Feuerwehr: Durch den Euler-Einsatz war die Friedhofsstraße acht Stunden gesperrt

Von unserem Redaktionsmitglied Karl-Josef Bänker

Bensheim. Es gibt Erfahrungswerte bei der Feuerwehr: Wenn es in der Neujahrsnacht bis um ein Uhr nicht gebrannt hat, dann brennt es überhaupt nicht mehr. Seit gestern stimmt das in Bensheim nicht mehr. Um 2.46 Uhr ging an Neujahr die Meldung in der Feuerwache ein: Euler brennt! Die Feuerwehr rückte mit 32 Einsatzkräften und zwölf Wagen aus. Von kurz vor drei Uhr bis 11.15 Uhr war die Friedhofstraße wegen dieses Einsatzes gesperrt.

Es liegt Brandstiftung vor

Nach Lage der Dinge geht die Feuerwehr von Brandstiftung aus. Jemand hatte sich Zutritt zu dem teils unter Denkmalschutz stehenden zweistöckigen Bürogebäude verschafft und im Keller gezündelt.

Obwohl die Papierfabrik seit vielen Monaten geschlossen ist und weite Teile der Gebäude komplett ausgeräumt sind, gab es im Bürogebäude noch viel brennbares Material. Wie Stadtbrandinspektor Willi Plaschke erläutere, lagerten dort noch Akten in Holzregalen und sonstiges Archiv-Material in Schränken. Das alles gab dem roten Hahn reichlich Futter.

Das Feuer von innen bekämpft

Die Einsatzleitung lag in den Händen von Hans Förg. Der schickte nacheinander 18 Männer unter schwerem Atemschutz ins Gebäude, damit sich der Brand nicht durch alle Stockwerke fressen konnte. Da die Versorgung mit Löschwasser gut war, stoppen die Feuerwehrleute die Flammen im ersten Stock. Der zweite Stock und das Dach wurden nur noch durch Rauch in Mitleidenschaft gezogen.

Nach dem Vollbrand im Keller hatten sich die Flammen leicht im Erdgeschoss ausbreiten können. Eine offene Wendeltreppe wirkte wie ein Kamin. Auch im Erdgeschoss fanden die Flammen Nahrung.

Wendeltreppe wirkte wie Kamin

Laut Plaschke ist der Sachschaden schwer zu beziffern, weil das Gebäude nicht mehr genutzt wurde – und in dieser Form auch nicht mehr genutzt worden wäre. Es gibt Baupläne für das Euler-Gelände, in dem dieser Trakt nicht mehr eingezeichnet war.

Strittig war zwischen dem Planer und der Denkmalschutzbehörde der Erhalt des Eingangsbereichs zum Bürogebäude. Inwieweit dieser durch den Brand betroffen wurde, war gestern noch nicht klar.

Personen wurden gestern nicht verletzt. Vorsorglich hielten sich Kräfte des Bensheimer Roten Kreuzes und des Kreisverbandes in Bereitschaft. Mitarbeiter des Zweckverbandes Kommunalwirtschaft Mittlere Bergstraße (KMB) waren vor Ort. Sie prüften die Belastung des in die Kanalisation fließenden Löschwassers. Der KMB betreibt die Bensheimer Kläranlage, die biologisch arbeitet.

Bis auf den Großbrand hatten die Bensheimer Brandschützer in der Neujahrsnacht wenig zu tun. Lediglich in Auerbach gab es einen kleinen Löscheinsatz auf einem Balkon.

Der letzte Großbrand in einer Neujahrsnacht liegt in Bensheim 32 Jahre zurück. Damals brannte das Spielwarengeschäft Jäger an der Fußgängerzone total aus.

Vor 32 Jahren brannte Jäger

Vor dem Geschäft liegendes Verpackungsmaterial war in Brand geraten, wodurch eine Scheibe platzte. Die Flammen drangen in den Laden und fanden ausgerechnet den Weg in die Abteilung mit den nicht verkauften Böllern und Raketen …

Ab diesem Zeitpunkt gab die Wehr das Spielwarengeschäft auf und verlagerte den Schwerpunkt darauf, die umliegenden Häuser vor einem Übergreifen der Flammen zu schützen – was auch gelang.

Bergsträßer Anzeiger
02. Januar 2010

Eine kleine Bildergalerie findet man im Morgenweb