Über 120 Einsatzkräfte bekämpften auf einem landwirtschaftlichen Anwesen in Wurzelbach die Flammen / Keine Verletzten, aber hoher Schaden

Von unserem Redaktionsmitglied Dirk Rosenberger

Wurzelbach.

Personen kamen nicht zu schaden. Auf dem Grundstück lebt unter anderen eine Familie mit vier Kindern. Ein Übergreifen der Flammen auf zwei angrenzende Wohnhäuser konnte durch das schnelle Eingreifen der Feuerwehren verhindern werden, teilte die Polizei mit. Zugute kam den Einsatzkräften, dass eine Brandwand das Feuer aufhielt. Lediglich die Fassade und die Dämmung wurden in Mitleidenschaft gezogen.

Verdacht auf Rauchgasvergiftung

Die insgesamt sieben Bewohner der beiden Häuser konnten sich rechtzeitig ins Freie retten, sie trugen nach offizieller Auskunft keine ernsthaften Verletzungen davon. Zwei Personen wurden jedoch mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung dem Rettungsdienst übergeben. Das teilte Kreisbrandinspektor Wolfgang Müller auf Nachfrage mit. Es soll sich um Anwohner gehandelt haben, die Löschversuche unternommen hatten.

Von mehreren Seiten führten die Wehrmänner unter Atemschutz Angriffe durch, andere Trupps sicherten die Umgebung. THW und Bauhof zogen anschließend die Trümmer auseinander, um Glutnester aufzudecken und dem Feuer keine weitere Nahrung zu geben. In der Scheune lagerte jede Menge Stroh, außerdem standen dort ein Traktor und eine Anhängerrolle. In unmittelbarer Nähe der Scheuer lag viel brennbares Material – unter anderem Holz.

Die Brandursache ist zurzeit noch unklar. Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen. Der Schaden wird auf 120 000 Euro geschätzt – immerhin sind sämtliche Scheunen und Schuppen abgebrannt. Die Kameraden aus Beedenkirchen waren als erste vor Ort. Sie sind für den Brandschutz im Weiler Wurzelbach zuständig. Dort gibt es seit geraumer Zeit kein Gerätehaus mehr.

Insgesamt beteiligten sich 120 Feuerwehrmänner- und frauen an den Löscharbeiten, die bis zum Sonntagvormittag andauerten. Die Jugenheimer Straße zwischen Allertshofen und Wurzelbach musste gesperrt werden. Die Rauchschwaden waren kilometerweit sichtbar.

Als aufwendig und problematisch erwies sich zunächst die Wasserversorgung. Die Wehren zapften nicht nur das Leitungsnetz, sondern auch die nahe gelegenen Fischteiche an. Dem Vernehmen nach soll es im Ortsteil Staffel zur Ausfällen im Leitungsnetz gekommen sein.

Wassertank aus Lorsch

Die Schläuche mussten bis zurück nach Beedenkirchen und Ernsthofen gelegt werden, weil das Wasser vor Ort nicht ausreichte. Die Lorscher Feuerwehr wurde deshalb nachalarmiert und unterstützte mit einem Tanklöschfahrzeug die Rettungsmaßnahmen. So standen zusätzlich 6000 Liter zur Verfügung.

„Es war einer der größten Brände in den letzten Jahrzehnten in Lautertal“, erklärte der stellvertretende Gemeindebrandinspektor Ralf Kindinger. Ein Feuerwehrfahrzeug reihte sich auf der Landstraße ans nächste, überall lagen Schläuche. Koordiniert wurden die Löscharbeiten von Kreisbrandinspektor Wolfgang Müller und Gemeindebrandinspektor Bernd Röder – keine leichte Aufgabe bei über 100 Einsatzkräften aus zwei Landkreisen.

„In einem solchen Fall wird jede Kraft gebraucht. Wir können von Glück reden, dass es nicht unter der Woche passiert ist, wenn viele bei der Arbeit sind. Dann hätten wir nicht so schnell reagieren können“, betonte Kindinger. Das zeige einmal mehr, wie wichtig der Erhalt jeder einzelner Feuerwehr sei.

Lob vom Kreisbrandinspektor

Gestern Vormittag gingen die Lösch- und Aufräumarbeiten weiter. Die Feuerwehr aus Beedenkirchen sowie der Bauhof stellten sicher, dass es nicht zu einem erneuten Ausbruch des Feuers kam.

„Man muss den Kameraden, die als erstes eintrafen, ein großes Lob aussprechen. Sie haben umsichtig agiert. Ihrem Handeln ist es zu verdanken, dass das Wohnhaus gehalten werden konnte. Sie haben ihre Aufgabe super gemeistert“, lobte der Kreisbrandinspektor.

© Bergsträßer Anzeiger, Montag, 26.03.2012

UPDATE:

Keine Anzeichen für vorsätzliche Brandstiftung

Wurzelbach. Bei der Suche nach den Ursachen für den Scheunenbrand am Samstag in Wurzelbach gibt es nach Angaben der Polizei derzeit keine Anzeichen für eine vorsätzliche Brandstiftung. Bei dem Feuer auf einem landwirtschaftlichen Anwesen war nach ersten Schätzungen ein Sachschaden in Höhe von 120 000 Euro entstanden. 120 Einsatzkräfte der Feuerwehren aus Lautertal, Bensheim, Lorsch und Modautal waren bis Sonntagvormittag mit den Löscharbeiten beschäftigt. Gestern musste die Feuerwehr aus Beedenkirchen noch einmal zur Brandnachschau ausrücken, um ein erneutes Auflodern des Feuers zu verhindern. „Am Einsatzort gibt es relativ viel Stroh. Da kann es leicht noch einmal qualmen“, sagt Gemeindebrandinspektor Ralf Kindinger. Die örtliche Wehr werde die Entwicklung beobachten. kel/d

© Bergsträßer Anzeiger, Dienstag, 27.03.2012