Feuerwehren: Vorbereitung für Landesfest läuft auf Hochtouren / Bilanz des vergangenen Jahres bei gemeinsamer Hauptversammlung
Bensheim/Zell. Statistiken bestehen aus nüchternen Zahlen. Was Stadtbrandinspektor Willi Plaschke bei der Jahreshauptversammlung aller Bensheimer Feuerwehren im Zeller Dorfgemeinschaftshaus sachlich auflistete, steht für professionelles und engagiertes Handeln der 350 Aktiven in den zehn Einsatzabteilungen.
Was verbirgt sich hinter der Summe von 4418 Stunden freiwillig und unentgeltlich im städtischen wie regionalen Katastrophenschutz geleisteten Dienst? Die Daten aus dem vergangenen Jahr weisen einen Anstieg der Einsätze aus. Die „Löschmeister“ wurden allein zu 105 Bränden gerufen. In der Statistik stechen zudem die Hilfeleistungen bei Hochwasser und Unwetter hervor.
Fast zwei Wochen lang hielt der Dauerregen im Frühjahr die Hilfskräfte in Atem. Sie leerten unter Wasser stehende Keller und setzten die Tauchpumpen bei einer überfluteten Baugrube ein.
Sie beseitigten umgestürzte Bäume aus der Lauter, kümmerten sich um abgerutschte Hänge und verhinderten mit einem Dammbau aus Sandsäcken, dass der Meerbach über die Ufer treten und große Schäden anrichten konnte.
Wie dramatisch die Situation am Rhein in Biblis aussah, schilderte anschließend Kreisbrandinspektor Wolfgang Müller. 60 000 Sandsäcke mussten in kürzester Zeit in Lampertheim gefüllt, zum Einsatzort transportiert und dort zum Schutz gegen einbrechendes Wasser aufgeschichtet werden.
Die Katastrophe verhindert
In Zusammenarbeit mit dem Technischen Hilfswerk waren über 1000 Feuerwehrleute im dauerhaften Einsatz. Eine enorme logistische Leistung aller Hilfskräfte, die die Katastrophe verhindern konnten. Das Szenario eines gebrochenen Deichs mochte Müller nicht ausmalen.
Das Spektrum der Hilfe war auch in 2013 wieder breitgefächert. Man unterstützte Rettungsmaßnahmen, auf der Autobahn wie auch im Stadtgebiet und darüber hinaus. Plaschke resümierte: „Dieser Abriss nur der markantesten Einsätze zeigt, dass die Existenz aller Feuerwehren, ihre Ausrüstung und die Unterhaltung ihrer Gebäude und Fahrzeuge in allen Fällen gerechtfertigt ist.“
Die Feuerwehrleute, die – statistisch gesehen – 1,5 Mal am Tag zur Hilfe gerufen wurden, sind nicht nur bei Alarmierungen zur Stelle. Sie halten ihre Gerätschaften, 40 Fahrzeuge und Gebäude in Schuss und trainieren in Lehrgängen und Seminaren den Ernstfall. Zusätzlich werden Brandsicherheitsdienste abgeleistet und Zeit in die Brandschutzerziehung investiert.
Mit dem Hessentag kommt auf die Hilfskräfte eine enorme logistische Herausforderung zu. Plaschke signalisierte, dass die Vorbereitungen bereits auf Hochtouren laufen. In zahlreichen Sitzungen haben Arbeitsgruppen die Aufgabenfelder der Feuerwehr bei dem Landesfest erarbeitet und Informationsveranstaltungen für die internen und externen Einsatzkräfte durchgeführt.
Einige wurden eigens für die Bedienung der neuen Funkzentrale ausgebildet. In einem Tagesseminar stellten sich die Wehrführer der Problematik. „Bensheim ist gut für den Hessentag aufgestellt“, erklärte auch Kreisbrandinspektor Müller.
Dass die Wehr in der Juli-Woche groß auffährt, weiß auch Thorsten Herrmann zu würdigen. Man schreibt die Sicherheit der Besucher groß, damit auch jeder beruhigt „ein Stück von Bensheim mitnehmen kann“.
Der Bürgermeister dankte für die „unbezahlte und unbezahlbare Arbeit“ der Blauröcke und verwies darauf, dass Politik gute Rahmenbedingungen zu schaffen hat. „Der Katastrophenschutz ist eine Pflichtleistung.“ Neue Löschfahrzeuge stellte er in 2014 für Langwaden und in 2017 für Hochstädten in Aussicht sowie die finanzielle Unterstützung bei der Erweiterung und dem Umbau der Unterkunft in Gronau.
Herrmann besuchte letztmals eine Jahreshauptversammlung der städtischen Feuerwehren im Amt als Verwaltungschef und Dezernent. Er hob die gute Zusammenarbeit mit den Abteilungen und Willi Plaschke im Besonderen hervor, der sich durch Geradlinigkeit und Verlässlichkeit ausgezeichnet habe.
Lob für die Jugendarbeit
Wolfgang Müller hob die gute Jugendarbeit hervor: „Sie braucht unsere Unterstützung.“ Stadtjugendfeuerwehrwart Michael Lortz zeichnete in seinem Jahresbericht einen nahtlosen Übergang von den Jugendlichen zur Einsatzabteilung nach. Den Weg schlugen in 2013 acht junge Männer und Frauen ein. Dass sich in der Nachwuchsförderung der zunehmende Schulstress auswirke, verhehlte er nicht.
Umso wichtiger sei es, einen Anreiz als Ausgleich für ihr Engagement zu schaffen. 2000 Stunden übten die Zöglinge die Feuerwehrtechnik, und in über 500 Stunden stand der Spaß am Spiel im Mittelpunkt. Hinzu kamen zahlreiche Aktionen auf Stadt-, Löschbezirks-, Kreis- oder Bundesebene. moni
© Bergsträßer Anzeiger, Montag, 17.03.2014