatz und evakuieren auch Anwesen, in denen Bürger von den Wassermassen eingeschlossen sind.
Im Raum Hostinné münden Flüsse und Bäche aus dem Riesengebirge in die Elbe. Durch die starken Regenfälle der vergangenen Tage stiegen die Pegel kontinuierlich an und führten zur Hochwasserkatastrophe.

© Bergsträßer Anzeiger, Dienstag, 04.06.2013