Unwetter: Allein in Bensheim und Auerbach mehr als 100 Alarmierungen / Auch gestern noch Aufräumarbeiten

Bensheim. Der Morgen danach. Überreste abgeknickter Bäume liegen neben der Straße, garniert mit Blättern und Ästen. An einigen Stellen sieht es so aus, als hätte ein überdimensionaler Häcksler Kleinholz durch die Gegend gespuckt. Die Bauhof-Kolonnen haben alle Hände voll zu tun, die Spuren des Unwetters vom Sonntagabend zu beseitigen (wir haben berichtet).

Über vier Stunden im Einsatz

Innerhalb weniger Minuten brach die Gewitterfront über die Bergstraße herein. Der Wind sei das Problem gewesen, weniger der Regen. Selbst gesunde Bäume hätten da keine Chance gehabt, so Plaschke. Sie wurden entwurzelt, abgenickt, fielen auf Häuser, beschädigten Autos. „Damit hatten wir am meisten zu tun“, bilanziert der Stadtbrandinspektor.
Mindestens 100 Einsätze mussten zwischen 19.20 und 23.45 Uhr gefahren werden. Wahrscheinlich waren es sogar ein paar mehr. Alle zehn Feuerwehren aus Bensheim und den Stadtteilen waren unterwegs. Zur Unterstützung kamen Kräfte aus Pfungstadt und Bürstadt mit Teleskopmasten, die bei abgedeckten Dächern erste Hilfe leisteten. Das Technische Hilfswerk rückte ebenfalls aus. Auch Bürgermeister Thorsten Herrmann verschaffte sich einen Überblick über das Ausmaß der Schäden.
220 Einsatzkräfte stellten sich in den Dienst der Allgemeinheit, packten an, wo die Not am größten war, wo Straßen blockiert, Autos unter Ästen begraben und Bäume auf Dächer gekracht waren. Außerdem mussten vier Keller leergepumpt werden, weil Wasser eingedrungen war. Ein Sachschaden in „ordentlicher Höhe“ sei insgesamt zusammengekommen, genau lasse sich das im Moment nicht beziffern. Die gute Nachricht: „Es gab nach meinem Kenntnisstand keine Verletzten“, betont Plaschke.
Bensheim und Auerbach waren die Haupteinsatzgebiete der Feuerwehren. Bachgasse, Schillerstraße, Im Tiefen Weg, Berliner Ring – gewütet hat das Unwetter querbeet im Stadtgebiet. Auch an den Gleisen musste die Bensheimer Wehr in Zusammenarbeit mit der Bahn AG Äste und Bäume von den Oberleitungen holen.

Bahnstrecke gesperrt

Wie berichtet, war die Bahnstrecke zwischen Auerbach und Heidelberg/Mannheim zeitweise gesperrt, es kam zu Verspätungen und Zugausfällen. Im Heppenheimer Bahnhof musste ein ICE außerplanmäßig gestoppt werden. Erst in den frühen Morgenstunden normalisierte sich die Lage etwas.
Für den Bensheimer Bauhof fing die Arbeit gestern Morgen erst so richtig an. Die komplette Mannschaft war unterwegs, um aufzuräumen. „Das sah zum Teil bitterböse aus“, meinte Frank Daum, Geschäftsführer des zuständigen Zweckverbands Kommunalwirtschaft Mittlere Bergstraße (KMB). Bereits am Sonntagabend hatte der Bauhof mit acht Mann die Feuerwehr unterstützt. Aus Sicherheitsgründen mussten gestern zunächst auch der Waldfriedhof und der Friedhof Mitte gesperrt werden. „Wir haben dort Äste beseitigt und die Bäume kontrolliert“, erklärte Daum.
Gestern Nachmittag gab es zudem in der Schillerstraße in Auerbach noch eine größere Aktion. Das Technische Hilfswerk hatte einen Autokran geordert, um einen Baum von einem Dach zu hieven. Die Straße musste dafür einige Zeit gesperrt werden.
Innerhalb von zwei Wochen wurde Bensheim nun zum zweiten Mal von einem schweren Unwetter heimgesucht. Vor 14 Tagen musste nach einem Wolkenbruch die B 47 ab dem Ritterplatz Richtung Lautertal gesperrt werden, weil Dreck, Schlamm und Erde vom Kirchberg die Straße heruntergespült wurden. Es kam zu langen Staus und Behinderungen.

© Bergsträßer Anzeiger, Dienstag, 12.08.2014