Jahreshauptversammlung – Wehrführer Hans Förg zieht Bilanz eines arbeitsreichen Jahres / Beim Bombenfund in Schwanheim 120 Helfer in kürzester Zeit aktiviert

BENSHEIM. Sie kommen, wenn ein Altkleider-Container brennt, wenn ein Rohrbruch die Wohnung unter Wasser setzt und wenn ein Wespennest für Bewohner zu gefährlich wird. Für diesen Fall sind die Einsatzkräfte sogar mit einem Wespenberuhigungsspray ausgestattet, für das im vergangenen Jahr 338 Euro im Haushaltsplan standen.

Neben diesen „kleineren“ Einsätzen gibt es die großen Ernstfälle – wie ein Großbrand in Grasellenbach, der Flugzeugabsturz im März, Verkehrsunfälle sowie die Sicherungs- und Evakuierungsmaßnahmen beim Bombenfund in Schwanheim.

Die Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Bensheim-Mitte wurde im vergangenen Jahr zu 320 Einsätzen gerufen, das waren 22 Einsätze mehr als im Vorjahr. Insgesamt wurden in Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst 93 Personen gerettet, davon 27 Personen, die aktiv durch die Einsatzkräfte aus Zwangs- und Notlagen befreit wurden.

Das gelingt nicht immer, denn sieben Personen konnten nur noch tot geborgen werden. „Das bleibt nicht in den Kleidern stecken“, weiß auch Bürgermeister Rolf Richter, der die Jahreshauptversammlung der Stützpunktfeuerwehr am Freitagabend dazu nutzte, Lob und Dank der Stadt für die Arbeit der Brandschützer auszusprechen.

Perfekter Gastgeber

Aber die Bensheimer Wehr ist nicht nur bei Notfällen im Einsatz. Sie leistet weitaus mehr für die Bürger der Stadt. Sie ist ein perfekter Gastgeber, sei es beim alljährlichen Tag der offenen Tür oder beim Neujahrsempfang, wie erstmals in diesem Jahr. Die Wehr stärkt durch ihre Verbindungen die Städtepartnerschaften mit Hostinné, Riva del Garda, Beaune oder Mohács.

Zählt man alle Stunden zusammen, die im vergangenen Jahr von den 130 Aktiven der Wehr – vom Zehnjährigen in der Jugendwehr bis zum Altgedienten in der Alters- und Ehrenabteilung – geleistet wurden, kommt man auf eine „eindrucksvolle Zahl“ von 13 555 Stunden, wie Stadtbrandinspektor Jens-Peter Karn bilanzierte. Wie viel das ist, machte der Bürgermeister mit dem Hinweis deutlich, dass ein Jahr „nur“ 8760 Stunden habe.

Berücksichtigt man, dass sich jeder Aktive der Stützpunktwehr im vergangenen Jahr durchschnittlich 104 Stunden ehrenamtlich engagiert hat, erscheinen die 263 passiven Mitglieder, die mit einem Jahresbeitrag von 24 Euro die Arbeit der Feuerwehr unterstützen, geradezu lächerlich gering. Das sind gerade mal 0,6 Prozent der Bevölkerung und etwa 1,5 Prozent der geschätzten 17 500 Haushalte.

Schaut man sich die Liste der Einsatzstunden genauer an, fällt auf, dass die meiste Zeit mit 4230 Stunden für die Übungen der 28 Jugendlichen der Nachwuchswehr aufgebracht wurde. Die Übungen der Einsatzabteilung summierten sich auf 3150 Stunden, zählt man die 3227 Einsatzstunden dazu, ergibt das insgesamt 6377 Stunden oder knapp 80 Stunden pro Einsatzkraft.

79 Fehlalarme und Bombenfund

Wie schon seit Jahren machen 181 Hilfeleistungen mehr als die Hälfte der 320 Einsätze aus. Bemerkenswert sind auch 79 Fehlalarme, die über der Zahl von 60 Brandeinsätzen liegt.

Wehrführer Hans Förg, der 2018 für weitere fünf Jahre im Amt bestätigt worden war, zog die Jahreshauptversammlung im Stützpunkt an der Robert-Bosch-Straße zügig und mit etwas verändertem Ablauf durch. Die jeweiligen Berichte wurden mit interessanten und amüsanten Bildern ergänzt. Man verzichtete erstmals auf das langwierige Verlesen des Protokolls vom vergangenen Jahr. Schon am Freitag wurde von Schriftführer Alexander Merk nur eine kurze Zusammenfassung verlesen und auf die Möglichkeit der Einsichtnahme der Niederschrift verwiesen. Die damit verbundene Änderung der Satzung wurde von der Jahreshauptversammlung am Freitag mehrheitlich beschlossen.

Karn berichtete in seiner gewohnt lockeren Art nochmals über den Bombenfund in Schwanheim. Davon hatte er am 26. November beim Mittagessen erstmals Kenntnis bekommen. Weil er wusste, „das kann länger dauern“, hatte er sich bei der Stärkung Zeit gelassen, doch zur ersten Einsatzsitzung war er um 14 Uhr im Rathaus. Innerhalb kürzester Zeit waren rund 120 Feuerwehr-Einsatzkräfte aktiviert. Zusammen mit den anderen Helfern waren insgesamt 170 Personen beschäftigt. Bereits 24 Stunden später, am nächsten Tag um 14.32 Uhr, sah die Fahrzeughalle der Stützpunktwehr wieder so aus, als wäre nichts gewesen. Das habe super geklappt und war „ein ganz tolles Ding“, sagte Karn allen Beteiligten Dank und Respekt. Dem schloss sich auch Stadtverordnetenvorsteherin Christine Deppert für die örtliche Kommunalpolitik an.

Bürgermeister Richter bekräftigte die Wertschätzung für das ehrenamtliche Engagement, das sich in der Anwesenheit der kommunalpolitischen Vertreter, aber auch in der Unterstützung der Wehr durch die Stadt zeige. So werden in diesem Jahr 95 000 Euro in Atemschutzgeräte und 580 000 Euro in ein neues Löschfahrzeug investiert.

© Bergsträßer Anzeiger, Dienstag, 22.01.2019

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