Die Drehleiter der Bensheimer Feuerwehr ist ein klassisches Auslaufmodell – wobei ihre Zeit sogar bei genauer Betrachtung längst abgelaufen ist. Seit 1996 versieht das Fahrzeug seinen Dienst.

Bensheim. Die Drehleiter der Bensheimer Feuerwehr ist ein klassisches Auslaufmodell – wobei ihre Zeit sogar bei genauer Betrachtung längst abgelaufen ist. Seit 1996 versieht das Fahrzeug seinen Dienst, im Schnitt wird es 200 Mal im Jahr bei Einsatz benötigt. Allerdings bekommen die Brandbekämpfer schon seit einiger Zeit kaum noch Ersatzteile, wenn etwas kaputt geht. Und unterm Strich entspricht es nicht mehr den heutigen Anforderungen an eine moderne Feuerwehr.

Die Bensheimer Drehleiter hat mittlerweile mehr als 26 Jahre auf dem Buckel (hier ein Bild aus dem Mai). Weil das Fahrzeug nicht mehr den Anforderungen genügt und Ersatzteile kaum zu beschaffen sind, bekommt die Feuerwehr im nächsten Jahr eine neue Drehleiter. Kostenpunkt: 980 000 Euro.

Die Bensheimer Drehleiter hat mittlerweile mehr als 26 Jahre auf dem Buckel (hier ein Bild aus dem Mai). Weil das Fahrzeug nicht mehr den Anforderungen genügt und Ersatzteile kaum zu beschaffen sind, bekommt die Feuerwehr im nächsten Jahr eine neue Drehleiter. Kostenpunkt: 980 000 Euro. © THOMAS NEU

Für die Verantwortlichen kam das nicht überraschend. Schon im vergangenen Jahr hatten sie mitgeteilt, dass es einen Neuzugang für den Fuhrpark braucht. Im Haushalt wurden dafür 900 000 Euro reserviert, das Land sagte eine Förderung in Höhe von 186 000 Euro zu. Anfang dieses Jahres ging es in eine europaweite Ausschreibung, „die Angebote entsprechen unseren Vorstellungen“, erläuterte die Verwaltung in einem Schreiben an die Stadtverordneten.

Allerdings wird die Stadt tiefer in die Tasche greifen müssen. Der Drehleiterkauf wird nach aktuellem Stand 80 000 Euro mehr kosten als geplant. Die Gründe verwundern nicht: Allgemein steigende Preisentwicklung und Materialknappheit. Als man im vergangenen Jahr das Investitionsvolumen kalkulierte, „konnte nicht mit derart exorbitant steigenden Preisen gerechnet werden“, hieß es aus dem Rathaus.

16 Tonnen, 299 PS

Im Haupt- und Finanzausschuss am Montag gab es keinerlei Diskussionen wegen der Mehrausgaben. Einstimmig befürwortete das Gremium den finanziellen Nachschlag. Eine Weigerung hätte wenig Sinn ergeben, ganz davon abgesehen, dass die Sicherstellung der Einsatzbereitschaft der Feuerwehr kommunalpolitisch ohnehin eine hohe Priorität genießt.

Selbst wenn dies nicht so wäre, hätte es keine vernünftige Alternative gegeben. Die Bensheimer Feuerwehr braucht gemäß der bauordnungs- und brandschutzrechtlichen Vorgaben eine Drehleiter, um bei Wohngebäuden mit Brüstungshöhe ab acht Metern einen zweiten Rettungsweg sicherstellen zu können. Im Stadtgebiet gibt es laut Feuerwehr hunderte solcher Häuser.

Die Reparaturanfälligkeit des aktuellen Modells führte unter anderem vor zwei Jahren dazu, dass für einen Werkstattaufenthalt über mehrere Wochen ein Leihfahrzeug beschafft werden musste. Der 16 Tonen schwere Nachfolger mit einem 299-PS-Motor soll nun, sollte nichts dazwischenkommen, 2023 ausgeliefert werden. Mit einer Rettungshöhe von 23 Metern, errechnet bei einem Abstand des Fahrzeugs zum Gebäude von zwölf Metern, wird die Drehleiter mit Rettungskorb für die Bensheimer Belange ausgelegt sein.

Nach der Zustimmung des Fachgremiums muss am 6. Oktober noch die Stadtverordnetenversammlung ihre Zustimmung erteilen, was mit hoher Wahrscheinlichkeit eine reine Formsache ist.