Karl-Kübel-Schule – Sturmschäden am Dach stellen noch eine zu große Gefahr dar / In den Außenstellen kann planmäßig unterrichtet werden

BENSHEIM. Am Montagmorgen hatte sich „Eberhard“ verzogen, die Schäden durch das sonntägliche Sturmtief waren aber vielerorts sichtbar – am deutlichsten auf dem Dach des Hauptgebäudes der Karl-Kübel-Schule in Bensheim. Dort hatte die Blech- und Holzkonstruktion den Orkanböen nicht standgehalten (wir haben berichtet).

Das Technische Hilfswerk hatte die Sicherungsarbeiten übernommen, konnte aber bis zum späten Sonntagabend nicht bis ganz nach oben. Die Gefahr, von messerscharfen und umherfliegenden Trümmern verletzt zu werden, war schlicht zu groß. Das Gelände wurde deshalb weiträumig gesperrt, was am Montag Auswirkungen auf den Unterricht hatte. Der fiel größtenteils ins Wasser. Lediglich in einem Nebengebäude, das gefahrlos betreten werden konnte, so Schulleiterin Ulrike Rüger, durften 40 Abiturienten aus zwei Leistungskursen ihre Klausuren schreiben.

Nicht alle haben frei

Rüger wies im Gespräch mit dieser Zeitung darauf hin, dass nicht alle 2200 Schüler frei hatten und haben werden. „In unseren Außenstellen an der Metzendorf-Schule, der Martin-Buber-Schule in Heppenheim und im ehemaligen Telekom-Gebäude an der Fehlheimer Straße konnte normal unterrichtet werden.“ Das gilt auch für die kommenden Tage.

Wie es am heutigen Dienstag weitergeht, stand am Montagmittag zunächst noch nicht fest. Diese Entscheidung sei letztlich Sache des Schulträgers, so Rüger. Der hatte in Person von Landrat Christian Engelhardt am Sonntagabend für Irritationen gesorgt. Während Engelhardt auf Anfrage dieser Zeitung mitteilte, dass die Schulleitung am Montagfrüh entscheiden müsse, ob Unterricht abgehalten werden kann, hatten die Verantwortlichen längst Fakten geschaffen und Lehrkräfte sowie Schüler darüber in Kenntnis gesetzt, dass außer den Abiturienten niemand aufs Grundstück darf.

„Wir können im Moment nur über zwei Nebeneingänge problemlos ins Gebäude. Unter diesen Voraussetzungen kann kein geregelter Schulbetrieb abgehalten werden“, erklärte Rüger. Priorität erhielt deshalb die Sicherung der Trümmerteile auf dem zusammengefalteten Dach. Mit der Erkundung der Lage waren gestern Handwerker und Fachkräfte beschäftigt.

Auch das Kommunikationsdefizit zwischen dem Behördensitz in Heppenheim und dem Schulstandort in Bensheim konnte offenkundig behoben werden. Am Nachmittag stand jedenfalls offiziell fest, dass am Dienstag im Hauptgebäude aus Sicherheitsgründen nicht unterrichtet wird. Ob dies auch am Mittwoch der Fall sein wird, kann erst heute entschieden werden.

„Wir arbeiten alle gut zusammen, damit alles so schnell wie möglich über die Bühne geht“, betonte Ulrike Rüger. Dass Schulleitung und Kollegium im Improvisieren und Managen von Unwägbarkeiten reichlich Erfahrungen haben, stellen sie seit 2008 unter Beweis. Damals starteten die groß angelegten Neubau- und Sanierungsvorhaben, die bis heute die Schulgemeinde begleiten.

Aktuell steht das letzte Puzzleteil an – der Neubau des nun stark beschädigten Haupt- sowie eines weiteren Nebengebäudes. Mehr als 25 Millionen Euro investiert der Kreis in das Projekt. Vorgesehen ist, dass hinter dem Altbau, der bis zur Einweihung genutzt werden soll, ein modernes Lernzentrum entsteht.

Bilanz der Feuerwehr

Die größte Einsatzstelle in Bensheim war am Sonntag zwar die Karl-Kübel-Schule, an der 42 THW-Mitglieder alle Hände voll zu tun hatten. Aber auch sonst waren die Rettungskräfte gefordert. Stadtbrandinspektor Jens-Peter Karn bilanzierte am Montagmittag 18 Alarmierungen im Stadtgebiet – hauptsächlich wegen umgestürzter Bäume, abgeknickter Äste, umherfliegenden oder losen Dachziegel.

Am Schwanheimer Sportplatz zerstörte der Wind das Vordach der Umkleidekabinen, die Partie der Fußballer gegen Bobstadt ging dennoch erfolgreich für den Sportverein zu Ende. Der Zweckverband KMB musst aus Sicherheitsgründen wegen eines entwurzelten Baums den Friedhof Mitte sperren. Und zum letzten Einsatz am Sonntag wurden die Auerbacher Kameraden gerufen, als im Hochzeitsweg ein Baum auf ein Wohnhaus fiel. Alles in allem waren 60 Feuerwehrleute über mehrere Stunden aktiv, um die Spuren des Sturms zu beseitigen oder Schlimmeres zu verhindern.

© Bild: Funck. „An der Karl-Kübel-Schule wurde am Montagmorgen ein Gerüst gestellt, um die Sturmschäden auf dem Dach zeitnah beseitigen zu können.“