Übung: Feuerwehren von Bensheim, Schönberg und Wilmshausen löschten rund um die Marienkirche

 
Schönberg. Ein schwieriges Objekt hatten sich die Freiwilligen Feuerwehren Bensheim-Mitte, Schönberg und Wilmshausen für ihre gemeinsame Lösch- und Rettungsübung ausgesucht. Die Übung fand an der evangelischen Marienkirche statt, die bekanntlich nördlich der B 47 am Berg liegt.
Wie der Bensheimer Wehrführer Hans Förg mitteilte, wird eine solche stadtteilübergreifende Übung wenigstens einmal jährlich durchgeführt, um dadurch auch die Kooperation zwischen den einzelnen Wehren zu schulen. An der Übung am Donnerstag nahmen insgesamt etwa 60 Feuerwehrleute teil.
Folgendes Szenario wurde von den Organisatoren im Vorfeld entwickelt: Im Sommer ist es im Wald rund um die Kirche zu einem Brand gekommen. Die Rauchschwaden sind auch in den Kirchturm gezogen, wo dadurch zwei mit Renovierungsarbeiten beschäftigte Handwerker eingeschlossen wurden.
Für die Feuerwehrleute stellten sich also zwei parallel zu bewältigende Aufgaben. Einerseits galt es, den Brand rund um die Kirche zu löschen, andererseits mussten die beiden im Turm vermuteten Personen gerettet werden.
Verschiedene Faktoren erschwerten diese beiden Vorgaben und lieferten den Brandschützern wichtige Erkenntnisse. So stellte sich zum Beispiel die Frage, ob es mit der vorhandenen Ausrüstung gelingen könnte, genügend Löschwasser den Berg emporzupumpen. Dabei ging es nicht nur um die schiere Wassermenge, sondern auch um den Druck.
Schließlich müssen auch die Baumwipfel gelöscht werden können. Um dieses Ziel zu erreichen, fuhren die Feuerwehren eine Doppelstrategie. Natürlich bediente man sich am nächstgelegenen Wasseranschluss. Zusätzlich wurde aber auch im Tal die Lauter angezapft, das Wasser durch ein Rohr unter der B 47 weitergeleitet und schließlich über Schläuche auf den Berg gepumpt.

Keine Chance für Feuer

Beide Strategien erwiesen sich als erfolgreich, und schon bald nach Ankunft der Wehren schossen Wasserfontänen rund um die Marienkirche in die Höhe. Ein Feuer hätte gegen diese Wassermassen kaum eine Chance gehabt.
Die Rettung der beiden im Turm eingeschlossenen Personen erwies sich da schon als schwieriger. Wegen der massiven Rauchentwicklung mussten Atemschutztrupps in den Turm geschickt werden, um dort die Vermissten zu finden. Oben im Turm konnten die Trupps tatsächlich zwei bewusstlose Personen bergen.
Nun stellte sich allerdings die Frage, wie die beiden Verletzten auf den Boden zu den Rettungskräften transportiert werden konnten.
Weil nur eine sehr enge Wendeltreppe auf den Kirchturm hinaufführt, war ein Abtransport über die Treppe schnell ausgeschlossen. Den Feuerwehrleuten blieb nichts anderes übrig, als die beiden Personen in einer Rettungswanne an Seilen den Kirchturm herabzulassen.
Dazu wurden sowohl am Turm als auch am Boden entsprechende Sicherungsvorkehrungen getroffen, um die Rettungswanne langsam auf die Erde bringen zu können, was schließlich auch gelang.
Zusätzlich testeten die Feuerwehren bei der Übung noch ihre längste Leiter. Voll ausgefahren misst sie stolze 14 Meter und bringt etwa 90 Kilo auf die Waage. Wie sich herausstellte, ließe sich über die Leiter sogar in ein Kirchturmfenster einsteigen und Personen im Extremfall auch darüber retten.
Die Übung verlief insgesamt überaus erfolgreich. Die gestellten Aufgaben wurden allesamt bewältigt, die gesetzten Ziele erreicht. Souverän griff ein Rad ins andere, voll konzentriert verrichtete jeder seinen Dienst. Auch der ruhige Umgangston untereinander zeugte davon, dass die Rettungsmaßnahmen nach Plan verliefen.
So ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Brandschützer nach getaner Arbeit zufrieden abzogen und den Abend im Schönberger Feuerwehrgerätehaus ausklingen ließen. Dort wurde auch die Nachbesprechung abgehalten. pb
 
Bergsträßer Anzeiger
22. Mai 2010