Südhessen – Beim Absturz einer Propellermaschine nahe Bensheim sterben zwei Menschen

BENSHEIM. Die Nase des Ultraleichtflugzeugs hat sich tief in den aufgeweichten Acker gebohrt. Die Kabine ist vom Aufprall deformiert, der Propeller umgeknickt. Der Zustand des Fliegers lässt die Wucht des Aufpralls erahnen.

Bis tief in die Nacht arbeiten THW und Feuerwehr an der Absturzstelle zwischen Gewerbegebiet Stubenwald und Segelflugplatz in Bensheim. Gegen 22.30 Uhr am Samstagabend können die Überreste der Maschine auf einem Tieflader des Technischen  Hilfswerks abtransportiert und auf das THW-Gelände nach Auerbach gebracht werden.

Für die Männer und Frauen ist die Bergung nicht nur körperlich eine Belastung. Bevor das Wrack vom Feld gezogen werden kann, müssen sie die Leichen des 32 Jahre alten Piloten und einer 18 Jahre alten Frau aus Bickenbach (Landkreis Darmstadt-Dieburg) aus den Trümmern bergen.

Wollte der Pilot notlanden?

Mehrere Stunden zuvor war die Propellermaschine abgestürzt. Gegen 15.40 Uhr hatten Autofahrer die Rettungsdienste verständigt. DRK, Polizei und Feuerwehr waren schnell vor Ort, konnten den Insassen aber nicht mehr helfen. Die Unglücksstelle befindet sich in der Nähe einer Hochspannungsleitung zwischen den Firmengebäuden im Stubenwald und der Landstraße nach Schwanheim. Der Segelflugplatz ist nur wenige hundert Meter entfernt. Ob der Pilot versuchte, die dortige Landebahn anzusteuern, werden die Untersuchungen zeigen.

Fest steht nur, dass die Maschine um 15 Uhr vom Flugplatz in Worms abhob und nach einem Rundflug wieder dorthin zurückkehren sollte. Es war nicht die erste Tour mit der Maschine an diesem Tag. Nach Auskunft von Polizeisprecher Bernd Hochstädter gehörte der Flieger nicht zur Flotte des Wormser Flugplatzes. „Es war ein Gastflugzeug. Woher es ursprünglich kommt, wissen wir momentan nicht.“ Immerhin konnte gestern Mittag die Identität des Pilots geklärt werden. Der 32-Jährige war Deutscher und stammte aus Tuttlingen. Er wohnte aber zuletzt in der Schweiz im Kanton Zürich.

Darüber hinaus sind einige Fragen offen, auf die es unter Umständen erst in ein paar Wochen Antworten geben wird. So zumindest äußerte sich die Pressestelle des Polizeipräsidiums Darmstadt. „Die Ermittlungen zur Absturzursache können noch mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Die Ermittlungsbehörden – die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung, Staatsanwaltschaft und Polizei – stehen in engem Austausch“, teilte eine Sprecherin mit. Zeugen müssten in nächster Zeit vernommen, Trümmerteile begutachtet werden. Aufschluss könnte womöglich eine Obduktion der Leichen geben.

Die Kriminalpolizei hat Ermittlungen aufgenommen. „Das geschieht routinemäßig bei zwei Toten“, so Bernd Hochstädter. Mitarbeiter der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung suchen nach dem Grund für den Absturz, haben Flugbücher sichergestellt und noch vor Ort die Maschine inspiziert.

Großaufgebot von Einsatzkräften

Spezialisten des Landeskriminalamts, sogenannte Entschärfer, mussten allerdings zunächst die Fallschirmmechanik sichern und entfernen, um eine mögliche Gefahr für die Retter auszuschließen. Weil zudem nicht ausgeschlossen werden konnte, dass Betriebsstoffe – wie der Treibstoff – auslaufen, wurde der Bereich weiträumig abgesperrt.

Ein Großaufgebot von Einsatzkräften sicherte die Umgebung. Die Bensheimer Feuerwehr war mit 30 Mann im Dienst, ebenso die THWOrtsgruppe. Die ehrenamtlichen Helfer leuchteten in den Abend- und Nachtstunden die Umgebung aus, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Außerdem bauten sie einen provisorischen Steg, um den Zugang zum Ultraleichtflieger zu verbessern.

Die Polizei hatte zwischenzeitlich einen Kommandostand errichtet, die Feuerwehr ein Zelt für die Rettungskräfte aufgebaut. Auf den Feldwegen keine leichte Aufgabe, musste doch mit schwerem Gerät und großen Fahrzeugen auf engem Raum manövriert werden. Zu Beginn des Einsatzes kreiste ein Polizeihubschrauber über die Unglücksstelle. Die Angehörigen der 18-Jährigen, die an der Unglücksstelle eintrafen, wurden von einem Kriseninterventionsteam betreut.

Der Bensheimer Bürgermeister Rolf Richter war mit seinem Kollegen Christian Schönung aus Lorsch vor Ort. Offiziell liegt die Absturzstelle auf Lorscher Gemarkung, auch wenn sie geografisch eher Bensheim zugeordnet wird. „Die Einsatzkräfte waren sehr schnell und in großer Zahl an der Unfallstelle. Alles ist äußerst professionell abgelaufen. Dafür will ich mich ausdrücklich bedanken. Der Einsatz dauerte über neun Stunden, und wenn Menschen ums Leben kommen, ist das sehr tragisch und auch für die Helfer vor Ort eine zusätzliche Belastung. Mein Mitgefühl gilt den Angehören der beiden Opfer“, sagte Richter.

Bei den ehrenamtlichen Helfern herrschte ebenfalls große Betroffenheit. „Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir in Bensheim schon einmal einen ähnlichen Unfall hatten“, betonte Stadtbrandinspektor Jens-Peter Karn.

Ende Januar waren bei Oberhausen-Rheinhausen (Landkreis Karlsruhe) vier Männer beim Zusammenstoß eines Kleinflugzeugs und eines Hubschraubers ums Leben gekommen. Das Flugzeug startete in Basel und wollte in Speyer landen.

© Bergsträßer Anzeiger, Freitag, 12.03.2018