AKTION – BENSHEIMER JUGENDWEHREN SAMMELTEN DIE AUSGEDIENTEN
WEIHNACHTSBÄUME EIN

BENSHEIM. In der Regel sind die Einsätze der Feuerwehr eher spontane Kommandos. Ein Termin, mit dem die Mannschaft rechnen kann, ist der erste Samstag nach dem Dreikönigstag. Dann rücken die Bensheimer Jugendwehren gezielt aus, um die ausgedienten Weihnachtsbäume einzusammeln. Die Aktion ist fester Bestandteil des Dienstplans. Auch diesmal wurden wieder rund 11 000 Tannen und Weihnachtskränze abgeholt und professionell entsorgt. Mit insgesamt 30 Fahrzeugen und 170 Helfern – darunter 70 Jugendliche – gehört die Sammlung zu den Großeinsätzen im Stadtgebiet. Ein Riesenaufwand, personell wie organisatorisch. Alle Stadtteile wurden abgefahren, bis zum späten Nachmittag war die weihnachtliche Pracht aufgeladen und zum Erlenhof im Bensheimer Westen gekarrt. Dort hat Familie Hörr aus den Bäumen in sekundenschnelle Kleinholz gemacht. Ohne Kosten für die Sammler. „Sonst wäre die Aktion nicht durchführbar“, sagt Jugendwart Steffen Elgner von der Truppe Bensheim-Mitte.

Von den elf Fahrzeugen, die am Samstag in der Kernstadt unterwegs waren, gehörten nur drei der Feuerwehr. Die anderen stammen von regionalen Unternehmen und den örtlichen Hilfsorganisationen THW und DRK. „Viele Betriebe schicken Lkws, die Fahrer opfern ihren freien Samstag“, so Elgner über das freiwillige Engagement der Partner, ohne die das Projekt keine Chance hätte. Mit dabei waren neben dem Zweckverband KMB die Firmen Gölz, Elektro Klein, Weiser, Götz und Wilmes. „Wir danken allen, die geholfen haben“, so auch Stadtrat Oliver Roeder im Namen des Bensheimer Magistrats. An der Robert-Bosch-Straße, unweit des Feuerwehrstützpunkts, wurden die Tannen durch den Häcksler gejagt. Aus den Weihnachtspflanzen wurde Brennholz für das neue Jahr. Geschätzte 100 Kubikmeter kamen zusammen, wenn man von rund 17 500 Haushalten ausgeht und unterstellt, dass jeder zweite einen Baum vor die Tür stellt. Allein in der City waren rund 50 Personen im Einsatz. Nach einem kräftigen Frühstück in der Unterkunft streunten die Teams in 15 genau definierte Bezirke aus. Nach dem Abladen ging es wieder auf Tour. Alles funktionierte Hand in Hand. Nachzügler wurden später abgeholt. In Mitte rücken sie sogar heute noch einmal aus, um die letzten Bäume abzuholen. Die meisten Tannen wurden in Bensheim-Mitte und in Auerbach gesichtet. In den kleineren Stadtteilen dauerte es länger, weil die Helfer erst mit komplett gefüllter Ladefläche Richtung Sammelstelle fuhren. Mancherorts, etwa in Schwanheim, wurden die Bäume auch vor Ort verbannt.

Süßigkeiten in den Ästen
Wer den kostenlosen Service zu schätzen wusste, steckte den Helferneine Spende zu – oder schmückte den Baum mit ein paar Süßigkeiten für den Feuerwehrnachwuchs. Dass ein Geldbriefchen am Baum nicht die optimale Lösung ist, den Helfern seine Anerkennung auszudrücken, bestätigte sich am Morgen in der Innenstadt. An einem Stamm baumelte ein leeres Couvert. „Lieber das Geld überweisen“, rät Steffen Elgner. Dann kommt es definitiv an der richtigen Stelle an. Seit 1987 findet die Aktion – mit kleinen Unterbrechungen – statt. Diejenigen, die bei der Sammlung dabei waren, berichten unter anderem, dass die Weihnachtsbäume der Bensheimer tendenziell etwa höher geworden sind. In einigen wenigen Fällen mussten die Tännchen mit der Kettensäge zerkleinert werden, damit sie auf das Fahrzeug passen.

Die Aktion hat auch eine Menge Kraft gekostet. Gegen halb zwölf servierte die Wehr ein zweites Frühstück in der Unterkunft. Am Abend wartete ein gemeinsames Essen. Auch in der Küche ging es seit den Morgenstunden hoch her. Die Sammelaktion ist neben der feuerwehrtechnischen Ausbildung und der allgemeinen Jugendarbeit ein Dienst am Gemeinwohl – und ein Beitrag für den Umweltschutz, da die Bäume professionell entsorgt und wiederverwertet werden. Ein Recycling, das allen zu Gute kommt. Das geschredderte Holz wird unter anderem als Brennstoff genutzt. Die Spendeneinnahmen fließen in die Jugendarbeit der Feuerwehr. Mit dem Geld werden Zeltlager, Freizeiten und technische Anschaffungen finanziert. Vielen Bensheimern war der Job fünf oder zehn Euro wert. Manche gaben mehr, zu viele überhaupt nichts. tr