Großübung: Bensheimer Hilfsorganisationen arbeiten Hand in Hand / Anspruchsvolles Training mit 120 Köpfen an der Erlache
Zwei sind ertrunken, einer wurde verschüttet – das Kieswerk ist unberechenbar. Der See ist launig und an manchen Stellen bis zu 40 Meter tief. Dazu bläst ein steifer Wind über das Wasser, der die Sandkörnchen von den Kieshalden über die Haut peitschen lässt. Augen zu und durch, heißt es für den Normalmenschen. Für die Einsatzkräfte heißt es: Augen auf und klaren Kopf bewahren.
Partygäste weit verstreut
Das Szenario ist anspruchsvoll: Nach der Explosion eines Gasgrills auf der Landzunge mitten im See sind die acht Partygäste in alle Windrichtungen zerstreut. Verletzt und unter Schock flüchten sie ans Ufer, auf die Sandhalden und ins Wasser. Dazu kommt die Angst vor der Polizei: Das Kieswerk ist kein Grillplatz. Einige versuchen, ans andere Ufer zu schwimmen. Sie überschätzen sich, geraten in Panik, ertrinken.
„In solchen Extremsituationen agieren die Menschen häufig unvernünftig“, weiß Thomas Strößinger. Der stellvertretende Stadtbrandinspektor Bensheims beobachtet den Einsatz ganz genau. „Wir müssen das gesamte Gelände durchsuchen, um die drei vermissten Personen zu finden.“ Strößinger betont: ein realistisches Szenario. „Und eine wichtige Übung.“
Ihr Name lautet ganz nüchtern: „Bensheim 2015“. Ausgeheckt vom Runden Tisch der Bensheimer Hilfsorganisationen. „Es geht um Kooperation im Ernstfall. Wir wollten alle lokalen Akteure einbinden“, erläutert DLRG-Einsatzleiter Thomas Rech die Gemeinschaftsaktion, die auch als Katastrophenschutzübung angemeldet ist. Vom Kreis war Heribert Koob vom Amt für Brand- und Katastrophenschutz an der Erlache dabei. Die Feuerwehr Bensheim schickte über 40 Einsatzkräfte, acht Fahrzeuge und ein Boot. Neben der Wehr Bensheim-Mitte waren außerdem die Kameraden aus Fehlheim, Schwanheim und Langwaden im Einsatz.
Unübersichtliches Gelände
Die DLRG Bensheim war mit sechs Tauchern und einem Boot vor Ort. Dazu kommen THW-Einsatzleiter Sascha Stein und seine 15 Kollegen vom Technischen Hilfswerk, ein Team vom DRK Bensheim und von der Notfallseelsorge Bergstraße. Insgesamt waren 27 Fahrzeuge auf dem Gelände. Die Schnüffler der Rettungshundestaffel wurden im Boot an die Nordseite der Erlache übergesetzt, um dort nach den Vermissten zu suchen. Zwei Feuerwehrmänner paddelten langsam am Ufer entlang. Irgendwann kommt per Funk die Meldung: „Eine Person gefunden. Nicht ansprechbar.“ Weitere zwei können ebenfalls nur noch tot geborgen werden.
Bensheims neuer Stadtbrandinspektor Jens-Peter Karn sitzt am Rechner. Der Einsatzleitwagen ist ein Kommunikationsmodell. Mit zwei Computern, Messgeräten, Wärmebildkamera und Multifunktionsdrucker. „Sehr unübersichtlich“, kommentiert er die Topografie des Areals. Die Hilfsorganisationen bilden drei eng verzahnte Abschnitte: Zwei Tauchtrupps am Südufer und drei Boote zum Absuchen des Sees, die Brandbekämpfung am Grill und die Suche nach Vermissten auf dem Land. Eine Person war auf die Förderanlage geflüchtet. Thomas Philipp und Lars Wagenknecht vom DLRG-Ortsverband Bensheim beobachten den Einsatz vom Ufer aus. 13 Lebensretter sind im Einsatz. „Die Sicht unter Wasser ist sehr schlecht, reicht vielleicht einen Meter weit“, so Philipp gegenüber dem BA. Aufgewühlter Sand macht es den Tauchern schwer, Opfer zu finden.
Bei der Nachbesprechung direkt vor Ort wurde die Großübung analysiert. Was hat gut geklappt? Wo kann man noch etwas verbessern? Ein wichtiger Dialog der großen Bensheimer Hilfsorganisationen, an dem auch Bürgermeister Rolf Richter sowie die Stadträte Helmut Sachwitz und Adil Oyan teilgenommen haben.
Montag, 27.07.2015