BOMBENFUND IN SCHWANHEIM – SPRENGKÖRPER WIRD HEUTE ENTSCHÄRFT

SCHWANHEIM. Die Straßen wie leer gefegt, die Häuser verlassen: Der Bensheimer Stadtteil Schwanheim wird heute Vormittag einem Geisterdorf gleichen. Ein Großteil der insgesamt 1275 Einwohner muss evakuiert werden, nachdem gestern bei Tiefbauarbeiten in der Rathausstraße eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt wurde.

Die 83 Zentimeter lange und 20 Zentimeter breite amerikanische Bombe dürfte nach ersten Schätzungen 130 Kilogramm schwer sein und hat zwei mechanische Zündsysteme, informierten Stadt Bensheim und das Polizeipräsidium Südhessen gestern Abend in einer gemeinsamen Presseerklärung.

Keine akute Gefahr

Obwohl von der Bombe keine akute Gefahr ausgehe, hat der Kampfmittelräumdienst (KMRD) vorsichtshalber einen Schutzwall errichtet. Der Bereich rund um den Fundort ist von der Polizei abgesperrt. Der Blindgänger wird heute Vormittag gegen 11 Uhr kontrolliert entschärft. Der Einsatz wird voraussichtlich – wenn alles glatt läuft – etwa zwei Stunden dauern.

Es war gestern Vormittag, als bei Baggerarbeiten für den Bau eines neuen Hauses an der Rathausstraße der Sprengkörper in der Erde auftauchte – letztlich ein Zufallsfund. Im Vorfeld der Bauarbeiten hatten
die Grundstücksbesitzer die Expertise des Regierungspräsidium Darmstadt (RP) eingeholt. Dieses wiederum schätzte nach Auswertung von speziellen Kriegsluftbildern der Alliierten das Risiko einer im Boden schlummernden Bombe als gering ein und gab grünes Licht für die Arbeiten.

Sicherheitsradius von 300 Metern

Die Experten des KMRD rückten gestern umgehend in Schwanheim an und nahmen den Sprengkörper unter die Lupe. Nach einer von Bürgermeister Rolf Richter geleiteten Einsatzbesprechung mit 20 Vertretern von RP, Kreis Bergstraße, Polizeistation Bensheim und Polizeidirektion Heppenheim, Feuerwehr und DRK stand die Entscheidung fest: Die Bombe kann nicht abtransportiert, sondern muss
vor Ort entschärft werden.

Dafür ist wie in solchen Fällen üblich eine Evakuierung im Umkreis von 300 Metern um die Fundstelle notwendig. „Eine reine Sicherheitsmaßnahme“, wie die Stadtverwaltung betont.

Gleichzeitig ist eine solche Situation auch für die Stadt Bensheim neu. Eine Räumung in diesem Ausmaß hat es in der jüngeren Geschichte der Stadt noch nicht gegeben, heißt es aus dem Rathaus. Im betroffenen Gebiet stehen rund 250 Häuser, in denen etwa 1000 Menschen leben.

Der Sicherheitsradius umfasst den kompletten nordwestlichen Bereich Schwanheims ab einer Linie auf Höhe der Straße Am Falltor, deren Bewohner ebenfalls ihre Häuser verlassen müssen. Auch der Kindergarten muss ausgelagert werden. Die Kinder werden im Dorfgemeinschaftshaus in Fehlheim betreut.

Weststadthalle als Anlaufstelle

Die Evakuierung beginnt heute um 7.30 Uhr, bis 8 Uhr soll sich niemand mehr in den Häusern befinden. Überprüft wird das vor Ort von Feuerwehr und Polizei. Anwohner werden bereits im Vorfeld durch Flugblätter sowie das Warnsystem „Katwarn“ informiert.

Darüber hinaus wird die Polizei zusätzlich mit Lautsprecherdurchsagen am Dienstagfrüh auf die Räumung aufmerksam machen. Wer nicht sowieso zur Arbeit muss oder bei Freunden oder Verwandten
unterkommen kann, für den dient die Weststadthalle am Berliner Ring in Bensheim als Anlaufstelle. Shuttle-Busse stehen am Feuerwehrgerätehaus in Schwanheim bereit.

Die betroffenen Straßen werden ab 8 Uhr gesperrt und nicht mehr zu befahren sein. Rund um den gesperrten Bereich wird es laut Polizei voraussichtlich zu Verkehrsbehinderungen kommen. Ortskundige
werden gebeten, Schwanheim weiträumig zu umfahren.

Da in Rodau derzeit die Ortsdurchfahrt unter Vollsperrung saniert wird, muss der Verkehr über Ausweichstrecken umgeleitet werden, die eigentlich nur dem Busverkehr vorbehalten sind. Die Polizei ist vor Ort und regelt den Verkehr.

Während die Bombe entschärft wird, kann es zweimal zu einem lauteren Knall kommen, informiert Pressesprecher Matthias Schaider von der Stadt Bensheim. Grund zur Beunruhigung bestehe deshalb nicht. Haustiere wie Hunde oder Katzen dürfen mit in die Weststadthalle gebracht werden. Größere Nutztiere wie Pferde oder Kühe bleiben in ihren Ställen, da keine konkrete Gefahr bestehe.

Am Stützpunkt der Bensheimer Feuerwehr in der Robert-Bosch-Straße werden beim heutigen Großeinsatz alle Fäden zusammenlaufen.

Autor: Barbara Cimander (cim)

© Bild: Neu – In der Rathausstraße in Schwanheim wurde gestern bei Baggerarbeiten eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden.

Originalbericht: https://www.morgenweb.de/startseite_artikel,-bensheim-1000-menschen-muessen-haeuserverlassen-_arid,1359020.html