Kreisfeuerwehrjugend: Beim großen Treffen am Bibliser Jägerhof geht es um Ausbildung, aber auch um Spaß und Kameradschaft.
Schweißtreibende Trainingseinheiten, sportlicher Wettbewerb, Austausch, Kameradschaft und ganz viel Spaß: Das Kreisjugendfeuerwehrzeltlager fand zum 59. Mal statt – und das allererste Mal auf dem Gelände des früheren Flugfelds in Biblis. 60 Wehren aus dem gesamten Kreis nahmen teil. Kreisjugendfeuerwehrwartin Elena Sax und ihr Team nahmen die Nachwuchsfeuerwehrleute in Empfang. Rund 950 Jugendliche und ihre Betreuer kamen bereits am Mittwoch auf dem Gelände in direkter Nachbarschaft zum Jägerhof an und starteten zügig mit dem Aufbau – sowohl der Zelte als auch der ausgeklügelten Infrastruktur.
Der Malteser Hilfsdienst und die Johanniter-Unfall-Hilfe aus Viernheim stellten traditionsgemäß Küchenteam und Sanitätsdienst. Die Feuerwehr Heppenheim schickte ihre 10.000 Liter Wasser fassende „Milchkuh“ zur externen Wasserversorgung in den Zeltlagereinsatz. Auch Hygiene- und Toilettencontainer standen bereit. Für die Beleuchtung und die Möglichkeit für Durchsagen war ebenso gesorgt. Verpächter Sebastian Jäger, die Bibliser Feuerwehr, die den Bauzaun aufgestellt hatte, und Landwirt Sebastian Glaser, der die Wasserentsorgung organisierte, waren ebenfalls unverzichtbare Helfer vor Ort.
Schon am Anreisetag sorgte ein „unfreiwilliges Flugobjekt“ beim Aufbau für Wirbel. Eine heftige Windböe ließ das Zelt der Jugendfeuerwehr Biblis zum Totalschaden werden. Da kam die finanzielle Unterstützung des Bibliser Bürgermeisters Konstantin Großmann gerade recht. Er, etliche weitere Bürgermeister, Landrat Christian Engelhardt sowie Landtagsabgeordneter Alexander Bauer waren zum Auftakt gekommen. Auch Kreisbrandinspektor Markus Stracke und Christian Stadler, der stellvertretende Verbandsvorsitzende, zeigten sich sichtlich angetan von der kleinen Zeltstadt. Musikalisch leitete die Spielgemeinschaft Kreis Bergstraße in den sommerlichen Abend.
Später stand die Selbstversorgung hoch im Kurs: Der Duft von Gegrilltem zog über den Platz, unzählige Wasserkanister wurden an der „Milchkuh“ befüllt und mit Bollerwagen, die sogar mit Blaulicht ausgestattet waren, zu den Unterkünften transportiert. Auch wenn es in manchem Zelt wie das berühmte „Sodom und Gomorra“ aussah, so sah man überall nur strahlende Gesichter. Selbst nach verordneter Lagerruhe hörte man aus den Unterkünften Gewisper und glucksendes Lachen. Am nächsten Tag stand die Abnahme der Jugendflamme I und II auf dem Plan. 120 Jungs und Mädchen waren im und um das Gerätehaus der Feuerwehr Biblis zu Gast und legten Zeugnis über ihr Können ab. Die Bibliser Wehr betrieb auf dem Zeltplatz zudem eine oft frequentierte Candybar und einen Getränkestand. Wer Lust hatte, konnte die Berufsfeuerwehr in Darmstadt besuchen. Aber auch die Berufsfeuerwehr Worms freute sich über zahlreiche junge Gäste. Auf dem Zeltlagergelände ging es um sportliche Auseinandersetzungen, vor allem aber um Kameradschaft und regen Austausch.
Auch das Küchenteam sorgte mit leckerer Kost für gute Laune. Dabei kamen auch Vegetarier auf ihre Kosten. Abends wurde im Lagerkino der Animationsfilm „Goat“ gezeigt. Der ausrangierte Sprungretter, den die Brandschützer hochkant aufgestellt hatten, diente als überdimensionale Torwand. Eine weitere XXL-Attraktion, die sich als Fußball unter erschwerten Bedingungen herausstellte, brachte ebenfalls viel Spaß.
Das Training für die Leistungsspange fand im Pfaffenaustadion statt. Dabei ging es um Kugelstoßen, 1.500-Meter-Staffellauf, einen simulierten Löschangriff und viele Fachfragen, die es zu beantworten galt. Am nächsten Tag fand die Abnahme statt. Bei der Verabschiedung wurden die erfolgreichen Absolventen schließlich mit der Jugendflamme geehrt. Die jungen Leute konnten aber auch bei der Lagerolympiade Geschick und Sportsgeist beweisen. Da mussten Kisten gestapelt werden, es fanden Wurfspiele statt, und auch beim Sackweitwurf wurden die Besten gesucht. Die Feuerwehr Gorxheimer Tal und Absteinach testeten zudem beim „Heißen Draht“ die Fähigkeiten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die Lampertheimer Kameraden wurden für ihre Wasserspiele gefeiert. Auch beim Tauziehen wurden überschüssige Kalorien umgehend verbraucht.
Neben den standesgemäß mit Blaulicht ausgestatteten Bollerwagen fiel auch ein Quad als Löschmobil besonders ins Auge, das Lukas Roth aus Viernheim zur Verfügung gestellt hatte. Im Bedarfsfall kann der Anhänger mit 800 Liter Wasser betankt werden und dient als blitzschnelles „Einsatzfahrzeug“.
Mit einer festlichen Abschiedszeremonie am Samstagabend klang das Zeltlager in großer Runde aus. Dazu waren viele Verwandte und Freunde gekommen. Bevor die Heranwachsenden ein letztes Mal auf ihre Feldbetten oder Luftmatratzen krochen, freuten sich auch Lagerleitung, Helfer, Sponsoren, Ausbilder und Begleitpersonen auf einen letzten gemütlichen Abend. Ihm folgten am Sonntagmorgen der geordnete Abbau und die Abreise. Dann konnte auch die Lagerleitung ihren ebenfalls vom Wind zerstörten Pavillon einsammeln und entsorgen.
Bergsträßer Anzeiger, Dienstag, 07.07.2026