Großeinsatz: 24 Jahre alter Tramper hielt Rettungskräfte in Atem / Badesee war gestern stundenlang wegen großer Suchaktion gesperrt

Von unserem Redaktionsmitglied Dirk Rosenberger

Mit Spürhunden und Tauchern haben Einsatzkräfte gestern im und am Bensheimer Badesee nach einem vermissten Tramper gesucht.

© Matern

Bensheim. Große Aufregung am Bensheimer Badesee: Rettungskräfte suchten gestern bis in die Abendstunden vergeblich nach einem 24 Jahre alten Tramper, der zuletzt am Mittwochabend im Rasthof Bergstraße in unmittelbarer Nähe an der A 5 gesehen wurde. Am Morgen danach entdeckten Mitarbeiter seinen Rucksack mit Reisepass und Gitarre – von dem Mann fehlte jede Spur. Erst gestern Abend gegen 20 Uhr kam die erlösende Nachricht für alle Beteiligten. „Er hat sich bei seiner Mutter gemeldet. Ihm gehe es gut“, teilte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Südhessen auf Nachfrage mit.
Dass die Geschichte ein gutes Ende nehmen würde, hatte sich in den Stunden zuvor nicht unbedingt herauskristallisiert. Die Indizien deuteten eher darauf hin, dass dem Anhalter etwas zugestoßen sein könnte.
Die Polizei leitete aufgrund der Hinweise bereits morgens eine ausgedehnte Suchaktion ein. Ein Hubschrauber überflog die Freiflächen zwischen Badesee und städtischer Grillanlage sowie das nähere Umfeld. Auch am Boden durchkämmten Beamte das Gebiet – allerdings ohne Erfolg. Im Uferbereich des Badesees schlug am späten Vormittag ein Rettungshund an. Daraufhin weitete man den Einsatz auf den Badesee aus.

Durchs Dickicht gekämpft

Die Bensheimer Feuerwehr unter der Leitung von Stadtbrandinspektor Willi Plaschke kämpfte sich durchs Dickicht rund um das Gewässer. DLRG-Teams der Ortsgruppen Bensheim/Heppenheim und Lampertheim waren mit acht Tauchern und etlichen Helfern vor Ort.
„Wir können nicht ausschließen, dass er spätabends zum Schwimmen in den See gesprungen ist“, sagte Engelbert Lenhart, Leiter der Polizeistation. Mit mehreren Booten ging es aufs Wasser, um an unterschiedlichen Stellen in Ufernähe nach dem Vermissten tauchen zu können.
Der Badesee war während dieser Zeit für Schwimmer tabu. Besucher wurden am Eingang darüber informiert, dass sie an den Strand können, aber nicht ins Wasser dürfen.
Verstärkung erhielten die Taucher von der Rettungshundestaffel. In Schlauchbooten wurden die Vierbeiner auf ihre Mission geschickt. Eine Fährte unter Wasser aufnehmen? Für die gut ausgebildeten Tiere kein Ding der Unmöglichkeit. „Sie nehmen die Fettpartikel wahr, die von einer Person unter Wasser an die Oberfläche treiben“, erläuterte Peter Jäger. Der stellvertretende Einsatzleiter des Kreis-DLRG koordinierte vom Land aus die Aktion.
Einer der Hunde schlug schließlich auf dem See an. Taucher wurden losgeschickt, sie konnten in der Tiefe aber nichts entdecken. Wie man schließlich erst Stunden später erfahren sollte, hätten sie auch nichts finden können.
Mehrere hundert Badegäste verfolgten die Bemühungen der Retter, eine Spur des Trampers zu finden. Die meisten zeigten Verständnis, dass sie für längere Zeit auf dem Trockenen sitzen mussten. Erst nach 19 Uhr wurde der Badesee wieder freigegeben. Als die Suche abgebrochen wurde, ging man noch davon aus, am nächsten Tag einen neuen Anlauf nehmen zu müssen.

Mit den Eltern telefoniert

Bereits am Mittag wurde der junge Mann von der Polizei zur Fahndung ausgeschrieben. „Wir haben mit seinen Eltern telefoniert, die sich das alles nicht erklären können“, so Lenhart. Der 24-Jährige galt als erfahren, hatte bereits mehrere Touren als Anhalter in der ganzen Welt hinter sich. Aktuell befand er sich von Freiburg, wo er einen Freund besucht hatte, auf dem Weg nach Hause zu seiner Mutter in Norddeutschland.
Gemeldet ist er nach Auskunft der Polizei und den Angaben in seinem Pass zufolge in Deutsch Evern, einer Gemeinde im Landkreis Lüneburg in Niedersachsen. Dort leben auch seine Eltern.
Bei seinem Aufenthalt am Mittwochabend im Gastraum der Rastanlage trug er Bluejeans und ein dunkles, kariertes Sommerhemd oder ein T-Shirt. Die Kleidung wurde ebenso wenig am Badesee gefunden wie sein Handy. Die Mutter habe ihn vergeblich versucht, zu erreichen. Auch die Polizei konnte keinen Kontakt herstellen, der Versuch einer Funkpeilung schlug fehl. Auf den Autobahnparkplätzen an der A 5 und der A 67 in der Region, die von der Polizei abgefahren wurden, fanden sich ebenfalls keine Hinweise.
„Wenn wir ihn jetzt nicht finden, haben wir zurzeit kaum weitere Anhaltspunkte“, bemerkte Lenhart gestern Nachmittag. Die Ermittlungen gingen in alle Richtungen. Zu diesem Zeitpunkt konnte weder ein Unfall noch ein Verbrechen ausgeschlossen werden.
Dass der Mann ohne seine Habseligkeiten und ohne seinen Reisepass die Tour fortsetzen wollte, hielten die Beamten und seine Angehörigen eigentlich für nahezu ausgeschlossen. Zumal die Mutter versicherte, dass ihr Sohn in keinem Fall freiwillig seine Gitarre zurücklassen würde. Was den 24-Jährigen letztlich dazu veranlasst hatte, vom Rasthof aus ohne Papiere, Rucksack und Musikinstrument zu verschwinden, konnte gestern Abend nicht mehr abschließend geklärt werden. Die Polizei wird die näheren Umstände des Falls prüfen.

© Bergsträßer Anzeiger, Freitag, 26.07.2013