Brand – Übergreifen der Flammen auf den Dachstuhl konnte gerade noch verhindert werden

BENSHEIM. Das war knapp: „Viel später hätten wir nicht kommen dürfen, dann wäre das Feuer auf den Dachstuhl übergesprungen und es hätte böse ausgehen können“, fasste Stadtbrandinspektor Jens-Peter Karn den gestrigen Einsatz der Feuerwehr am Bensheimer Griesel zusammen.

Um 12.32 Uhr waren die Brandschützer alarmiert worden und rückten mit mehreren Fahrzeugen und 22 Einsatzkräften zur ehemaligen Backstube Rauen an der Ecke Friedhofstraße/Grieselstraße aus. Im Innenhof des Gebäudes waren nach Auskunft von Karn Bäckerkisten aus Kunststoff in Brand geraten, die Feuerwehrleute mussten die Tür zum Hof aufbrechen, um an den Brandherd zu gelangen. „Das Feuer war schlecht zu erreichen und hat herzhaft gebrannt“, schilderte Karn die vorgefundene Situation.

Im Zuge des Einsatzes im dicht bebauten Stadtviertel wurde die Alarmstufe erhöht und die Feuerwehr Zell zusätzlich alarmiert, die mit zwölf Kameraden ausrückte. Durch das schnelle Eingreifen der Wehren konnte ein Übergreifen der Flammen auf das obere Geschoss verhindert werden.

Der Dachstuhl wurde teilweise geöffnet, mit der Brandnachschau waren die Einsatzkräfte bis ca. 14 Uhr beschäftigt.

Die Friedhof- und Grieselstraße wurden während des Einsatzes durch die Polizei komplett gesperrt. Der Verkehr wurde über die Konrad-Adenauer-Straße umgeleitet. ank

 

© Bergsträßer Anzeiger, Dienstag, 06.07.2021

Bensheim. Bei einem Brand in einem Wohnhaus in der Otto-Beck-Straße in Auerbach ist ein 34 Jahre alter Mann schwer verletzt worden. Ein Nachbar hatte am Montagabend gegen 22 Uhr bemerkt, dass im Obergeschoss des zweistöckigen Gebäudes ein Feuer ausgebrochen war und alarmierte Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei.

In dem sanierten Altbau ist eine Wohneinrichtung der Nieder-Ramstädter Diakonie (NRD) untergebracht. Acht Menschen mit geistiger Behinderung und einem unterschiedlichen Unterstützungsbedarf leben dort gemeinsam mit einem Betreuer in zwei Wohngemeinschaften.

Einer der Bewohner geriet offenbar in Panik und sprang nach Zeugenaussagen noch vor dem Eintreffen erster Rettungskräfte aus dem Fenster. Er zog sich schwere, aber keine lebensbedrohlichen Verletzungen zu. Mit einem Rettungshubschrauber wurde er in die Klinik nach Darmstadt geflogen, wo er auf der Intensivstation behandelt wird.

Alle anderen blieben unverletzt

Die übrigen sieben Bewohner sowie der Betreuer blieben unverletzt. Beamte einer zuerst am Einsatzort eingetroffenen Streife der Polizeistation Bensheim trugen eine Frau aus dem Haus, alle anderen konnten sich selbstständig in Sicherheit bringen.

„Es war eine dramatische Situation“, berichtet Stadtbrandinspektor Jens-Peter Karn über die Lage beim Eintreffen der Rettungskräfte. Er sprach von einer „Verzweiflungstat“ des 34-jährigen Mannes, der vermutlich in einem Zimmer geschlafen hatte, das an den Raum angrenzte, in dem das Feuer ausgebrochen war. „Er hat wohl Glück gehabt“, so Karn über den Sturz des Mannes aus mehreren Metern Höhe.

Die eingesetzten Feuerwehren aus Bensheim, Auerbach und Hochstädten konnten den Brand unter Kontrolle bringen und schließlich löschen. Ein Übergreifen der Flammen auf den Dachstuhl des Hauses wurde dabei verhindert. Insgesamt waren 68 Feuerwehrleute mit 14 Fahrzeugen vor Ort. Im Dachgeschoss entstand in dem betroffenen Zimmer sowie in sechs weiteren Räumen erheblicher Sachschaden. Nach ersten Schätzungen dürfte die Schadenssumme im niedrigen sechsstelligen Bereich liegen, heißt es in einer Mitteilung des Polizeipräsidiums Südhessen.

„Wir sind alle sehr bestürzt, die Nachricht hat uns sehr getroffen“, berichtet Joachim Albus, Referent für Kommunikation bei der NRD mit Sitz in Mühltal im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Reaktion des Betreuers vor Ort sei vorbildlich gewesen, er habe es geschafft, alle übrigen Bewohner aus ihren Zimmern zu holen, so dass es keine weiteren Verletzten gab.

Für die Männer und Frauen musste am Montagabend kurzfristig eine Bleibe gefunden werden. Hier ist die NRD der Behindertenhilfe Bergstraße dankbar, die alle Betroffenen für die Nacht in einer ihrer Einrichtungen unterbringen konnte. „Den Bewohnern geht es gut, alle sind wohlauf“, erklärt Joachim Albus am Tag nach dem Brand.

Zwei Vorstände der NRD machten sich gemeinsam mit dem Bergsträßer Landrat Christian Engelhardt am Dienstagvormittag vor Ort ein Bild der Lage. Das Haus ist vorerst nicht bewohnbar, so dass es für die NRD nun vorrangig darum geht, die Betroffenen in den nächsten Wochen gut unterbringen zu können. Einige können vorübergehend bei ihren Eltern unterkommen.

Neben den Feuerwehren waren am Montagabend noch der Messtrupp und der Brandschutzaufsichtsdienst des Landkreises Bergstraße, der leitende Notarzt, drei Notärzte, sechs Rettungswagen, der Sanitätszug der schnellen Eingreifgruppe und ein Kriseninterventionsteam im Einsatz.

Die Zusammenarbeit vor Ort und die Abläufe hätten sehr gut funktioniert, bestätigten Feuerwehr und NRD. Nach rund vier Stunden war der Einsatz beendet.

Brandursache noch ungeklärt

Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Derzeit könne noch keine Aussage zur Brandursache getroffen werden, so die Polizei. Sobald der Brandort gefahrlos begangen werden kann, werden Spezialisten der Kriminalpolizei die Ermittlungen am Brandort fortführen.

Die Nieder-Ramstädter Diakonie ist ein diakonischer Träger der Behinderten-, Jugend- und Altenhilfe an mehr als 50 Standorten in Südhessen und Rheinhessen. In Bensheim gibt es neben der Einrichtung in der Otto-Beck-Straße einen weiteren Standort in der Volkerstraße. Ihren Sitz hat die NRD im Mühltaler Ortsteil Nieder-Ramstadt.

 

© Bild: Strieder (Gegen 22 Uhr wurden die Einsatzkräfte am Montagabend zu einem Brand in einem Wohnhaus in der Otto-Beck-Straße in Auerbach gerufen.)

Originalbericht: https://www.bergstraesser-anzeiger.de/orte/bensheim_artikel,-bensheim-dramatischer-grosseinsatz-in-auerbach-_arid,1864485.html