Zahl der Einsätze im Jahr 2010 gestiegen
Bensheim. Mit 70 aktiven Mitgliedern ist die Freiwillige Feuerwehr Bensheim-Mitte weiterhin gut aufgestellt. In den beiden letzten Jahren ist die Einsatzabteilung um neun Köpfe gewachsen. Diese Entwicklung ist nicht zuletzt einer motivierten Jugendabteilung zu verdanken, aus der die Wehr fast ausnahmslos ihren aktiven Nachwuchs rekrutiert.
Auch der Verein hat zahlenmäßig nochmals zugelegt und zählt aktuell 342 Mitglieder, wie Wehrführer und Vorsitzender Hans Förg jetzt bei der Hauptversammlung mitteilte. Im Feuerwehrstützpunkt begrüßte Förg am Samstag zahlreiche Kameraden zu einer Jahresbilanz, die von überdurchschnittlich vielen Einsätzen geprägt ist. Insgesamt musste die Feuerwehr bis jetzt 303 mal ausrücken, darunter 98 Brandeinsätze.
Dass der Anteil der sonstigen Hilfsleistungen erneut relativ hoch ist, spiegelt die Vielseitigkeit der Wehr, die sich von einer spezialisierten Truppe zu einer hoch technisierten Einheit verändert hat, wie Förg betont. „Der einstige Feuerwehrmann hat sich zu einem Allrounder entwickelt, der eine Vielzahl von technischen Geräten beherrschen muss.“
Mit Blick auf den technischen und industriellen Fortschritt unterstrich der Wehrführer die Notwendigkeit permanenter Weiterbildungen und einer modernen Ausrüstung, die den neuen Herausforderungen gerecht werden müsse. Hier nahm Förg gezielt die Politik in die Pflicht, um den Helfern eine zeitgemäße Ausstattung an die Hand zu geben.
Der Feuerwehrdezernent stellt dies nicht infrage. Bürgermeister Thorsten Herrmann versicherte den Feuerwehrleuten – drei Frauen sind in der Einsatztruppe – die Unterstützung aus dem Rathaus. Die Feuerwehr bezeichnete er als geschützten Bereich im Rahmen der städtischen Haushaltsplanung. Übersetzt: Von den allgemein notwendigen Kürzungen bleibt sie verschont. Wer sich für seine Mitbürger einsetze, der müsse mit bestmöglichem Gerät versorgt sein. In diesem Kontext sprach Herrmann auch den neuen Digitalfunk an, der im kommenden Jahr installiert werden und die Kommunikation unter den Hilfsorganisationen erleichtern soll. Nicht jeder der Kameraden sieht dieser Umstellung mit Vorfreude entgegen.
In seinem Rückblick skizzierte der Wehrführer die wichtigsten Einsätze des Berichtsjahrs. Darunter ein durch Gas verursachter Gartenhüttenbrand, diverse geplatzte Wasserrohre und Verkehrsunfälle, eine lodernde Küche sowie ein Großbrand in der ehemaligen Papierfabrik Euler, bei dem die Helfer 270 Stunden vor Ort waren. Insgesamt wurden im Berichtsjahr über 1400 Einsatzstunden aufgeschrieben.
Ein Blick auf die skurrilen und exotischen Einsätze zeigt, dass die aktive Wehr mit nahezu jeder Situation rechnen muss: In der Hauptstraße wurden Eiszapfen entfernt, die aufgrund der anhaltenden Kältewelle im Januar zu einer potenziellen Gefahr angewachsen waren. Ein Vogel hatte sich in einer vergessenen Drachenschnur verfangen, ein gemeldeter Flugzeugabsturz auf dem Segelflugplatz stellt sich als Fehlalarm heraus. Eine junge Frau hatte sich ein Bein in den Speichen ihres Fahrrads eingeklemmt, ein Mann rief die Wehr wegen einer verstopften Toilette (Achtung: keine Zuständigkeit!), und eine Reinigungskraft hatte sich hilflos in einer Massagebank verklemmt. Allein 76 Einsätze gingen auf die Rechnung von Unwetter.
Angesichts dieser Aufgaben ist es durchaus bemerkenswert, dass sich dabei nur drei Feuerwehrleute leichte Verletzungen zugezogen haben. Hans Förg begründete dies mit der sehr guten Ausbildung und Schutzausrüstung der Truppe.
In der über 150-jährigen Geschichte der Bensheimer Feuerwehr gibt es keinen tödlichen Unfall. „Das soll auch so bleiben“, betonte der Wehrführer. Lehrgänge und Seminare helfen dabei, die tatsächlichen Risiken möglichst gering zu halten.
Stadtbrandinspektor Willi Plaschke und Kreisbrandmeister Volker Steiger lobten die Wehr für ihre geleistete Arbeit. Auch die Jugendfeuerwehr unter der Leitung von Florian Blumenschein sei mit 26 Köpfen gut aufgestellt.
Stefan Fasser informierte über die erste Satzungsänderung seit 1994. Dabei wurde neben etlichen redaktionellen Erfrischungen der Bereich Brandschutzerziehung als Vereinsziel sowie die Jugendwehr als eigener Bereich definiert. Der Nachwuchs bestimmt den Jugendwart nun selbst.
Auch die Gründung einer Kindergruppe wird in der neuen Satzung ausdrücklich berücksichtigt. tr
Bergsträßer Anzeiger
13. Dezember 2010