Jahreshauptversammlung: Die Bensheimer Feuerwehren waren im vergangenen Jahr 466-mal im Einsatz / Zunahme bei den Hilfeleistungen

 
Auerbach. Stadtbrandinspektor Willi Plaschke hatte die Versammlung noch nicht eröffnet, da gingen schon die Piepser los. Die Bensheimer Brandschützer wurden zum Marktplatz gerufen. Ein Anwohner vom Griesel hatte auf einem Dach Feuerschein gesehen und vorsorglich die Feuerwehr gerufen. „Vorbildlich“, wie Plaschke feststellte, aber gottlob ohne ernsthaften Hintergrund. Denn der Feuerschein stellte sich als Grillstelle heraus.
 
Es war einer von diesen Einsätzen, zu denen die freiwilligen Helfer der zehn Bensheimer Wehren im vergangenen Jahr insgesamt 466-mal gerufen wurden. 303 Einsätze, das sind rund 65 Prozent, entfielen davon auf die Brandschützer von Bensheim-Mitte.
 
Der aktuelle Einsatz bei der Jahreshauptversammlung aller Feuerwehren der Stadt Bensheim im Bürgerhaus Kronepark in Auerbach machte aber auch eines deutlich: Egal, ob sie gerade in einer Versammlung sitzen, beim Abendessen, bei der Arbeit oder im Tiefschlaf sind – wenn die Feuerwehr gerufen wird, kommt sie.
 

In Massagebank eingeklemmt

 
Sei es um Wespennester zu beseitigen, hilflose Personen aus einer Notlage zu befreien, eine eingeklemmte und schwer verletzte Person mit Spreizer, Pedalschneider und Pendelsäge aus einer Massagebank zu befreien, nach Unwettern Wasser aus Gebäuden pumpen oder umgestürzte Bäume zu beseitigen oder eben 53 kleine und große Brände zu bekämpfen.
 
Vor diesem Hintergrund und den aktuellen Bildern aus Japan, wo es auch wieder die Feuerwehrleute sind, die ungeachtet ihrer Gesundheit und ihres Lebens versuchen zu retten, was zu retten ist, wird einmal mehr deutlich, wie wichtig die Präsenz und das Engagement der Feuerwehren sind.
 
Da wird verständlich, wenn Stadtbrandinspektor Plaschke mit nicht zu überhörendem Unterton aus gegebenem Anlass vom „Jahresbericht der zehn heiligen Kühe“ spricht, die „wieder kräftig gemolken wurden“.
 
Deutlicher wurde Bürgermeister Thorsten Herrmann. Er forderte ein „Klima der Wertschätzung für das Ehrenamt“ ein und kritisierte die im politischen Raum im Zusammenhang mit möglichen Sparmaßnahmen bei der Feuerwehr geäußerte Formulierung von den heiligen Kühen, an die sich niemand traue. „Weg mit diesen Begrifflichkeiten“, versicherte der Rathauschef, dass die heiligen Kühe nicht geschlachtet würden, solange er die Verantwortung habe.
 
In seinem eindrucksvollen Bericht gab Plaschke einen Überblick über die Leistungen der insgesamt 355 aktiven Brandschützer, die im vergangenen Jahr 2757 Stunden ihrer Frei- und teilweise auch Arbeitszeit in den Dienst am Nächsten stellten.
 

Rückgang bei Brandeinsätzen

 
Das war die bisher größte Zahl an Einsatzstunden, so Plaschke, Im Jahr davor waren bei 383 Einsätzen insgesamt 2421 Stunden aufgebracht worden. Ebenso fällt im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang bei den Brandeinsätzen (von 168 auf 145) und eine Zunahme bei den Hilfeleistungen (von 215 auf 321) auf.
 
Verändert hat sich auch die durchschnittliche Stundenzahl pro Einsatz. Sie sank von 6,3 in 2009 auf 5,91 Stunden im vergangenen Jahr. Damit die zehn Freiwilligen Feuerwehren auch effektiv und sachkundig helfen können, werden sie nicht nur entsprechend ausgestattet, sondern bilden sich auch regelmäßig fort. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 74 Lehrgänge und Seminare besucht. Zusätzlich stellen die Brandschützer bei Großveranstaltungen den Brandsicherheitsdienst, sind präventiv in der Brandschutzerziehung aktiv und kümmern sich mit einer engagierten Jugendarbeit um ihren Nachwuchs.
 
So konnten 2010 mit zehn Kräften aus der Jugend die Einsatzabteilungen aufgestockt werden, wie Stadtjugendfeuerwehrwart Michael Lortz berichtete. Allerdings verließen auch 21 Jugendliche die Feuerwehr aus unterschiedlichen Gründen, was aber durch 37 Neuzugänge kompensiert werden konnte. js
 

Bergsträßer Anzeiger
21. März 2011