Gemeinsame Hauptversammlung aller Bensheimer Brandschützer / Jahresbericht von Stadtbrandinspektor Karn
BENSHEIM.Die Zeiten, in denen die Feuerwehr ausschließlich dann gerufen wurde, wenn es galt einen Brand zu löschen, sind längst vorbei. Inzwischen sind die Feuerwehrmänner und -frauen Allrounder, helfen Mensch und Tier in allen nur erdenklichen Situationen aus der Patsche und leisten Erste Hilfe, wo immer es geht.
Welche Vielfalt an Hilferufen die Freiwilligen Feuerwehren im Stadtbereich im Vorjahr ereilte, führte Stadtbrandinspektor Jens-Peter Karn den Kameraden und Kameradinnen sowie Gästen auf der gemeinsamen Hauptversammlung aller Bensheimer Feuerwehren im Dorfgemeinschaftshaus Schwanheim in seinem Jahresbericht vor Augen.
Ein völlig erschöpftes Reh musste von der Gronauer Wehr aus einem Schwimmbecken befreit, ein anderes Kitz von den Auerbachern mit der Rettungsschere aus einem Metallzaun herausgeschnitten und eine Krähe von der Bensheimer Wehr aus einem Lichternetz am Bahnhof geholt und in Freiheit entlassen werden.
Hilfe für verzweifelte Eltern
Eine giftige Bananenspinne, die es sich in einem Einkaufsmarkt bequem gemacht hatte, wurde eingefangen und entsorgt, ein Hund aus einer Betonröhre in Langwaden gezogen und ein eingeklemmter Uhu aus einem Dachvorsprung geholt. Verzweifelten Eltern, deren Kleinkind in einem verriegelten Wagen gefangen saß, konnte ebenfalls geholfen werden.
Auch als eine Person drohte, aus dem Fenster eines Hotels zu stürzen, wurde die Feuerwehr von der Polizei zu Hilfe gerufen. Karn zählte eine ganze Reihe weiterer außergewöhnlicher Hilfeleistungen auf. Oftmals waren die Wehren sogar mehrmals am Tag zu den unterschiedlichsten Einsatzorten unterwegs, um beispielsweise eine Ölspur zu beseitigen, verletzte und in ihrem Pkw eingeschlossenen Personen nach Verkehrsunfällen zu befreien, brennende Fahrzeuge zu löschen oder die als gefährlich eingestufte Ladung eines beschädigten Kleintransporters unter Schutzanzügen umzuladen.
Dazu kamen im Berichtszeitraum etliche kleinere und größere Wald-, Flächen- und Gebäudebrände sowie Unwettereinsätze. Am 30. Mai war die Feuerwehr Bensheim quasi rund um die Uhr zu insgesamt zehn Unwettereinsätzen unterwegs, bei denen neben vollgelaufenen Kellern auch Verkehrshindernisse von den Straßen geräumt werden mussten.
Nur wenige Tage später, am 4. Juni, brachte das Gewittertief Frederike die Wehr auf Trab: An 16 Einsatzstellen im Stadtgebiet war sie zur Stelle. Allein in Schönberg und Zell gaben 58 Männer und Frauen ihr Bestes. Die höchste Alarmstufe wurde am 1. November beim Großbrand eines Fachgeschäftes in der Bensheimer Innenstadt ausgerufen. Binnen kürzester Zeit waren die Flammen auf das gesamte erste Obergeschoss übergegriffen. Durch schnelles Eingreifen mit 78 Einsatzkräften gelang es den Feuerwehren Auerbach, Bensheim und Zell, einen verheerenden Großbrand zu verhindern. Karn bedankte sich beim THW für die Abstützmaßnahmen am Gebäude und den Anwohnern für deren umsichtiges Verhalten.
Ein vermeintlicher Umwelteinsatz am Niederwaldsee im vorigen Dezember entpuppte sich hingegen als harmlos und es gab schnell Entwarnung: Die toten Fische auf der Wasseroberfläche stammten aus einer Fischlieferung des Angelvereins, eine tote Ente war von einem Jäger geschossen worden. Es gab also keinen Grund zur Panik.
Wie immens wichtig und unerlässlich für die Feuerwehr eine fundierte Aus- und Fortbildung ist, machte der Stadtbrandinspektor an der im Vergleich zu 2015 um knapp fünfzig Prozent gestiegenen Anzahl der Lehrgänge und Seminare (insgesamt 130) deutlich, die von Mitgliedern der Einsatzabteilungen besucht wurden.
Dass es nicht immer ganz einfach ist, die Verantwortlichen in Bund und Land von der Notwendigkeit einer Neuanschaffung zu überzeugen, zeigte das Kapitel „Schlauchwagen SW-KatS“. Im Oktober war es dann endlich soweit, die Übergabe fand statt und das 53 Jahre alte Vorgängerfahrzeug konnte ausgemustert werden.
Danke sagte Karn der Stadt Bensheim für deren Zusage, 180 000 Euro für dringend benötigte Schutzkleidung bereitzustellen. Auch die Wehren in Langwaden und Zell werden demnächst ihren Fuhrpark modernisieren können. Dass es nach wie vor Schwierigkeiten mit dem Digitalfunk gibt, verhehlte der Stadtbrandinspektor nicht. Hier nahm er das Land Hessen in die Verantwortung und versprach, „die Sache nach wir vor zäh zu verfolgen“.
Stadtjugendfeuerwehrwart Michael Lortz informierte die Versammlung über den Stand der Nachwuchsarbeit. Der Jugendfeuerwehr gehören 105 Mitglieder an, die Kindergruppen werden von 42 Mädchen und Jungen besucht. Lortz ging auf den professionellen Imagefilm zur Mitgliederwerbung ein, der hessenweit auf großes Interesse gestoßen war. Positives Fazit: Seit seinem Erscheinen haben sich 18 Jugendliche in den Jugendfeuerwehren angemeldet.
Ein großes Dankeschön richtete Bürgermeister Rolf Richter im Anschluss an alle Einsatzkräfte in Bensheim und zollte diesen für ihren ehrenamtlichen Einsatz zum Wohl der Bevölkerung größten Respekt.
323 AKTIVE, 408 EINSÄTZE
Den Freiwilligen Feuerwehren Auerbach, Bensheim, Fehlheim, Gronau, Hochstädten, Langwaden, Schönberg, Schwanheim, Wilmshausen und Zell gehören insgesamt 323 Aktive an.
Hinzu kommen 105 Mitglieder der Jugendfeuerwehren, 42 Kinder in fünf Nachwuchsgruppen und 99 Mitglieder in Alters- und Ehrenabteilungen.
Der Musikzug Auerbach umfasst 17 Musiker – macht 585 Feuerwehrmänner und -frauen.
Die Wehren im Stadtgebiet wurden 2016 zu 408 Einsätzen gerufen, bei denen 3735 Arbeitsstunden geleistet wurden. Das eigentliche Kerngeschäft der Feuerwehr – die Brandbekämpfung – lag im Berichtsjahr bei nur noch rund 15 Prozent.
Zur Ausrüstung der Wehren zählen Atemschutzgeräte, Chemikalienschutzanzüge, Langzeitatmer und 147 Funkgeräte. Im Stützpunkt und den Gerätehäusern der Stadtteilwehren stehen 40 Feuerwehrfahrzeuge. gs