Hauptversammlung: Bensheimer Brandschützer müssen bei tendenziell mehr Einsätzen mit weniger Personal auskommen
Insgesamt sind in Bensheim-Mitte und den neun Stadtteilwehren 605 Mitglieder angeschlossen. Die Jugendwehr ist mit 111 Köpfen leicht geschrumpft, wobei an dieser Entwicklung auch die 13 Übernahmen in den aktiven Dienst eine Rolle spielen.
Doch auch im Nachwuchsbereich konnte der negative Trend im vergangenen Jahr nicht ausgebremst werden, wie Stadtjugendfeuerwehrwart Michael Lortz erklärte. 18 Austritten standen 13 Neuzugänge gegenüber. Lortz zeigte sich zuversichtlich, dass diese Entwicklung umkehrbar ist. In sechs Kindergruppen lernen 39 Jungen und Mädchen im Alter von acht bis zehn Jahren die Aufgaben der Feuerwehr auf spielerische Weise. Die Juniorkader sind eine langfristige Hoffnung der Brandschützer.
Bürgermeister Rolf Richter nahm den Ball auf. Der örtliche Brandschutz obliege der Kommune als Aufgabe der Selbstverwaltung, das Thema Mitgliederwerbung sei daher nicht allein eine Aufgabe der Wehren: „Wir werden unseren Teil dazu beitragen.“ Richter teilte mit, dass man gemeinsam ein Programm zur Nachwuchsgewinnung entwickeln wolle. Mit einem weiteren Flyer sei es aber nicht getan, so der Bürgermeister. Um junge Leute direkt zu erreichen, denke man unter anderem auch über Imageclips im Bensheimer Kino nach.
Konkrete Aussagen über die Mitgliedersituation liefert der überarbeitete Bedarfs- und Entwicklungsplan der Bensheimer Feuerwehr. Eine eigene Arbeitsgruppe hat ein Konzept für die Jahre 2016 bis 2021 vorgelegt, in dem neben allerlei Statistiken auch notwendige Anschaffungen enthalten sind. Eine Beschlussvorlage wird noch im Frühjahr vom Feuerwehrausschuss in die städtischen Gremien weiter gereicht. Jährlich investiert die Stadt gut 1,2 Millionen Euro in die Feuerwehren.
Landrat Christian Engelhardt betonte die vielfältige ehrenamtliche Arbeit der Feuerwehren, die auch jenseits ihrer klassischen Aufgaben aktiv ist. So etwa bei einem dringenden Einsatz im Oktober in Viernheim, wo der Aufbau einer Notunterkunft für Flüchtlinge unterstützt wurde. Engelhardt bedauerte die hohe Zahl an Fehlalarmen im ehemaligen Mercure-Hotel, wo der Kreis Bergstraße seit Dezember eine Unterkunft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge eingerichtet hat. Durch eine Umstellung auf Hausnotruf wolle man das unnötige Anrücken der Wehren jetzt vermeiden, so der Landrat im Kolpinghaus.
Gefährliche Funkstille
Kreisbrandinspektor Wolfgang Müller ging auf die von Jens-Peter Karn geäußerte Kritik zum Thema Digitalfunk ein. Er bestätigte, dass es im Landkreis noch viele Lücken im Netz gebe, was die Kommunikation der Rettungstrupps erheblich erschwere. Wenn der Kontakt abrupt abbricht, kommt es zu einer gefährlichen Funkstille. Hinzu kommen Softwareprobleme, die den Einsatzkräften zu schaffen machen. Müller kündigte an, dass die Situation im Kreisgebiet jetzt genau analysiert werde: „Wir müssen und werden nachjustieren.“
Bis das System optimal funktioniert, müsse man weiter mit der analogen Technik arbeiten, so Jens-Peter Karn. Allerdings sind die klassischen Funkmeldeempfänger zum Teil veraltet. Wartung und Unterhaltung kosten Zeit und Geld.
Stadtverordnetenvorsteherin Carola Heimann bedankte sich für die gute Zusammenarbeit während ihrer zu Ende gehenden Amtszeit. Die Bensheimer Wehren spendeten langen Applaus. tr
© Bergsträßer Anzeiger, Montag, 14.03.2016