Großeinsätze – Im März kamen zwei Menschen auf einem Feld zwischen Bensheim und Schwanheim ums Leben / Im November wurde ein Blindgänger entschärft
BENSHEIM. Es war einer schlimmsten Einsätze in der jüngeren Vergangenheit für die Rettungskräfte aus Bensheim und Umgebung. An einem Samstag im März stürzte ein Ultraleichtflieger auf ein Feld zwischen Bensheim und Schwanheim. Der Pilot und seine 18 Jahre alte Passagierin hatten keine Chance – sie kamen bei dem Unglück ums Leben.
Nach der Ursache wird nach wie vor gesucht. Die Ermittlungen hat die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung übernommen, Ende Februar soll ein Gutachten Licht ins Dunkel bringen. Ausgeschlossen werden konnte nach einer Obduktion lediglich, dass die beiden Insassen, vor allem der Pilot, keine gesundheitlichen Probleme in der Luft bekommen hatten. Auch Spekulationen über eine mögliche Kohlenmonoxidvergiftung durch fehlgeleitete Abgase konnten dadurch entkräftet werden.
In Worms gestartet
Die Maschine war in Worms gestartet, kam aber ursprünglich aus der Schweiz. Dort lebte der 32 Jahre alte deutsche Pilot, der mit der Familie der getöteten 18 Jahre alten Passagierin befreundet war. Am 10. März brachen sie um 15 Uhr zu einem Rundflug auf. Gegen 15.40 Uhr stürzte der Flieger ab. Ein Großaufgebot an Rettungskräften war zügig vor Ort, konnte beiden aber nicht mehr helfen.
Ein weiterer Flugzeugabsturz in den Schweizer Alpen hatte ebenfalls Auswirkungen bis an die Bergstraße. Eine Ju 52 zerschellte auf 2500 Metern Höhe an einem Bergrücken, 20 Menschen kamen ums Leben. Der Oldtimer war noch im Vorjahr einer der Stars bei den Flugtagen der Bensheimer Segelfluggruppe. Weil sich das Unglück kurz vor den diesjährigen Flugtagen in Schwanheim ereignete, stand zunächst nicht fest, ob erneut eine Junkers der Schweizer Ju-Air an die Bergstraße kommen würde. Kurz vor der beliebten Veranstaltung im August hob die Flugsicherung in der Schweiz das Startverbot auf, die Maschine konnte unter großem öffentlichen Interesse zum Überführungsflug aufbrechen und auf den Stadtwiesen landen.
180 Rettungskräfte
Ausnahmezustand herrschte wenige Monate später im Stadtteil Schwanheim. Dort stießen Arbeiter beim Ausheben einer Baugrube in der Rathausstraße Ende November auf eine amerikanische Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg. Der Kampfmittelräumdienst rückte an. Für die Entschärfung des Blindgängers mussten 1000 Schwanheimer für mehrere Stunden ihre Wohnungen verlassen, 250 Häuser lagen innerhalb der Sperrzone.
Der Fund löste einen Großeinsatz aus, an dem sich 180 Rettungskräfte beteiligten. Wer für die Dauer der Evakuierung nicht anderweitig unterkam, konnte in der Weststadthalle Zuflucht finden. Pflegebedürftige oder gehandicapte Menschen wurden von der Feuerwehr und dem DRK in die Weststadthalle und ins Heilig-Geist-Hospital gebracht.
Die Entschärfung der 130-Kilo-Bombe dauerte letztlich 45 Minuten. Verantwortlich dafür zeichnete ein Drei-Mann-Team um René Bennert. Für den 41-jährigen erfahrenen Feuerwerker bot auch der Auftrag in Schwanheim eine Überraschung: Das explosive Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg entpuppte sich als amerikanische Splitterbombe, die seinen Angaben zufolge nicht allzu oft abgeworfen wurde.
Zünder war noch gesichert
Warum aus der tödlichen Fracht vor 73 Jahren ein Blindgänger wurde, konnte Bennert ebenfalls klären. Der vordere Zünder sei (zum Glück für die Menschen in Schwanheim) noch gesichert gewesen, was eine Detonation nach dem Aufprall verhinderte.
Die Arbeiten an der Bombe verliefen reibungslos, auch die Koordination der Rettungskräfte und die Räumung der Häuser bezeichnete der Bensheimer Bürgermeister Rolf Richter als vorbildlich.
Um die Mittagszeit gab das zuständige Regierungspräsidium Darmstadt Entwarnung, die Schwanheimer durften in ihre Häuser zurückkehren.