Flucht übers Treppenhaus nicht möglich
Bensheim. Stadtbrandinspektor Willi Plaschke, Kreisbrandmeister Volker Steiger und Bürgermeister Thorsten Herrmann schauten ganz genau hin. Und nicht nur diese drei Beobachter der Großübung der Freiwilligen Feuerwehr Bensheim-Mitte, sondern auch die zahlreichen Zaungäste ringsum – unter ihnen Feuerwehrdelegationen aus den Partnerstädten Riva und Klodzko – sahen ein gut eingespieltes Team, dessen Schlagkraft, Professionalität und Umsicht überzeugte.
Dabei war die Aufgabenstellung für die Feuerwehrleute und ihre Kameraden aus Lorsch alles andere als einfach. Schließlich handelte es sich um einen äußerst komplizierten Einsatz. „Es hat gut geklappt“, zeigte sich Steiger am Samstagmittag nach der gut halbstündigen Übung in der Innenstadt sehr zufrieden.
Drehleiter und 39 Mann
Und der Stadtbrandinspektor fügte hinzu: „Es ist reibungslos gelaufen.“ Die eine oder andere Kleinigkeit, die es nach Überzeugung des Kreisbrandmeisters nach zu verbessern gilt, hatte er sich in seinem Notizbüchlein notiert: „Die Bensheimer Feuerwehr ist top. Wenn mir aber gar nichts auffallen würde, worauf man im Ernstfall zu achten hat, wäre ich fehl am Platz“, so die Einschätzung von Steiger.
Kurz vor 15 Uhr heulten die Sirenen und die Feuerwehrleute rückten mit 15 Fahrzeugen, der großen Drehleiter und 39 Mann zum angenommenen Brandherd, einem mehrstöckigen, verwinkelt gebauten Wohn- und Geschäftshaus in der Bahnhofstraße aus. Dort war im C&A-Komplex – so lautete die Aufgabenstellung – nach einem technischen Defekt in einem Zählerschrank Feuer ausgebrochen, das den Bewohnern der Dachgeschosswohnungen den Fluchtweg über das Treppenhaus unmöglich machte.
Unterstützt wurde die Bensheimer Wehr bei der anspruchsvollen Großübung von einem Löschzug aus Lorsch, der mit einem 32 Meter hohen Teleskopmast Nachbarschaftshilfe leistete. Außerdem war die Bensheimer Ortsvereinigung des Roten Kreuzes mit drei Wagen und sechs Einsatzkräften vor Ort. Die DRK-Mitglieder versorgten die „Verletzten“ in ihrem Camp auf dem Marktplatz.
Einsatzleiter Hans Förg hatte mit Hilfe von Romed Klein die Übung an dem schwierigen Objekt präzise vorbereitet und gab seinen Kameraden genaue Kommandos und Anweisungen. Menschenrettung hat absoluten Vorrang, getreu diesem Motto, wurden fünf „eingeschlossene“ Bewohner mittels Drehleitern aus ihren Fenstern und von ihren Balkonen in der Hauptstraße und der Schlinkengasse gerettet und dem Roten Kreuz übergeben. „Alle verletzten Personen sind in Sicherheit“, hieß es nach einigen bangen Minuten.
Als die von außen gesteuerte Menschenrettung auf vollen Touren lief, war der Innenangriff zwecks Brandbekämpfung durch das verwinkelte Treppenhaus in Gange. 16 Atemschutzträger der Bensheimer Feuerwehr, dazu zwei weitere aus Lorsch, bahnten sich den Weg zum Brandherd. Die Wasserversorgung bereitete den freiwilligen Helfern keinerlei Probleme. Dafür sorgten die bereitgestellten Tanklöschfahrzeuge und Trockenleitungen in den einzelnen Etagen.
Modernste Brandschutztechnik
Stadtbrandinspektor Plaschke wusste ebenso um die komplizierte Aufgabenstellung wie die Einsatzkräfte. Plaschke gab am Rande der Großübung aber auch die Information weiter, dass das Wohn- und Geschäftshaus mit modernster Brandschutztechnik ausgestattet ist, die für eine höchstmögliche Sicherheit der Bewohner sorgt. So wurde das Treppenhaus rauchfrei und mit Spezialtüren gebaut, zwischen Fenstern und Balkonen befinden sich fest installierte Steigleitern, über die man im Notfall ins Freie gelangt.
Bürgermeister Herrmann hob die „hohe Einsatzbereitschaft“ der Freiwilligen Feuerwehr zum Schutz der Bürger und den guten Ausrüstungsstand hervor. Plaschke bestätigte die „sehr gute Zusammenarbeit“ mit der Stadt Bensheim. Diese tue alles in ihrer Macht stehende, um die Bensheimer Feuerwehr zu unterstützen, und damit die Bürgerschaft zu schützen. Zurzeit verfügt die Freiwillige Feuerwehr Bensheim über 67 Einsatzkräfte. gs
Bergsträßer Anzeiger
25. Oktober 2010