Jahreshauptversammlung: Feuerwehr Bensheim-Mitte legte Einsatzstatistik vor.

BENSHEIM. Verfolgt man die Statistik der Freiwilligen Feuerwehr Bensheim-Mitte, so ist die Zahl der Einsätze seit 1990 permanent angestiegen. Zwar gab es in den vergangenen 25 Jahren durchaus Schwankungen – zwischen 160 Einsätzen 1990 und der bisher höchsten Zahl von 334 in den Jahren 2012 und 2013 – aber die Tendenz zeigt nach oben. Im vergangenen Jahr blieb die Wehr wieder einmal unter der 300er Grenze, aber insgesamt leisteten die Aktiven im vergangenen Jahr sensationelle 17 600 Dienststunden, obwohl es fast 40 Einsätze weniger waren als im Vorjahr. Hier äußerte Wehrführer und Vorsitzender Hans Förg die Hoffnung, dass sich diese Zahl nicht weiter erhöht.
Bürgermeister Rolf Richter nahm den bei der Jahreshauptversammlung am Freitag vorgelegten Leistungsbericht zum Anlass, das ehrenamtliche Engagement der Brandschützer anhand der Zahlen zu verdeutlichen.
Insgesamt 290 Einsätze im Jahr bedeutet, pro Woche 5,5 mal auszurücken – egal, ob tatsächlicher Hilfebedarf oder Fehlalarm, was immerhin bei gut einem Drittel der Einsätze der Fall war. In der Reduzierung dieser Fehlmeldungen sehen sowohl Stadt als auch Feuerwehr eine wichtige Aufgabe.

Seit Jahren zeichnet sich bei den Feuerwehren ab, dass der Einsatzschwerpunkt zunehmend bei den Hilfeleistungen liegt. Aber auch diese Entwicklung war bei der Bensheimer Stützpunktwehr in den vergangenen 25 Jahren sehr wechselhaft. Mehr Brände als Hilfsleistungen gab es in den Jahren 1992, 1996 bis 1999 und 2003 bis 2005. Die meisten Brandeinsätze gab es in den Jahren 2003 und 2004 (jeweils 152), das Minimum waren 2014 die 36 Brandeinsätze. 2007 waren die beiden Einsatzarten noch fast deckungsgleich, aber seitdem öffnete sich die Schere kontinuierlich und kam erst nach der größten Differenz im Jahr 2014 (203 Hilfeleistungen, 36 Brandeinsätze) im vergangenen Jahr wieder etwas zusammen (137 Hilfeleistungen, 61 Brände).

Durchschnitt: ein Brand pro Woche

Bei durchschnittlich mindestens einem Brand pro Woche ist die Freiwillige Feuerwehr Bensheim-Mitte auch hier mehr gefordert, als die Wehren in den Stadtteilen. Die Brandeinsätze beinhalten sowohl gelöschtes Feuer (26) als auch die verschiedenen Brände vom Kleinbrand (27) über Mittelbrand (5) bis zum Großbrand (3). Auch nachbarschaftliche Löschhilfe in Lorsch oder Zwingenberg gehört dazu. Neben diesen unmittelbaren Hilfseinsätzen investieren die Ehrenamtlichen auch viel Zeit in die Leistungsfähigkeit (3648 Übungsstunden), in die Weiterbildung (1454 Stunden in 34 Lehrgängen), in die Brandsicherheit bei öffentlichen Sport-, Kultur- und Festveranstaltungen (837 Stunden), in die Prävention (180 Stunden Branderziehung) und in die Vereinsarbeit wie Tag der offenen Tür oder Zeltlager (2698 Stunden). Hinzugekommen waren im vergangenen Jahr außerdem 650 Stunden für die Streckensicherung beim Radrennen. Unterstützt worden war außerdem die besonders geforderte Feuerwehr Einhausen.
Allein ein Drittel des geleisteten Zeitaufwandes entfiel im vergangenen Jahr auf die Jugendarbeit (5687 Stunden), die sich immerhin jede Woche zu Übungen und Unterrichtsabenden trifft. Und das mit Erfolg: Am Freitag konnten mit Michelle Bormuth und David Koziolek zwei Nachwuchskräfte von der Jugendwehr in die Einsatzabteilung übernommen werden. Vollzogen wurde das durch das Anheften der Jugendfeuerwehrnadel durch Jugendwart Steffen Elgner und durch den Handschlag von Wehrführer Hans Förg.
Mit der Übernahme wurde der Weggang von Willi Plaschke und Josef Weiler, die in die Alters- und Ehrenabteilung wechselten, wieder ausgeglichen. Beiden dankten Förg für ihren beispielhaften Einsatz und ihr Engagement in der Wehr mit lobenden Worten und der speziellen Uhr der Feuerwehr.
Josef Weiler bezeichnete der Wehrführer als „kanadischen Trapper, ruhigen Pol und grandiosen Geschichtenerzähler“ und den früheren Stadtbrandinspektor Willi Plaschke nannte er einen „Feuerwehrmann par exzellence, immer im Dienst, manchmal unbequem, aber immer geradlinig und ehrlich“. js

Volles Haus im Feuerwehr-Stützpunkt

Wenn die Freiwillige Feuerwehr Bensheim-Mitte zur Jahreshauptversammlung einlädt, dann ist der Versammlungsraum im Stützpunkt an der Robert-Bosch-Straße in aller Regel voll besetzt. Nicht nur die über 100 Aktiven der Einsatzabteilung, der Jugendwehr und der Alters- und Ehrenabteilung sind größtenteils präsent, auch für die Politik ist der Besuch nicht nur Pflicht.
Alle Besucher erhielten anhand der jeweiligen Rechenschaftsberichte vom vergangenen Jahr ein Bild einer engagierten, motivierten und leistungsfähigen Organisation.
Leider wird das den Bürgern erst so wirklich bewusst, wenn ihnen die 24-Stunden-Einsatzbereitschaft der Feuerwehr selbst einmal geholfen hat. Da freut es Bensheims Wehrführer Förg dann ganz besonders, wenn ihm ein Bürger schreibt, dass er den Einsatz der Feuerwehr „grandios“ findet und dieses Engagement ab sofort als passives Mitglied unterstützen will.

Insgesamt 254 fördernde Mitglieder hat die Freiwillige Feuerwehr Bensheim-Mitte, das entspricht etwas mehr als einem Prozent der Bevölkerung der Kernstadt. Das ist eigentlich viel zu wenig.
Für Bürgermeister Rolf Richter ist es keine Frage, die Einsatzkräfte, die bereit sind, Leib und Leben für die Allgemeinheit zu riskieren, auch mit den erforderlichen Hilfsmitteln auszustatten.
„An der notwendigen Ausrüstung und Ausstattung werden wir nicht sparen“, sicherte der Rathauschef den Einsatzkräften zu.
Auf diese Planungsgrundlage für den Brandschutz wies auch Stadtbrandinspektor Jens-Peter Karn hin. Für ihn war es eine ganz besondere Jahreshauptversammlung, da der Stützpunkt an der Robert-Bosch-Straße seit vergangenem Jahr auch sein Arbeitsplatz ist.
Tagtäglich erlebe er die regen Aktivitäten hautnah mit, aber auch die gute Kameradschaft und Zusammenarbeit.
Der am Stützpunkt geleistete Zeitaufwand beinhalte auch die Arbeit in den verschiedenen Ausschüssen, in denen unter anderem jetzt auch der neue Bedarfs- und Entwicklungsplan aufgestellt werde. Das nehme viel Zeit in Anspruch und würde man diese Planung extern machen lassen, sei mit Kosten zwischen 25.000 und 30.000 Euro zu rechnen.
34 Lehrgänge und Seminare wurden im vergangenen Jahr von den Brandschützern besucht.

Elf Feuerwehrleute befördert

Stadtbrandinspektor Karn konnte elf Kameraden befördern: Zum Feuerwehrmann wurde Maxim Boguzki befördert.
Die bisherigen Feuerwehrmänner Sebastian Berberich, Marc Hauschildt, Lukas Felker und Feliz Zillig sind jetzt Oberfeuerwehrmänner, Hauptfeuerwehrmann wurden Sebastian Götz und Fabio Maftei. Zum Löschmeister wurde Georg Brüser befördert, Oberlöschmeister wurden Matthias Pfleger und Ingo Remus, Hauptlöschmeister Jens Ameis.
150 Jahre „geballte Feuerwehr“ verbergen sich hinter Roland Böhm, Dieter Kuhn und Gerhard Roth, die Wehrführer Hans Förg jeweils für 50-jährige Mitgliedschaft in der Feuerwehr ehren konnte. Nicht anwesend war Peter Backfisch (50 Jahre).

© Bergsträßer Anzeiger, Montag, 25.01.2016