Feuerwehr: Stadt investiert 850 000 Euro in den Umbau des Gebäudes / Mosaikstein im Sicherheitsmanagement
Bensheim. Der Feuerwehrstützpunkt Bensheim-Mitte ist nach seinem Um- und Anbau nicht nur erstklassig ausgerüstet und auf dem neusten Stand der Technik, er ist auch ein wichtiger Mosaikstein im Sicherheitsmanagement der Stadt – und im Katastrophenfall eine Notanlaufstelle für die Bevölkerung. Durch die Netzersatzanlage in einem Container außerhalb des Stützpunktes mit einer Leistung von 130 Kilovoltampere (KVA) und einem Tankinhalt von 800 Liter Diesel ist der Dauerbetrieb von drei Tagen möglich.
Mit anderen Worten: Bei einem kompletten Stromausfall in der Stadt – oder im Fall einer Katastrophe – sind genügend Reserven vorhanden, Feldküchen aufzubauen oder andere Versorgungsmaßnahmen zu treffen. „Wir sind komplett autark“, unterstrichen Stadtbrandinspektor Willi Plaschke und Wehrführer Hans Förg am Samstag beim Rundgang durch die neuen Räume.
Einmalig im Kreis
Interessierte Gäste waren neben Kreisbrandinspektor Wolfgang Müller und seinem Stellvertreter Werner Trares, Bürgermeister Thorsten Herrmann, Stadtrat Adil Oyan, mehrere Parteienvertreter sowie der stellvertretende Stadtbrandinspektor Thomas Strößinger, Angehörige der Stadtteil-Wehren und benachbarter Feuerwehren.
Kreisbrandinspektor Müller hob die Einmaligkeit der Einrichtung im Kreis hervor. Die Freiwillige Feuerwehr Bensheim-Mitte ist der bislang einzige Stützpunkt mit einer derart ausgetüftelten Notfalleinrichtung und deshalb Teil der kreisweiten Katastrophenschutzvorsorge. Dies vermittle der Bevölkerung ein starkes Gefühl der Sicherheit, unterstrich Müller. Gleichzeitig bedeute die Anlage ein wichtiger Standortfaktor bei der Neuansiedlung von Investoren.
„Der Hessentag wirft seine Schatten voraus“, kommentierte Stadtbrandinspektor Plaschke den generalüberholten Zweckbau mit launigen Worten. Rund 850 000 Euro hat sich die Stadt die, vom Technischen Prüfdienst Hessen und von der Unfallkasse Hessen, 2010 angemahnten Um- und Anbaumaßnahmen kosten lassen. „Wir befinden uns innerhalb des Kosten- und Zeitrahmens“, freuten sich Plaschke, Wehrführer Hans Förg und Architekt Engelbert Helfrich über die zügige Abwicklung der Arbeiten am Stützpunkt. Lob und Anerkennung zollte Thomas Mehler von der Unfallkasse den weitgehend abgeschlossenen Modernisierungs- und Sanierungsmaßnahmen.
Was hat sich in den vergangenen neun Monaten noch im und rund um den Stützpunkt der Freiwilligen Feuerwehr Bensheim-Mitte getan? Beispielsweise wurde die Unterbringung der Einsatzkleidung neu geregelt. Die nach Einsätzen oftmals nassen und klammen Uniformen hängen nicht mehr in der Fahrzeughalle, sondern in einem extra Raum, der durch eine Umluftanlage auf 21 Grad erwärmt wird.
Der alte Atemschutzbereich wurde so umgestaltet, dass genügend Platz für die Spinde ist. Gewünschter Effekt ist eine erhebliche Energieeinsparung, da die große Halle nicht mehr geheizt werden muss. Bei der Überprüfung des Stützpunktes vor gut zwei Jahren hatte der Technische Prüfdienst außerdem moniert, dass die Atemschutzwerkstatt nicht mehr den aktuellen Richtlinien entspricht. Hier hat man ebenfalls Abhilfe geschaffen und zwei komplett neue Räume für Reinigung und Aufbewahrung der 280 Atemschutzmasken und 108 Geräte gebaut.
In einem sogenannten „Schwarzen Bereich“ werden die Gerätschaften zunächst zerlegt und gesäubert, im sterilen „Weißen Bereich“ einem computergesteuerten Prüfungs-Check unterzogen und anschließend aufbewahrt.
Die alten Arbeitsplätze der Gerätewarte hielten den gesetzlichen Anforderungen ebenso wenig Stand wie die Lagerung der Gasflaschen für die mobile Brandsimulationsanlage. Letztere sind inzwischen – wie auch der Kompressor – in einem separaten Lager außerhalb des Gebäudes untergebracht. Die Gerätewarte können ihre Arbeit ab sofort in einem Raum mit Tageslicht versehen.
Bereits im Januar wurde eine neue Heizungsanlage mit einem Blockheizkraftwerk eingebaut, im August eine neue Funkzentrale in Auftrag gegeben. „Durch all diese Maßnahmen ist es gewährleistet, dass die Bevölkerung von Bensheim bei Notlagen von den Feuerwehren der Stadt geschützt und versorgt werden können“, unterstrich Plaschke.
Danke sagte er der Freiwilligen Feuerwehr Heppenheim für deren Unterstützung. Während der Baumaßnahme konnten die Bensheimer Kameraden dort ihre Atemschutzgeräte warten und die Atemluftflaschen befüllen: „Das zeigt, dass wir uns auf unsere Vorstadt verlassen können“, frotzelte der Stadtbrandinspektor. gs
© Bergsträßer Anzeiger, Montag, 23.09.2013